Tipps für den Wettstreit der Worte

Heusenstammerin Lea Weber vermittelt die Grundlagen des Poetry-Slams

Heusenstammerin Lea Weber erklärt worauf es beim Poetry-Slam ankommt.
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Die Grundlagen des Poetry-Slams hat Lea Weber den Teilnehmerinnen des Workshops im evangelischen Gemeindezentrum vermittelt.

Heusenstamm – Gegen rechts. Und das mit Worten in einer Kunstform, die sich die jüngere Generation erobert hat. Zu Workshops unter dem Stichwort „Poetry-Slam“ lädt derzeit der Förderverein der evangelischen Kirchengemeinde in Kooperation mit dem Programm „Demokratie leben“ ein. In einem ersten Schritt hat sich die Slammerin Lea Weber mit Interessierten im evangelischen Gemeindezentrum getroffen, um die Grundlagen der Slam-Kultur, bei der es um poetische Texte und ihre Darstellung geht, zu erarbeiten. „Die Vorträge ersetzen die klassischen Literaturlesungen“, stellte sie dabei fest.

Lea Weber weiß, wovon sie spricht. Vor mehr als fünf Jahren hat das Virus der Text- und Vortragsform die ehemalige Reichwein-Schülerin, die in Heusenstamm aufgewachsen ist, erfasst. Nach dem ersten Auftritt kam schnell der Erfolg: Weber wurde U-20-Hessenmeisterin und gelangte ins Halbfinale der deutschen Meisterschaft. Inzwischen hat die 23-Jährige ein Germanistik- und Kunstpädagogikstudium abgeschlossen und die Corona-Zeit genutzt, um ein Buch mit dem Titel „lautgeschrieben“ zu veröffentlichen.

In Deutschland bekannt gemacht hat die literarische Kunstform vor allem Slammerin Julia Engelmann. Doch Slam-Poetry sei nicht nur Engelmann, betont Weber. „Es gibt eine unglaubliche Vielfalt von Texten und Arten“, ermutigte sie die Teilnehmerinnen des Workshops, ihren eigenen Weg zu finden.

Geprägt ist der Slam meist durch organisierte Wettbewerbe, einer Art Dichterwettstreit, meist in einer offenen Form. „Die Treffen sind nicht nur für Profis gedacht, es gibt offene Listen und man kann noch am Abend hingehen, sich eintragen und vortragen“, erläuterte Weber. Halten müssen sich die Teilnehmer an ein Zeitlimit, etwa fünf bis sieben Minuten darf der Vortrag dauern, bei offiziellen Meisterschaften sind fünfeinhalb Minuten angesetzt. „Man darf nicht mit Requisiten präsentieren, eventuelle Zitate müssen erkennbar sein und es darf nicht nur gesungen werden“, erzählt Weber. Die strengste Regel sei, dass der Poet respektiert werden müsse. „Jeder hat Respekt verdient, egal wie er vorträgt.“ So heiße es in der Szene: Wer als Mensch auf die Bühne geht, geht als Mensch auch wieder hinunter.

Am Schluss der Poetry-Slams bildet das gesamte Publikum die Jury, die Anwesenden bewerten mit ihrem Applaus oder sonstigen Kundgebungen. Beurteilt werden Texte und Performance, also die Art des Vortrages, gleichermaßen. Entsprechende Übungen standen daher auch im Mittelpunkt des Workshops im Gemeindezentrum. Den Anfang machten Wort- und Namensspiele, verbunden mit Gedächtnisübungen, Assoziationen und Anti-Assoziationen. „Gar nicht so einfach“, stellte die Gruppe fest. An die eigene Kreativität appellierte eine Schreibübung im Sinne einer „Ein-Wort-Geschichte“, also einer Erzählung, zu der jeder in der Runde ein Wort hinzufügte. Aus dem so entstandenen Bericht über „Heinz, den Demonstranten und sein Huhn Luise“ hätte mancher bereits „performen“ können.

Am Samstag, 10. Oktober, von 10 bis 14 Uhr ist erneut Gelegenheit, die „Poetry-Slam-Kunst“ im Gemeindezentrum, Leibnizstraße 57, zu erlernen, dann mit Finn Holitzka. Anmeldungen sind per Mail an slamgegenrechts@web.de möglich. Den Abschluss des Projektes macht ein Poetry Slam mit Vortragsmöglichkeit für alle, am Sonntag, 11. Oktober, um 18 Uhr im „magisch beleuchteten“ Kirchenraum an der Frankfurter Straße 80.

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