Vermittlung statt Alexa

Internationaler Museumstag: Blick auf die Geschichte der Kommunikation

+
Tristan Dänner und sein Opa Herbert Dänner (rechts) machen sich ein Bild von der einstigen Arbeit in einer Vermittlungsstelle.

Heusenstamm -  Schnell mal den Freund in Australien das eben geschossene Selfie schicken oder die nächste Tankstelle bei Google-Maps suchen: Alles kein Problem heutzutage. Und die nächste Technikgeneration, „Alexa“, steht bereit. Von Burghard Wittekopf 

Die fleißige Mithörerin nimmt alles auf, bestellt es sofort online, kann den Kühlschrank automatisch füllen und gratuliert bereits Müttern zum Muttertag. Lassen wir uns überraschen, was nächstes Jahr kommt.

Doch es gab eine Zeit vor Alexa und Smartphones. Davon können sich Interessierte im „Museum für Kommunikation“ an diesem Tag ein umfangreiches Bild machen. Das Haus hat zum Internationalen Museumstag seine Türen geöffnet. Auf 15.000 Quadratmetern sind mehr als 375.000 Exponate zu entdecken. Dabei gibt es wirklich alles zu sehen, was mit Telefon, Fernsehen, Post und vielem mehr zusammenhängt.

Die Ausstellungsstücke werden liebevoll von Mitarbeitern restauriert und gepflegt. Damit der Besuch zu einem Erlebnis wird, stehen wie immer viele ehrenamtliche Helfer mit ihrem Wissen den zahlreichen Besuchern zur Seite. Mitarbeiter wie der junge Tristan Dänner, der seinen Opa Herbert tatkräftig unterstützt: Der gelernte Fernmeldetechniker, der 46 Jahre für die Deutsche Post gearbeitet hat, zeigt den Gästen heute die Technik, mit der vor 50 Jahren Telefongespräche vermittelt wurden. Dazu wählt er eine Nummer auf dem Telefon und schon startet die Vermittlungsstelle mit lautem Klicken, bis dann plötzlich das Telefon auf der anderen Seite läutet.

Oder Robert Müller, der erst seit Kurzem ehrenamtlich mithilft. Er erklärt Familie Panteli gerade die Funktion eines Fernschreibers. „Wir haben den alten Fernschreiber mit dem Internet verbunden“, erklärt er. Unter dem Hashtag „#“ sendet man eine Nachricht über Twitter und die kommt dann auch tatsächlich auf dem Schreiber an. Aber natürlich gibt es noch viele weitere Dinge zu bestaunen. Alte Postkutschen aus der Zeit der „Königlichen Reichspost“, elektrisch betriebene Autos aus dem Jahr 1927, Telefonsprechzellen, Fernsehübertragungswagen und vieles mehr.

Wahre Schätze können die Besucher dann auf einer der zahlreichen Führungen bestaunen. Die ersten Morseapparate, die zur Übertragung von Übersee-Telegrammen verwendet wurden, sind dort ebenso zu sehen wie die Vermittlungstische, an denen das „Fräulein vom Amt“ arbeitete. Ein Kasten hat es den Besuchern dann besonders angetan, denn der hat etwas mit Spionage und Kriminalitätsbekämpfung zu tun. Der Kasten konnte nämlich zum Abhören und Rückverfolgen (Fangschaltung) von Telefongesprächen genutzt werden. Streng genommen war dieses Wunderwerk der Vorgänger des heutigen „Bundestrojaners“.

Weitere Schmuckstücke sind natürlich die Originale und Nachbauten der ersten Telefone von Philipp Reis und Alexander Graham Bell.

Bilder: Alter Bahnpostwagen zieht nach Heusenstamm

In die Welt der Fernsehübertragungstechnik können sich die Besucher von Axel Paap entführen lassen. Der Hochfrequenztechniker kennt alle Details von der Kamera über den Übertragungswagen bis hin zum Sender. Er erklärt, dass man damals mit bis zu fünf Lkw angereist ist, um etwas zu übertragen. Da war der Übertragungswagen mit der Richtantenne, der Rüstwagen, ein Generator und der Sendewagen. Das geht heute – mit nur einem Übertragungswagen und per Satellit – dann doch etwas einfacher.

Auf dem Gelände können die Gäste auch an einer Rundfahrt mit dem historischen Postbus teilnehmen. Außerdem steht der neue „DHL-Streetscooter“, ein Elektrofahrzeug für die Paketzustellung, zur Besichtigung. Die Jüngsten können eigene Postkarten basteln, oder alte Telefone „reparieren“.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare