Höhere Belastungen befürchtet

Nachts wieder mehr Fluglärm

Heusenstamm - Immer wieder müssen sich die Schlossstädter mit dem Thema Fluglärm beschäftigen. Jetzt sollen wieder einmal Änderungen der Routen die Heusenstammer stärker belasten. Von Claudia Bechthold 

Eine „pure Enttäuschung“ nennt Bürgermeister Halil Öztas das Programm „Aktiver Schallschutz“, das unlängst von einem Expertengremium des Forums Flughafen und Region vorgestellt wurde. „Diese Maßnahmen sind kein Lärm- oder Schallschutz, sondern eine Zumutung“, kritisiert er. Mit der Idee, die beiden Großstädte Offenbach und Frankfurt von Fluglärm zu entlasten, würden Routen willkürlich verlagert – zu Lasten unter anderem der Menschen in Heusenstamm, aber auch der benachbarten Gemeinden im Kreis Offenbach.

So werde den Anwohnern nun erneut – nach sechs Jahren – der sogenannte „Segmented Approach“ aufgetischt, beklagt Öztas. Mit diesem Verfahren des „verschwenkten Anflugs“ kommen die Maschinen etwas abseits der üblichen Routen in den Landeanflug. Nach diesen Plänen sollen verspätete Flieger „nur noch über Heusenstamm“ reinkommen. Zwischen 22 und 23 Uhr solle künftig nur noch im Segmented Approach geflogen werden.

Erhebliche Mehrbelastungen für die Schlossstadt befürchtet der Verwaltungschef außerdem durch geplante Veränderungen für die Start-Route 07. Das ist jene Route, die bei Ostwind genutzt wird. Da die Flugzeuge gegen den Wind starten müssen, ist Heusenstamm bei Ostwetterlage vom Lärm startender Maschinen betroffen.

Der vorgestellte Aktionsplan sehe nun vor, dass bis zu 20 schwere und laute Flieger, die bei Ostwind nach Norden wollen, nicht mehr über die sogenannte Krankenhaus-Route (wegen der Universitäts-Kliniken) nach links abbiegen, sondern weiter auf Kurs Heusenstamm bleiben und erst später in Richtung Norden abdrehen. Damit soll das Stadtgebiet Frankfurt entlastet werden. Für Heusenstamm und Gravenbruch bedeute dies aber eine extreme Belastung.

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Erhöhte Lärmbelastung gehe auch von der Abflugroute „07-Süd“ aus. Flugzeuge die nach Süden wollen, starten bei entsprechender Wetterlage ebenfalls Richtung Osten und biegen – oft über Heusenstamm – nach rechts ab. Dazu komme, berichtet der Bürgermeister, das Expertengremium zu dem Ergebnis, dass „kein weiterer Handlungsbedarf“ bestehe, da es nur eine relativ geringe Anzahl von Abflügen auf dieser Route gebe. „Das ist ein Irrglaube“, kontert Öztas. Schon mit öffentlich zugänglichen Zahlenwerken könne man dies widerlegen.

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Insgesamt handele es sich also bei dem Programm vor allem um Flugverlegungen – auch zum Nachteil der Heusenstammer Bürger, kritisiert der Rathauschef, der sich zufrieden darüber äußerte, dass die Fluglärmkommission das Programm auf seinen Antrag hin nur zur Kenntnis genommen habe. Damit dürfe es eigentlich nicht umgesetzt werden. Öztas fordert, dass die Fluggesellschaften endlich im großen Stil in leisere Flugzeuge investiere. Zumal er befürchtet, dass der Lärm durch die steigenden An- und Abflüge der Billig-Gesellschaften weiter steige.

Rubriklistenbild: © dpa

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