Bangen und Hoffen

Heusenstamms Gastronomen kämpfen in der Corona-Krise um die Existenz

Frühling am Heusenstammer Schloss: Menelaos Atmatzidis, Betreiber der Kost-Bar in dem Gebäude, bangt jetzt um seine Existenz.
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Frühling am Heusenstammer Schloss: Menelaos Atmatzidis, Betreiber der Kost-Bar in dem Gebäude, bangt jetzt um seine Existenz.

Für die Restaurants in Heusenstamm bedeutet das Coronavirus eine Bedrohung ihrer Existenz. Die Suche nach Auswegen läuft.

  • In Heusenstamm geht es vielen Restaurants wegen des Coronavirus schlecht.
  • Gastronomen versuchen. Marktlücken und Auswege zu finden.
  • Vielen bleibt nur noch Hoffen und Bangen.

Heusenstamm – Wegen des Coronavirus steht man zur Zeit oft vor verriegelter Tür. Auch Gastronomiebetriebe mussten die Pforten schließen. Existenzängste werden nun unter den Heusenstammer Restaurantbetreibern laut, doch manche sehen die Situation auch als Chance. Laut jüngstem Beschluss bleibt die Lieferung und Abholung für Gastronomiebetrieben erlaubt. Einige Restaurants schlagen damit neue Wege ein, für andere ist diese Regelung lediglich gut gemeint, jedoch nicht umsetzbar.

Gastronomen in Heusenstamm tun ihr Bestes

Das „Bistrorante Dolce e Vita“ in der Hohebergstraße 2 musste sich umstrukturieren. Anstatt fünf Mitarbeitern werkeln nur noch zwei in der Küche, da der gesamte Mittagstisch entfällt. „Das sind Einbußen von mehr als 50 Prozent“, schätzt der Inhaber Angelo Freni. „Das ist hart, aber da müssen wir eben durch – und zwar zusammen.“ So scheut sich der Chef auch nicht davor, die Auslieferung der Speisen selbst zu übernehmen. Seine Stammkunden sind ihm treu. „Deswegen habe ich auch eine Verantwortung“, betont Freni. Aus diesem Grund übernimmt er auch kleinere Einkäufe für seine Kundschaft. „Wir müssen zusammenhalten“, appelliert er. Auch Roberto Schiliro, der seit 40 Jahren die „Alte Linde“ betreibt, schlägt nun neue Wege ein und liefert erstmals seine Speisen aus. „Das Liefern ist eben auch ein Service, den wir anbieten“, sagt Schiliro. Zur Mittagszeit und in den Abendstunden „versuchen wir unser Bestes“.

Strom- und Mietkosten hat auch die „Alte Scheune“ an der Frankfurter Straße weiterhin zu tragen. Der Zwei-Mann-Betrieb von Manfred Wenzel und seiner Frau hatte zunächst geschlossen. „Wir haben die Zeit erst mal genutzt, um uns zu überlegen, was wir jetzt überhaupt machen“, berichtet Wenzel. Einen Lieferservice mit zwei Leuten anzubieten, sei schlecht umsetzbar. Der 71-Jährige, der die „Alte Scheune“ nun im 23. Jahr betreibt, hat sich dann entschlossen, ab heute wieder die Küche zu öffnen.

Heusenstamm: Unschöne Überraschungen für Restaurantbetreiber

„Wir wollen ja schließlich auch auf dem Markt bleiben“, sagt Wenzel. Die Motivation ließ nicht lange auf sich warten: „Ein Stammgast hat sich quasi einen Gutschein gekauft, weil er möchte, dass meine Einnahmen für diesen Monat gesichert sind“, erzählt der Wirt. Selbstredend, dass der Umsatz bei Weitem nicht dem entspricht, was er ohne das Virus wäre. „Ein paar Monate geht es noch gut, danach müssen wir uns Gedanken um einen Kredit machen.“ Manches komme eben anders als gedacht.

Auch bei Menelaos Atmatzidis. Erst Anfang November hat er sich mit der „Kost-Bar“ in der ehemaligen Schlossschenke selbstständig gemacht. Ihn trifft die Corona-Krise besonders hart, denn er hatte „überhaupt noch keine Chance, Rücklagen zu bilden“. Eine Investition für die nächsten 30 Jahre sollte das Restaurant im alten Schlossgemäuer für ihn sein – so zumindest sein Plan. Jetzt bangt er um seine Existenz. Fünf Festangestellte hat der 28-Jährige, die er bezahlen muss. 

Restaurants in Heusenstamm auf der Suche nach Marktlücken

Und in den Wochen vor der endgültigen Schließung musste er schon etliche Absagen wegen Corona hinnehmen. Etwa 100 000 Euro Umsatz sind dadurch verloren gegangen, schätzt er. Bei der Stadtverwaltung hat er nun um Stundung seiner Pacht gebeten. Eine Entscheidung darüber ist bislang noch nicht gefallen. Jetzt hofft Atmatzidis, sich wenigstens mit einem eilends eingerichteten Abhol- und Lieferservice einigermaßen über Wasser halten zu können: „Ich habe mich entschieden, eine Burger-Auswahl anzubieten. Das ist noch eine Lücke unter den Angeboten der anderen Heusenstammer Lokale.“

Existenzängste bestimmt derzeit auch den Alltag von Beate Schiliro. Das „Da Salvatore“ am Torbau, das sie zusammen mit ihrem Mann führt, hat zehn Mitarbeiter und vier Aushilfen. Die Hilfe vom Land, die ab heute beantragt werden kann, werde „gerade mal für einen Monat reichen“. Das Restaurant an der Schlossstraße ist ein klassisch italienisches Restaurant mit viel Service und Kerzenscheinatmosphäre. „Darüber hinaus bieten wir extravagantere Speisen an – wir sind ja kein Pizzalieferdienst“, sagt Schiliro. Den Lieferdienst habe sie daher schnell wieder eingestellt. Nun bleibt ein Hoffen und Bangen.

VON LISA SCHMEDEMANN

Vor einer großen Herausforderung stehen angesichts der Corona-Krise die Bewohner eines Hauses in Heusenstamm: Sie müssen ihre Wohnungen in Rembrücken räumen und fühlen sich vom Vermieter im Stich gelassen.

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