Hoffen auf die Solidarität

Corona: Heusenstamms Gastronomen fürchten inzwischen um ihre Existenz

Das Lächeln fällt Menelaos Atmatzidis von der Kostbar im Moment nicht leicht.
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Das Lächeln fällt Menelaos Atmatzidis von der Kostbar im Moment nicht leicht.

Trotz aller Bemühungen um die Einhaltung der Hygiene-Vorschriften bleibt die Zukunft für Gastronomiebetreiber in der Corona-Krise ungewiss.

Heusenstamm –Menelaos Atmatzidis ist der Verzweiflung nahe. „Ich erfinde mich ständig neu, aber langsam gehen mir die Ideen aus“, sagt der Gastronom, der seit ziemlich genau einem Jahr die Kostbar im Schloss betreibt. Der Sommer sei gut gelaufen, aber jetzt blieben die Gäste weg. Und Feiern in seinem Restaurant seien wegen der steigenden Infektionszahlen bis zum Ende des Jahres so gut wie alle abgesagt worden.

In den vier Tagen über das vergangene Wochenende habe er nur halb so viel Umsatz gehabt wie an einem einzigen Tag im Sommer. Seit man nicht mehr im Freien sitzen kann, spitzt sich für ihn die Lage wieder zu. Dabei habe er alles getan, um die Hygieneauflagen mehr als zu erfüllen. So habe er zwischen den Tischen inzwischen einen Anstand von 2,50 Meter, Zwischenwände aus Holz bieten eine weitere Sicherheit, ebenso die komplett neue Lüftungsanlage.

Die Situation ist für Atmatzidis ein wenig anders als in anderen Lokalen in der Schlossstadt. Er hat sich gerade erst selbstständig gemacht, viel in die Eröffnung der Kostbar investiert – mit den entsprechenden Verpflichtungen. Außerdem sind da die Mitarbeiter, die Familien haben und denen er nicht kündigen will. Jetzt werde er sich wieder stärker im Lieferdienst engagieren, habe schon eine neue Karte dafür konzipiert. Außerdem überlegt er, sich einen Foodtruck zu mieten, um Sandwiches, Burger, vegane Snacks und „Crazy Hotdogs“ anzubieten. „Wenn ich dann wenigstens mit den Kosten auf Null rauskomme, ist das eine Chance zu überleben.“

Gastronomen in Heusenstamm: „Die Situation ist angespannt“

„Angespannt“ nennt Beate Schiliro vom Ristorante da Salvatore an der Schlossstraße die Situation. „Wir haben alle Vorgaben erfüllt, werden sogar von den Gästen dafür gelobt“, sagt sie. Mehr gehe eigentlich nicht. Man hoffe, dass eine erneute Schließung nicht zu lange dauert, dann habe man eine Chance, weiter zu bestehen. Das italienische Restaurant werde, wenn dies erlaubt bleibe, neben dem Abholen von Speisen auch wieder einen Lieferservice anbieten.

Robert Baake, der mit seinem Bruder Mark in der ersten Jahreshälfte das Schlosshotel an der Frankfurter Straße übernommen und das Restaurant MaRo eröffnet hat, hat Zweifel, ob ein neuer Lockdown der Gastronomie sinnvoll ist. „Es heißt, die meisten Ansteckungen gebe es bei privaten Feiern, und dann schließt man die Lokale, um private Feiern zu fördern.“ Für die Branche wäre das „eine absolute Katastrophe“. Auch die Brüder haben sich in ihrem Lokal gut auf die Hygienevorschriften eingestellt. Wenn sie schließen müssen, wollen auch sie ihre Menükarte anpassen und auf Abholung umstellen.

Keine einzige Weihnachtsfeier gebucht

„Wir machen auf jeden Fall mit dem To-Go-Service weiter“, kündigt auch Sandra Gilmer an, zudem denke man über einen kleinen Lieferservice nach. Ganz schrecklich sei das alles, sagt die Junior-Chefin der Traditions-Gaststätte „Katja – Zur Stadt Offenbach“ am Torbau. So habe man derzeit keine einzige Weihnachtsfeier im Terminbuch stehen. Sonst sei das Buch immer voll gewesen.

Auf die „großartige Solidarität der Heusenstammer“ vom Frühjahr hofft auch Manfred Wenzel, dessen Lokal „Alte Scheune“ nur wenig entfernt ebenfalls an der Frankfurter Straße liegt. Den Abholservice werde es in jedem Fall wieder geben, verspricht er. Ein Lockdown treffe alle Lokale in der Schlossstadt schwer.

Schon jetzt spürt auch Roberto Schiliro von der Gaststätte „Alte Linde“ die Folgen steigender Infektionszahlen. „Seit einer Woche ist es, als hätte man einen Stecker gezogen.“ Liefern und Abholen, darauf will auch er wieder setzen, wenn er komplett schließen muss.

„Die Kosten fressen uns bei lebendigen Leib auf“

Der Lockdown hat doch schon angefangen, ergänzt Sehmus Sagir von der Pizzeria San Marino, ebenfalls an der Frankfurter gelegen. „Wir versuchen zu überleben“, fügt er noch hinzu. Wenn es erlaubt sei, werde man natürlich wieder Speisen zum Abholen anbieten.

„Die Kosten fressen uns bei lebendigem Leib auf“, beklagt Angelo Freni vom „Dolce e Vita“ an der Hohebergstraße. Es sei ein Desaster. Der Abhol- und eventuell auch ein Lieferservice seien die einzige Chance zu überleben. Zwei Mitarbeiter habe er schon entlassen müssen, berichtet er noch.

Wer wissen möchte, was die Schlossstädter Lokale während der Schließung anbieten, findet diese Angaben in der Facebook-Gruppe „Gastronomie in Heusenstamm“. (Claudia Bechthold)

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