Heusenstammer verurteilt 

Betrunkener versucht Flüchtling das Rad zu rauben - und bekommt Bewährung

Heusenstamm – Stark betrunken hat ein 36-Jähriger an der S-Bahnstation Heusenstamm versucht, einem 18-jährigen Asylbewerber das Fahrrad zu rauben. Die Tat misslang. Von Stefan Mangold

Das Schöffengericht in Offenbach verurteilte den Mann jetzt wegen des Versuchs zu acht Monaten Haft auf Bewährung. Außerdem muss der Offenbacher neben den Gerichtskosten noch 300 Euro für einen guten Zweck überweisen.

Die Geschichte spielte sich am 29. Dezember 2017 ab. Der Angeklagte wohnt in Offenbach, arbeitet aber in Dietzenbach. An jenem Freitag freute er sich nicht nur über den Feierabend, sondern auch über das Ende der Arbeitswoche. Nach der Arbeit in der Firma besuchte er zusammen mit Kollegen eine Dietzenbacher Kneipe. Dort trank er in den folgenden Stunden weit mehr, als er vertragen hätte.

Nach dem letzten Bier stieg der Mann mit seinem alten Fahrrad in die S-Bahn Richtung Offenbach. Dort traf er auf einen 18-jährigen Asylbewerber aus Afghanistan, der wiederum ein Mountainbike der unteren Preisklasse dabei hatte. Der Angeklagte suchte das Gespräch mit dem jungen Mann. Dabei verstieg er sich nicht nur auf die fixe Idee, der Afghane, der das Rad vom Jugendamt bekommen hatte, habe das Gefährt nicht nur irgendjemandem gestohlen, sondern ganz konkret ihm selbst.

Das behauptete der 36-Jährige jedenfalls gegenüber dem überraschten 18-Jährigen. Er werde sein Rad nun mitnehmen, verkündete der Offenbacher. In Heusenstamm wollte der Mann die S-Bahn dann mit beiden Fahrrädern verlassen. Der 18-jährige ließ sich das jedoch nicht gefallen und zog sein Gefährt wieder in den Wagen zurück. Der Angeklagte stieg dann wieder ein.

Während der weiteren Fahrt kam es zwischen den beiden zum einen und anderen Schubser. Ein anderer Fahrgast im Waggon rief derweil die Polizei an. Am Marktplatz in Offenbach schließlich verließen der Geschädigte und der Betrunkene die Bahn. Der Angeklagte lief den alarmierten Polizisten direkt in die Arme und wurde vorläufig festgenommen.

Vor Richter Manfred Beck und den beiden Schöffen leugnet der 36-Jährige das Geschehen nicht. Ja, er habe das Rad des jungen Mannes wohl „abrippen“ wollen. An alle Details könne er sich jedoch beim besten Willen nicht mehr erinnern. Er sei zu blau gewesen. Von einem alles andere als nüchternen Zustand des Angeklagten berichtet auch der Geschädigte im Zeugenstand, der das Geschehen glaubwürdig schildert. Der Angeklagte habe arg betrunken gewirkt und wirres Zeug geredet.

Die wichtigsten Notruf-Nummern

Ein Sachverständiger vom Zentrum der Rechtsmedizin in Frankfurt gibt an, der Angeklagte habe zur Tatzeit einen Alkoholgehalt von etwa 2,5 Promille im Blut gehabt, was für eine verminderte Schuldfähigkeit spreche.

Wegen versuchten Raubes verhängen Richter Beck und die beiden Schöffen acht Monate Haft auf Bewährung gegen den Mann. Außerdem muss der Angeklagte binnen eines halben Jahres 300 Euro an eine Jugendhilfeeinrichtung bezahlen. Das ist genau der Betrag, der dem Arbeiter nach Abzug der Miete monatlich zur Verfügung steht.

Rubriklistenbild: © dpa

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