Ikebana-Künstlerinnen feiern Neujahr

Die Natur ins Haus holen

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„Erinnerungen an den Sommer“ und „Dornröschen“ nennt Renate Haskert-Rieckel ihre Arbeiten „im Rahmen“.

Heusenstamm - Obwohl Kleber, Schere, Draht, Holz und andere Materialen verwendet werden, passt das Wort „basteln“ überhaupt nicht zu Ikebana-Arbeiten. Von Peter Petrat 

Bei der Kunst des Blumensteckens stehen die Auseinandersetzung mit den Materialien, der Ausgleich und schließlich die Meditation im Vordergrund der handwerklichen und künstlerischen Betätigung. Zum Neujahrsempfang des „Ikebana International Chapter Frankfurt“ und der Heusenstammer Sogetsu-Ikebana-Gruppe präsentierten erfahrene Mitglieder im Pfarrheim St. Cäcilia unter dem Thema „alles im Rahmen“ ihre Arbeitsweise und gaben Neulingen und Fortgeschrittenen neue Inspirationen und Ratschläge.

„So schön wie möglich Blumen stecken“, fasst es Uschi Wehr, Vorsitzende des Chapters und der Heusenstammer Ikebana-Künstler, die Kunstform vereinfacht zusammen. Das Arrangieren von Blumen hat in Japan eine jahrhundertelange Tradition. Es beruht auf rituellen Blumenopfern in buddhistischen Tempeln im sechsten Jahrhundert und hat sich im Lauf der Zeit zu einer modernen Form der künstlerischen Betätigung weiterentwickelt. Eine der größten und modernsten Schulen des Ikebana ist die Sogetsu-Schule, nach der auch in Heusenstamm gearbeitet wird. Dabei haben die Künstler deutlich mehr gestalterische Freiheiten und weniger strenge Regeln. So dürfen etwa auch Materialien wie Plastik oder Metall verarbeitet werden. Doch ein paar Grundregeln sind geblieben, etwa die Ausrichtung in gewissen Achsen und Linien und die frischen Blumen, die zu jedem Arrangement gehören.

„Erinnerungen an den Sommer“ und „Dornröschen“ nennt Renate Haskert-Rieckel ihre zwei Arbeiten zum Thema Rahmen, die sie auf der Bühne im Cäcilia-Pfarrsaal vor den Augen interessierter Gäste mit einigen Erklärungen gestaltet. Mit wenigen Handgriffen, zwei, drei hölzernen Elementen und etwas Grün entstehen in wenigen Minuten zwei ganz unterschiedliche aber beeindruckende Werke.

Diese Produkte setzen auf Natur statt Aromastoffe

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„Weniger ist mehr“, laute einer der Leitsätze, erläutert Frankfurterin Uschi Wehr. Sie trägt einen schlichten schwarzen Arbeitskimono, denn im Vordergrund soll die Blumenkunst stehen. In einen Rahmen aus zusammengebauten Kehrbesen fügt sie leuchtende Blumen hinzu und verklemmt sie ganz einfach. „Man findet überall Zweige und Blumen“ schwärmt sie. Für eines ihrer Werke hatte sie aus dem Urlaub graufarbene Hölzer mitgebracht, die ihre Farbe von Sonne und Meersalz erhalten. Die Natur ins Haus zu holen und zu sehen, wie schön die Welt doch ist, sei nur einer der interessanten Aspekte. Dazu beschäftige man sich auch mit der Natur, mit der Umwelt, der Herkunft der Pflanzen und sogar anderen Ländern und Kulturen. Und auch mit Einreisebestimmungen, wie die begeisterte Ikebana-Künstlerin berichtet, die gerne von überall Dinge für ihre Kunst mitbringt. Wehr, die als Ikebana-Lehrerin den Titel Sensai trägt, ist bereits 20 Jahre in Heusenstamm aktiv und betreut derzeit drei Gruppen und etwa 30 Mitglieder.

Im September veranstaltet das Chapter, das in diesem Jahr sein 35-jähriges Bestehen feiert, zum Tag des offenen Denkmals eine Jubiläumsausstellung im Haus der Stadtgeschichte. Passend zum Thema des Aktionstages stehen dann Brücken im Mittelpunkt, von den zwischenmenschlichen bis hin zu jenen aus Beton.

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