Landtagsabgeordneter mit türkischen Wurzeln

Ismail Tipi (CDU): Ruheloser Brückenbauer

+
Ismail Tipi.

Heusenstamm - Ismail Tipi ist ständig auf dem Sprung. „Ich kann nicht anders“, sagt er, „ich muss immer arbeiten“. „Aber ich arbeite auch sehr gern“, fügt er gleich hinzu. Zwei Stunden Zeit hat er sich genommen für das Gespräch mit seiner Heimatzeitung. Von Claudia Bechthold

Was er möglich machen kann, macht er möglich. Trotz Wahlkampf. Denn am nächsten Sonntag möchte er wieder in den Landtag gewählt werden. Dafür hat der CDU-Politiker auch gute Chancen. Denn er steht auf Platz zehn der Liste seiner Partei. Das ist ein vergleichsweise sicherer Platz. Ruhelos ist der in Izmir geborene Türke. Das Mobiltelefon ist stets in Griffweite. Wenn es klingelt, schaut er drauf und entscheidet, was gerade wichtiger ist. Das eine Gespräch drückt er weg. „Da rufe ich nachher zurück.“ Ein anderes nimmt er an. Es ist ein Familienmitglied. Und die Familie steht für ihn immer an erster Stelle, vor allem Ehefrau Cigdem und Tochter Yagmur, die gerade ihr Abitur bestanden hat.

Seit mehr als 40 Jahren lebt Ismail Tipi in Deutschland, seit fast 20 Jahren in Heusenstamm. Beides ist ihm Heimat geworden. Eine Heimat, in der er sich wohl fühlt, die er liebt, für die er sich engagiert, gern und mit ganz viel Herzblut. Und stolz ist er, stolz darauf, dass seine Partei ihn in den Landtag geschickt hat, stolz, dass er für dieses Land und die Menschen arbeiten darf.

Superwahltag: Nachgefragt bei Erstwählern

Der Superwahltag am 22. September steht kurz bevor. Deshalb haben wir uns an Schulen der Region umgehört, ob und wie sich die Erstwähler mit Politik beschäftigen. Die Interviews sind am Adolf-Reichwein-Gymnasium in Heusenstamm und an der Leibnizschule in Offenbach entstanden.

Zum Video

Im Alter von 13 Jahren kam er in dieses Land. In Regensburg hat er das Fachabitur gemacht, dann ist er nach Frankfurt umgezogen, um Maschinenbau zu studieren. Schon als Schüler hat er aber auch für Zeitungen geschrieben. Als Student verdiente er sich Geld als Nachtredakteur für die Europa-Ausgabe der türkischen Zeitung Hürriyet. Dann kam das Angebot, dort eine Anstellung als Redakteur zu bekommen. Er hat es angenommen, das Studium abgebrochen. Bis zum Jahr 2000 war der heute 54-Jährige für diese Zeitung tätig, am Ende als Redaktionsleiter. Danach war er als freier Journalist tätig, auch für unsere Zeitung. Dann hat sein Parteikollege Volker Hoff aus Mühlheim am 9. Februar 2010 sein Landtagsmandat niedergelegt. Und Ismail Tipi, der seit 1999 der CDU angehört, durfte nachrücken. Seit dreieinhalb Jahren nun vertritt er die Interessen des Wahlkreises 45 Offenbach Land II im Hessischen Landtag.

Was war für Sie in dieser Zeit am wichtigsten?

Am wichtigsten war für mich zu sehen, dass in Deutschland alles möglich ist, wenn man bereit ist, zu arbeiten und Leistung zu bringen. Und bereit ist, Verantwortung zu übernehmen. Da stehen einem alle Türen offen. Dabei habe ich gesehen, wir leben in einem Land mit einer hohen Willkommenskultur, wenn man bereit ist, etwas zu machen. Dann erhöht sich auch das Vertrauen der Menschen. Wichtig war für mich auch, dass ich einige meiner politischen Gedanken zu Gehör bringen konnte. Und mich dazu auch politisch engagieren konnte. Das sind zum Beispiel die Integrationspolitik, Jugend- und Bildungspolitik, ganz besonders die Seniorenpolitik, aber auch die Sicherheitspolitik in der Frage der inneren Sicherheit mit allem Extremismus jeglicher Couleur, ganz besonders aber der salafistische und fundamentalistische Extremismus. In diesen Fragen konnte ich in den vergangenen dreieinhalb Jahren viel erreichen und bewegen.

