Internet und ein Kater

Heusenstamm ‐ Er hat viel zu erzählen aus einem bewegten Leben: Ehrenstadtrat in Heusenstamm, Träger des Ehrenbriefes des Landes Hessen und des Bundesverdienstkreuzes - die Liste der Auszeichnungen für Heinz Weber ließe sich noch lange fortführen. Heute feiert das langjährige Magistratsmitglied seinen 90. Geburtstag. Von Veronika Szeherova

„Jedes Leben hat seine Hochs und Tiefs“, sagt Weber. Wie Recht er damit hat, zeigt seine eigene Geschichte. Im Offenbacher Stadtteil Bürgel aufgewachsen, hatte er eine gute Kindheit. Als junger Mann besuchte er die Handelsschule und absolvierte eine kaufmännische Ausbildung. Danach arbeitete er als Angestellter bei einer Maschinenfabrik in Offenbach.

Mit Ausbruch des Zweiten Weltkriegs wurde Weber zur Luftwaffe einberufen und zum Peil- und Bordfunker ausgebildet. 16 Monate in russischer Kriegsgefangenschaft haben tiefe Wunden in ihm zurückgelassen.

Kurz nach seiner Rückkehr aus Sibirien wurde er Verwaltungsfachangestellter im Offenbacher Stadtkrankenhaus. „Von Heusenstamm wusste ich damals kaum etwas“, gibt er zu. Doch als er über einen Freund seine zukünftige Frau kennen lernte, änderte sich das: Cäcilia Heberer war überzeugte Heusenstammerin. Nach der Hochzeit im Juli 1952 zog Weber in das Elternhaus seiner Frau an der Hohebergstraße. „Ziemlich schnell kamen dann unsere ersten beiden Jungs zur Welt - Zwillinge.“

Insgesamt bekamen Webers sechs Kinder. Leider haben nur vier überlebt. Eine Tochter starb drei Tage nach der Geburt, ein Sohn mit zwei Jahren an einem angeborenen Herzfehler.

CDU war gegen die Hochhäuser

Beruflich war Heinz Weber mittlerweile bei der Stadtverwaltung Offenbach angelangt, erreichte 1953 den Beamtenstatus. Eine seiner größten Aufgaben dort war der Ausbau der Kanalisation zur Kläranlage in Frankfurt. Mit Bahn und Fahrrad sei er immer unterwegs gewesen. „Ein Auto leistete ich mir erst 1964“, sagt er lachend, „nachdem ich schon vier Jahre im Heusenstammer Magistrat war.“

Die Schlossstadt sei Anfang der 60er Jahre in einer desolaten Situation gewesen, erinnert sich Weber. Es habe so gut wie kein Gewerbe gegeben. Ein großes Thema damals sei die Erschließung der Neubaugebiete gewesen: „Bürgermeister Hans Hemberger wollte viele Hochhäuser bauen, ähnlich wie in Dietzenbach. Wir von der CDU waren aber dagegen.“ Hemberger habe ihm das immer nachgetragen, schmunzelt der Jubilar.

Die Städtepartnerschaften zwischen Heusenstamm und dem französischen Saint-Savin sowie dem englischen Tonbridge wurden während Webers Zeit im Magistrat geschlossen. In Saint-Savin ist er auch selbst gewesen, nahm dafür sogar Französischunterricht.

Als Bürgermeister Adolf Kessler erkrankte, übernahm Weber kommissarisch dessen Funktion. Auch heute beobachtet er die politische Situation in Heusenstamm noch aufmerksam. „Auch wenn ich jetzt leider nicht mehr jeden kenne, “ sagt er bedauernd.

Im vorigen Jahr verstarb Ehefrau Cäcilia nach langer Krankheit. Weber teilt seinen Alltag nun mit Kater „Pünktchen“ und erfreut sich an seinen fünf Enkelkindern. Er fotografiert gern und surft häufig im Internet. „Warum sollte ich mich neuer Technik verschließen?“ Genau das macht ihn so sympathisch.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare