Impfpläne stören Krötenwanderung

Zufahrt zum Zentrum des Kreises in Heusenstamm über Wurzelschneise quert Amphibienweg

Kröten in einem Teich hat Mitarbeiter Jan-Niklas Eickhoff im vergangenen Frühjahr fotografiert. Die ersten Tiere sind in diesem Jahr bereits unterwegs gewesen zu ihren Laichgewässern.
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Kröten in einem Teich hat Mitarbeiter Jan-Niklas Eickhoff im vergangenen Frühjahr fotografiert. Die ersten Tiere sind in diesem Jahr bereits unterwegs gewesen zu ihren Laichgewässern.

Noch ist der Betrieb im Impfzentrum des Kreises Offenbach auf dem Campusgelände an der verlängerten Jahnstraße nicht losgegangen. Und wann es soweit sein wird, weiß derzeit noch niemand. Den Amphibienfreunden in der Schlossstadt indes graut schon jetzt vor dem Impfstart. Denn als Zufahrt für die Bürger soll die Wurzelschneise genutzt werden– jene asphaltierte Straße also, die von der Offenbacher Straße direkt zum Campus führt.

Heusenstamm – Die Wurzelschneise führt mitten durch den Wald zwischen der Autobahn 3 und den beiden Forstweihern an der Fortsetzung der Schlossallee und wird jedes Jahr von hunderten Fröschen und Kröten auf dem Weg zu ihren Laichgewässern überquert.

Zumindest seit 2009 war dies eigentlich kein Problem, denn die Schneise kann mit zwei Schranken gesperrt werden, die zur Wanderzeit der Amphibien auch jeweils abends in der Dämmerung geschlossen und am nächsten Morgen wieder geöffnet werden. „Das kann eine Person erledigen“, sagt Christine Hauck, Vorsitzende der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald (SDW) in Heusenstamm. Doch nun sollen, wenn es dann los geht, im Impfzentrum an sieben Tagen in der Woche zwischen 7 und 22 Uhr bis zu 1800 Menschen pro Tag ihre Spritze erhalten.

Das bedeutet also jede Menge Autoverkehr auf der Wurzelschneise. „Und über die Frankfurter und Jahnstraße kann man diesen Verkehr auch nicht leiten, weil es dann an der Bahnschranke zum Chaos kommen könnte“, ergänzt Christine Hauck.

Das Wohl der Kröten stets im Blick

Die Untere Naturschutzbehörde habe das Wohl der Kröten und Frösche in diesem Wald fest im Blick, versichert Ursula Luh, Sprecherin des Kreises Offenbach, gestern auf Anfrage. Es sollen Schutzzäune entlang der Schneise errichtet werden, die von den Tieren nicht überwunden werden können. Diese sollen dann gesammelt und auf die andere Seite getragen werden. Klar sei auch, dass diese Arbeit nicht von Ehrenamtlichen geleistet werden könne. Deshalb werde man dies in professionelle Hände vergeben. Die Kosten dafür gelten, so Luh, als Betriebskosten für das Impfzentrum und müssten daher vom Land Hessen getragen werden.

Christine Hauck steht in dieser Angelegenheit in engem Kontakt mit der Unteren Naturschutzbehörde. Das sei ein klassischer Interessenskonflikt, meint sie. Bedenken hat sie vor allem wegen der Springfrösche, von denen es in diesem Wald eine große Population gebe. Diese könnten hoch springen, Fangzäune müssten also entsprechend hoch errichtet werden. Zudem müsse dort bald etwas passieren, denn die ersten Kröten seien bereits unterwegs gewesen. Der Klimawandel lasse die Tiere immer früher erwachen. (Claudia Bechthold)

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