Sie sind, könnte man manchmal meinen, omnipräsent. Kaum eine Veranstaltung, auf der Sie nicht auftauchen. Wie machen Sie das?

Wenn man seine Arbeit mag und seinem Mandat und dem damit verbundenen Vertrauen gerecht werden will, muss man arbeiten. Dabei muss man auch bereit sein, seine Zeit zu opfern. Da ich sehr gerne arbeite, aber auch wenig Schlaf brauche, versuche ich, möglichst viele Menschen zu erreichen, ihnen zuzuhören, und da, wo der Schuh drückt, auch zu versuchen, die Probleme zu lösen. Für mich gibt es eigentlich keine Probleme, für mich gibt es nur Herausforderungen.

Und ich versuche, durch mein Mandat, aber auch durch meine vielseitigen Kontakte, diese Probleme zu lösen oder zumindest den Fortgang zu beschleunigen.

Ich kann meine Zeit ganz gut einteilen. Ich mache mir einen Tagesablauf, und versuche die Termine so zu planen, dass ich Fahrtzeiten gut ausnutzen kann. Wenn der Tag gut geplant ist, das habe ich in Deutschland gelernt, dann klappt auch alles.

Alles zur Hessenwahl lesen Sie hier

Wenn Sie wieder in den Landtag einziehen, was haben Sie sich für die nächsten fünf Jahre vorgenommen?

Ich werde auf jeden Fall versuchen, meiner Brückenbauer-Rolle gerecht zu werden, das heißt, die Wünsche, Belange und Sorgen der Bürger nach Wiesbaden zu tragen. Und im Gegenzug will ich die Lösungen und alle möglichen Förderungen in meinen Wahlkreis bringen. Ich will für jeden Arbeitsplatz kämpfen und versuchen, neue Investoren in meinen Wahlkreis zu bringen, um neue Arbeitsplätze zu schaffen. Ich werde mich für Verbesserung der Bildung einsetzen und mich in der Integrationsarbeit engagieren, für Lärmminderung jeglicher Art einsetzen und mich in der Senioren- und Sicherheitspolitik engagieren. Und ganz besonders werde ich gegen radikal-islamistische und salafistische Bestrebungen kämpfen.

Haben Sie einen Traum?

Frieden und eine Welt ohne Armut, in der Kinder und Mütter nicht weinen müssen. Ich will zwar keinen Rosengarten ohne Dornen, aber ich wünsche mit eine Welt, in der die Menschen sich gegenseitig akzeptieren, tolerieren und in Frieden zusammenleben mit dem Wissen, dass wir nackt auf die Welt kommen und diese Erde auch nackt wieder verlassen werden.

Fragt man Ismail Tipi nach seinen Hobbys, antwortet er schnell: arbeiten. Man muss nachhaken, um mehr zu erfahren. Reisen nennt er an zweiter Stelle. Und Lesen, ja das macht er auch gern, alles, was ihm in die Finger kommt, am liebsten aber Biografien. Vor allem indianische Lebensgeschichten interessieren ihn. „Indianer faszinieren mich. Vielleicht liegt das ja an meinem Namen.“ Er grinst, wenn er das sagt.

Und dann verrät er doch einen ganz privaten Traum. Wenn er mehr Zeit hätte, würde er sich gern ein Pferd kaufen. Denn er reitet gern, mag Pferde. Irgendwann, gerät er ins Träumen, irgendwann werde er ein Pferd besitzen. Aber das wird sicher noch eine Weile dauern, denn jetzt will er erst einmal erneut in den Landtag, als direkt gewählter Abgeordneter.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare