Geduldige Helfer am Handy

Konfirmanden geben Smartphone-Nachhilfe für Senioren

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Matthias zeigt Ingrid Steinbach-Köhler, wie man E-Mails vom Handy aus versendet.

Heusenstamm - Zwei Praktika müssen die Konfirmanden der Evangelischen Kirchengemeinde während ihrer Vorbereitungszeit absolvieren. Zwei der Teenager kamen dazu auf die Idee, Senioren beim Umgang mit dem Smartphone zu helfen. Von Claudia Bechthold

E-Mails von ihrem Smartphone aus verschicken möchte Ingrid Steinbach-Köhler. Doch sie hat keine Vorstellung, wie das funktionieren könnte. Der 14 Jahre alte Matthias dagegen beherrscht sein Handy fast im Schlaf. Geduldig zeigt er der Seniorin Schritt für Schritt, wie das funktioniert. Auch Michelle – ebenfalls 14 Jahre alt – bleibt gelassen, egal wie oft sie die gleichen Fragen schon beantwortet hat.

Die beiden Konfirmanden und Michelles Freundin Kimi haben Senioren eingeladen, sich ihr Smartphone erklären zu lassen. Spontan hätten sie diese Idee gehabt, berichten sie, als es um die Frage ging, was sie als Praktikum machen könnten. Das Angebot wurde sofort bestens angenommen. Ein gutes Dutzend Menschen, die sich im Umgang mit der Technik unsicher sind, erschien zu diesem Treffen. Unterstützt wurden die jungen Leute von Pfarrerin Tanja Sacher, die ebenfalls ihre Hilfe anbot.

Wie versende ich Bilder? Wie kann ich das Programm „WhatsApp“ laden und wie funktioniert das? Und wie kann ich erreichen, dass der Bildschirm nach einer gewissen Zeit von selbst ausgeht? Für so manchen Senioren ist das Mobiltelefon auch nach ein oder zwei Jahren im Besitz so etwas ähnliches wie ein Buch mit sieben Siegeln. „Telefonieren kann ich damit“, sagt ein älterer Herr. Aber viel mehr ist nicht drin. „Und die Beschreibung für das Handy ist so kompliziert geschrieben, dass man nicht viel damit anfangen kann“, ergänzt eine Frau.

„Meine Enkel, die in Norddeutschland leben, waren der Meinung, ich müsste so ein Smartphone haben“, berichtet Renate Plontke. Aber die Enkel sind zu weit weg, um ihr die Funktionen erläutern zu können. Dennoch möchte sie gern auf vielen Wegen mit ihrer Familie kommunizieren, nicht nur telefonierend: „Meine Enkel schicken mir immer Bilder, ich weiß aber nicht, wie ich ihnen selbst welche senden kann.“

Frühlingshafte Bilder aus Heusenstamm

Zwei Praktika sollen die Konfirmanden während ihrer Vorbereitungszeit ablegen. „Auf diese Weise sollen sie das Gemeindeleben kennen lernen, aber auch Verantwortung übernehmen“, erläutert Tanja Sacher. Meist unterstützen die Teenager dabei Angebote der Gemeinde. Die einen sind bei der Vorlesestunde der Bücherei dabei, andere helfen beim Seniorennachmittag oder verkaufen Kuchen während des Flohmarkts, den der Kindergarten veranstaltet. Eigene Ideen entwickeln die jungen Leute eher selten, bestätigt Tanja Sacher. Und das Angebot mit dem Smartphone-Workshop war völlig neu.

Michelle, Kimi und Matthias hatten Spaß an der Umsetzung ihrer Idee. Auch wenn es ihnen nicht immer leicht gefallen ist, einen Button auf dem Handy der Senioren nicht gleich selbst zu drücken, sondern zu warten und noch mal zu erläutern, welches Symbol das richtige ist, bis die älteren Herrschaften den Button selbst gefunden haben. Denn am besten lernt man das Neue ja, wenn man es selbst macht.

„Cool“ war der Nachmittag, waren sich die drei 14-Jährigen einig. Und: „Können wir das noch mal machen, wenn die Konfirmation vorbei ist?“ Klar, sagt Pfarrerin Sacher und verspricht ihre Hilfe bei der Organisation.

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