Petanque am Bahnhof

Idealer Platz für Boule

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Boulespieler Werner Murko versucht, seine Kugel möglichst gut zu platzieren. Klaus Riegert wartet, bis er an der Reihe ist.

Heusenstamm - Hippokrates hat das Spiel vor rund 2500 Jahren als erster erwähnt. Allerdings trug es damals noch nicht den Namen Boule. Jetzt gibt es auch in der Schlossstadt eine Gruppe, die diesem „Präzisionssport“ regelmäßig nachgeht. Von Claudia Bechthold 

Ein lautes „Ja“ signalisiert anderen Menschen auf dem Bahnhofsplatz, dass gerade ein guter Wurf gelungen ist. Seit Herbst vergangenen Jahres treffen sich dort einige Heusenstammer, um dem Boulespiel nachzugehen – auch im Winter, wenn es nicht gerade regnet oder schneit.

Samstagsnachmittags um 15 Uhr heißt es daher vor dem Bahnhof: „Allez les boules“ – frei übersetzt: Rollt ihr Kugeln. „Das war eigentlich eine spontane Idee“, sagt Herbert Busse, der die regelmäßigen Treffen initiiert hat. Der Heusenstammer mit Pfälzer Wurzeln hat grundsätzlich etwas für die französische Lebensart übrig, und da zählt Boule nun mal dazu.

Wobei die Damen und Herren, die sich auf der nördlichen Seite des Bahnhofs treffen, keinen großen Ehrgeiz haben, unbedingt gewinnen zu wollen. Sie werfen die schweren Metallkugeln aus Spaß, freuen sich aber schon über einen guten Wurf.

Genau genommen spielen sie Petanqe, jene Variante des Boule, bei der kein Anlauf vorgeschrieben ist, für die man also weniger Platz benötigt. Auf diese Weise passen sogar zwei „Spielfelder“ auf den alleenartigen Kiesweg. Am Petanque kann man zu zweit, zu viert oder zu sechst teilnehmen.

Die wichtigste Rolle beim Boule hat das „Schweinchen“. Das ist eine sehr viel kleinere Kugel aus Holz oder Kunststoff. Der erste Spieler wirft das Schweinchen. Dann versuchen alle, ihre Metallkugeln möglichst nah an die hölzerne Vorhut heranzubringen. Dabei können auch gegnerische Kugeln weggeschnickt oder Wege versperrt werden. Und nicht immer genügt der Augenschein, um festzustellen, welche Kugel den geringsten Abstand zum Schweinchen hat. Dann wird gemessen, und wenn die Hand nicht ausreicht, muss zur Not auch mal ein Maßband hervorgekramt werden.

„Die Heusenstammer sind zu beneiden für einen so hervorragenden, idealen Boule-Platz“, sagt Hermann Tetiwa aus Jügesheim, der ebenfalls gern zu den Boule-Treffen auf dem Bahnhofsplatz kommt. Und Tetiwa darf mit dieser Aussage durchaus ernst genommen werden, denn er ist für den Breitensport zuständiges Mitglied im Vorstand des Hessischen Petanque Verbandes.

Jeden Samstag um 15 Uhr treffen sich die Boule-Spieler. Und jeder, der mitmachen möchte, ist dazu willkommen. Eigene Kugeln müssen nicht unbedingt mitgebracht werden.

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