Friedhof ist 200 Jahre alt

Das Kreuz als Siegeszeichen

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Als die kleine Kapelle 1708 geweiht wurde, stand sie auf freiem Feld. Der Friedhof wurde erst mehr als hundert Jahre später dort eröffnet.

Heusenstamm - Die kleine Kapelle fällt kaum auf. Fast unscheinbar liegt sie am Rand des Heusenstammer Friedhofs. Das schlichte barocke Gebäude ist dennoch mehr als hundert Jahre älter als der Friedhof selbst, der jetzt 200 Jahre alt wurde.

In Altrosa und Weiß ist die Kapelle gehalten, die an der Frankfurter Straße in die Friedhofsmauer eingefügt ist. Sie wird nur noch selten genutzt, Stille Beter, so schreibt Herbert Margraf vom Förderverein Balthasar Neumann in einer Erläuterung des Baus, besuchten sie manchmal oder Menschen, die ihrer in Kriegen gefallenen Angehörigen gedenken. Denn dort zeigt eine Tafel jene Heusenstammer, die am Ersten Weltkrieg teilgenommen haben.

Das Kirchlein stand als Feldkapelle vor dem Dorf. Maria Anna von Schönborn, geborene Waldbott von Bassenheim, hat es zur Erinnerung an den 1705 verstorbenen Grafen Johann Erwein von Schönborn errichten lassen, berichtet Margraf. Das Wappen über dem Altar im Chor weise darauf hin. Es ist ein Allianzwappen der Familien Schönborn und Waldbott von Bassenheim. 1708 weihte der Mainzer Weihbischof Edmund Gedult Freiherr von Jungenfeld die Kapelle ein.

Der Friedhof befand sich zu dieser Zeit noch an der kleine gotischen Kirche, die einige Jahre später St. Cäcilia weichen musste. Die Stuckarbeiten haben vermutlich die italienischen Künstler Antonio Genone und Eugenio Castelli ausgeführt, die gleichzeitig mit den Stuckarbeiten des Schlosses Philippsruhe in Hanau befasst waren.

Stadt verlegt Friedhof an Stadtrand

Anfang des 19. Jahrhunderts, genau 1814 verlegte die Stadt Heusenstamm den Friedhof an den Stadtrand. Die Feldkapelle diente dann als Friedhofskapelle, heißt es bei Herbert Margraf. Damals erhielt sie den Namen Friedhofskapelle zum Heiligen Kreuz. 1957 baute man ein größeres Friedhofsgebäude, das Kirchlein verlor seinen Zweck. Die heutige Friedhofskapelle wurde 1994/95 errichtet.

Am Totensonntag, 23. November, würdigt die Stadt gemeinsam mit den hiesigen Kirchenvertretern das 200-jährige Bestehen des Friedhofs. Um 17 Uhr beginnt in der Trauerhalle eine Feierstunde mit Ansprachen von Bürgermeister Peter Jakoby und den Vertretern der Kirchengemeinden sowie musikalischer Untermalung des Violin-Duos Kottmann. Den Abschluss bilden die Mitglieder des „Heimatlosen Gedichtsvereins“ mit ausgewählten lyrischen Texten.

Im Anschluss an die Feierstunde, etwa ab 17.45 Uhr, besteht für Besucher die Möglichkeit den Friedhof einmal in einem anderen Licht zu betrachten. In stillem Gedenken werden besonders markante Stellen des Friedhofs, wie zum Beispiel die Kapelle, einzelne alte Grabsteine sowie bestimmte Wege, auf eindrucksvolle Weise illuminiert. Ende der Veranstaltung ist gegen 21 Uhr. Bis dahin ist das Außengelände an diesem Sonntag geöffnet.

Die Stuckarbeiten an der Decke der Kapelle zeigen Putten inmitten von Ranken auf Muscheln stehend. Sie halten Dinge in den Händen, die mit dem Leiden und Tod Jesu Christi im Zusammenhang stehen, schriebt Margraf.

Eingerahmt ist das Gewölbe von Gurtbögen, die auf Pilastern ruhen. Diese Pilaster - in den Mauerverbund eingearbeitete Halbpfeiler - haben vermutlich keine statische Bedeutung. Im Zentrum der Decke im Chor schwebt auf Wolken ein Engel, der ein großes Kreuz trägt. Aus den Wolken schauen fröhliche Putten hervor. Dieser Schmuck erinnere zwar an das Leid und den Tod, den Christus erlitten habe. Der Engel aber trägt das Kreuz als Siegeszeichen: Der Tod ist überwunden. 

clb

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