Für Hunde kein Platz zum Toben

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Fast ein wenig traurig sitzt Mischling Bärchen für das Foto auf dem neu angelegten Reitweg im Heusenstammer Wald.

Heusenstamm - Bärchen liebt es, über eine Wiese zu toben. In Heusenstamm gilt allerdings am Mitte Februar Leinenzwang für Hunde im Wald und auf freiem Gelände. Von Claudia Bechthold

Bärchen liebt es, über eine Wiese zu toben. Kaum hat Hartmut Scharmann das kleine, fest gestopfte Säckchen für seinen sieben Jahre alten Mischlingshund weit weg geworfen, da steht der Vierbeiner schon wieder voller Erwartung vor dem Heusenstammer, um erneut losrennen zu können. Und auch nach dem neunten, zehnten oder elften Apportieren, meist noch mit gespielter Rangelei um das Säckchen verbunden, ist Bärchen noch lange nicht müde. Mit diesem Spaß wird es allerdings bald vorbei sein. „Ab Mitte Februar gilt wieder der Leinenzwang auch im Wald und auf freiem Gelände“, klagt Hartmut Scharmann. Wo sein Hund dann mal rennen könne, wisse er nicht.

Mit ein wenig Neid blickt der Schlossstädter dabei in die Nachbargemeinde Rodgau. Dort hat die Stadt vor einigen Jahren am Rand von Nieder-Roden ein Gelände in der Größe von etwa zwei Äckern eigens für Hunde zur Verfügung gestellt. „Dort dürfen sich die Tiere nach Herzenslust austoben, auch wenn wegen der Brut- und Setzzeit rundherum Leinenzwang herrscht“, erläutert Scharmann.

Hundemischling Bärchen kämpft mit Herrchen Hartmut Scharmann zu gern um das Spielzeug, das er am liebsten stundenlang immer wieder apportieren möchte.

In Heusenstamm dagegen gebe es so etwas nicht, sagt Scharmann. Lediglich der Hundeverein Bell Ami verfüge über ein etwa 2000 Quadratmeter großes Grundstück für die Tiere. Um dieses zu nutzen, müsse man Mitglied des Vereins sein. Für die Reiter hingegen, so der Hundefreund weiter, sei gerade eigens eine Schneise in den Wald am Nieder-Röder Weg und am Viehtrieb geschlagen worden, weil die Pferde nicht auf den neu angelegten Wegen laufen sollten. „Da wird doch mit zweierlei Maß gemessen“, schimpft Scharmann. Wobei er Wert darauf legt, dass er den Reitern die eigenen Wege gönnt und dies auch richtig findet. Und auch für den viermonatigen Leinenzwang während der Brut- und Setzzeit hat er volles Verständnis. „Wir haben keine Flächen, die wir für Hunde freigeben könnten“, entgegnet Erster Stadtrat Uwe Michael Hajdu. Alle geeigneten Wiesen seien verpachtet oder nicht im Besitz der Stadt. Zudem sei er der Meinung, dass jeder, der sich einen Hund anschaffe, auch selbst dafür sorgen müsse, dass dieser artgerecht gehalten werden könne.

Was die neu angelegten Reitwege betreffe, sei es lediglich darum gegangen, den Reitern eine Alternative zur Nutzung von Nieder-Röder Weg und Viehtrieb gegangen, erläutert Bürgermeister Peter Jakoby auf Anfrage. Angelegt habe diese der Forst. „Der Waldrand hätte sowieso gesäubert werden müssen“, sagt der Verwaltungschef. Da sei der Vorschlag gemacht worden, diese Reitwege zu schaffen. „Die Stadt hat dazu aber kein Geld investieren müssen“, betont Jakoby. Ansonsten gebe es kein Reitwegesystem auf Heusenstammer Gemarkung.

Hartmut Scharmann stellen diese Auskünfte freilich nicht zufrieden. Zumal für die Hunde ja auch Steuern bezahlt würden, immerhin 42 Euro im Jahr. Bei etwa 700 Hunden kämen knapp 30 000 Euro zusammen: „Auch ein Stück Wald, dass die Hundebesitzer selbst aufräumen könnten, würde genügen.“

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