51-Jähriger vor Gericht 

Mann droht zwei Frauen – „Ich bringe euch in den Rollstuhl“

Ein 51 Jahre alter Mann soll seiner ehemaligen Freundin und deren Mutter gedroht haben. Dabei ging es um Geld. (Symbolbild)
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Ein 51 Jahre alter Mann soll seiner ehemaligen Freundin und deren Mutter gedroht haben. Dabei ging es um Geld. (Symbolbild)

Ein 51 Jahre alter Mann soll seiner ehemaligen Freundin und deren Mutter gedroht haben. Dabei ging es um Geld. 

Heusenstamm – Unter anderem mit Gewalt soll ein 51-Jähriger im Herbst 2017 seiner ehemaligen Freundin und deren Mutter in Heusenstamm gedroht haben, um 5000 Euro zu erhalten. Jetzt stand der Mann vor dem Schöffengericht in Offenbach. Der Angeklagte legte ein Teilgeständnis ab. Dennoch mündete der Prozess gegen eine Geldauflage in der vorläufigen Einstellung des Verfahrens.

Pflichtverteidiger Marko R. Spänle legt Atteste seines Mandanten vor, die belegen, dass der Frankfurter in den vergangenen Jahren mehrere Schlaganfälle erlitten hatte und mit kognitiven Einschränkungen kämpft. Sein Mandant räume ein, in der Heusenstammer Wohnung der Mutter seiner Ex-Freundin Sätze wie „ich bringe euch beide in den Rollstuhl“ gesagt zu haben, „ernst meinte er das aber nicht“. Die Drohung habe er nicht mit der Forderung nach Geld verbunden. Ihm sei es darum gegangen, dass seine Ex-Freundin und deren Mutter keinen Kontakt mehr mit seiner Familie aufnähmen. Im weiteren Verlauf der Verhandlung sagt die Mutter seiner Ex-Freundin aus, sie habe tatsächlich einmal die Mutter des Angeklagten angerufen.

Heusenstamm: Mann soll zwei Frauen gedroht haben 

Sein Mandant streite ab, so der Verteidiger, einen Monat später der Nebenklägerin gedroht zu haben, sie zu zwingen, Abflussreiniger zu schlucken und die eigenen Hände zu bügeln, um an die 5000 Euro zu gelangen, die er für Kost und Logis während der Beziehung aufgebracht habe.

Verteidiger Spänle schildert die Beziehung als einen Dauerzustand von Beleidigungen und Gewalt. Die Nebenklägerin habe seinen Mandanten öfter körperlich attackiert, Drogenkonsum den Alltag bestimmt. Die Ex-Freundin habe übermäßig Cannabis und Kokain konsumiert, sein Mandant gelegentlich MDMA. Eine Partydroge, die früher als „Ecstasy“ bekannt war.

Während der Aussage der 23 Jahre alten Nebenklägerin fragt Richter Manfred Beck, wann sie mit dem Angeklagten liiert gewesen sei. „Das ist schon ewig her, das muss 2019 gewesen sein“, antwortet sie. Laut Aktenlage sah sie den 51-Jährigen zum letzten Mal im Herbst 2017. Die Befragung gestaltet sich zäh. Die Zeugin erzählt, der Angeklagte habe intime Fotos von ihr an ihren damaligen Betriebsausbilder gesendet. In der Folge habe ihr Chef sie sexuell belästigt, worauf wie gekündigt habe. Die Nebenklägerin scheint nicht in der Lage zu sein, sich ohne Becks Stichworte an die Vorgänge zu erinnern. Fragen missversteht sie als Kritik. Schließlich will der Richter wissen: „Haben Sie überhaupt Interesse, dass der Angeklagte strafrechtlich verfolgt wird?“ Die Nebenklägerin verneint. Als später ihre Anwältin Alexandra Kunkel-Wolf moniert, das Verfahren könne auf eine Einstellung hinauslaufen, betont der Verteidiger, er habe wegen der psychischen Labilität ihrer Mandantin nicht detailliert gefragt.

Heusenstamm:  „Ich habe deine Tochter ein Jahr durchgefüttert“

Die Mutter der Nebenklägerin, die einen bürgerlichen Eindruck hinterlässt, erzählt von einer langen Drogensucht ihrer Tochter und Aufenthalten in der Psychiatrie. Sie habe es ernst genommen, als der Angeklagte drohte, beide in den Rollstuhl zu prügeln. „Ich habe deine Tochter ein Jahr durchgefüttert“, habe er seine Geldforderung begründet. Danach habe sie Anzeige erstattet. Richter Beck gibt zu Protokoll, weil der Angeklagte eventuell davon ausgegangen sei, einen Anspruch auf das Geld zu haben, käme bei einer Verurteilung auch Nötigung statt Erpressung als Delikt infrage.

Der Angeklagte ist nicht vorbestraft. Der Sachverhalt liegt mehr als zwei Jahre zurück. Mit der von Gedächtnislücken bestimmten Aussage der Geschädigten konnte das Gericht nicht viel anfangen. Der Richter wendet sich schließlich an die Staatsanwältin, ob sie mit der vorläufigen Einstellung des Verfahrens gegen Auflagen einverstanden sei. Dies ist laut Gesetz möglich, wenn die Auflagen geeignet sind, das öffentliche Interesse an der Strafverfolgung zu beseitigen, und die Schwere der Schuld dem nicht entgegensteht. Gelingt es dem Angeklagten, innerhalb von sechs Monaten 350 Euro von seinen Hartz-IV-Einkünften abzustottern, gilt er weiterhin als nicht vorbestraft.

VON STEFAN MANGOLD

Nach dem Tod einer Frau in Offenbach schnappt die Polizei den mutmaßlichen Täter Paul M.. Der 70-Jährige steht nun bald vor Gericht.

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