Kein Hausarzt mehr im Südwesten

Heusenstamm - Unbefriedigend nennt Norbert Oberkötter, Vorsitzender der Heusenstammer Senioren-Union, die ärztliche Versorgung des Wohngebiets westlich der Ringstraße zwischen Bastenwald und Waldesruhe. Von Claudia Bechthold

Zum Jahresende hatte der Allgemeinmediziner Dr. Klaus Lungwitz seine Praxis an der Leibnizstraße abgegeben. Seine Nachfolgerin Dr. Angela Landa hat ihre Praxis nun im Gebäude am Friedhof, Frankfurter Straße 3.

Somit sei der gesamte Südwesten der Stadt ohne niedergelassenen Allgemeinarzt, schreibt Oberkötter an Bürgermeister Peter Jakoby. Dies betreffe ein Gebiet mit mehreren tausend Einwohnern, zu denen mit dem Baugebiet Südlich der Hohenbergstraße weitere dazukommen. Für viele Menschen sei das zwar nicht von großer Bedeutung, sagt Oberkötter weiter: „In diesem Gebiet leben aber auch sehr viele Seniorinnen und Senioren, die oft, beispielsweise beim Einkaufen, auf die Hilfe ihrer Kinder und Enkel angewiesen sind.“ Ein Arztbesuch sei nun mal eine persönliche Sache und finde zu Zeiten statt, in denen die Helfer berufstätig sind.

Die Senioren-Union fragt den Bürgermeister, ob sich in absehbarer Zeit eine befriedigende Lösung abzeichne, etwa durch die Ansiedelung eines Arztes im neuen Baugebiet.

Keine geeigneten Räume gefunden

Dr. Angela Landa versichert auf Anfrage, lange Zeit nach vergleichbaren Räumen in jenem Wohngebiet gesucht zu haben. Zwei Makler hatte sie damit beauftragt. Gefunden hat sie nichts. „Räume im zweiten Stock ohne Aufzug nutzen älteren Menschen, die nicht mehr so mobil sind, dann auch nichts“, sagt sie. Daher sei sie froh, dass sie an der Frankfurter Straße etwas finden konnte. Die Räume von Dr. Lungwitz hätten nicht mehr zur Verfügung gestanden. Darüber seien die Patienten auch informiert worden. „Und wenn jemand gar nicht in die Praxis kommen kann, mache ich auch Hausbesuche“, versichert die Fachärztin für Allgemeinmedizin mit den Zusatzausbildungen in Homöopathie, Naturheilverfahren und Ernährungsmedizin.

Eigentlich sei die Versorgung mit Ärzten in Heusenstamm recht gut, meint Bürgermeister Peter Jakoby. Und auch ihm wäre es recht, wenn es auch im Südwesten der Stadt eine Praxis gebe. Einfluss darauf habe er zwar nicht, er wolle dennoch das Gespräch mit der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Hessen suchen.

Die KV Hessen ist zuständig für die Zulassung von Ärzten. „Die Bedarfsplanung wird, aufgeteilt in Kreise und Städte, nach der Zahl der Einwohner berechnet“, erläutert Cornelia Kur von der Presseabteilung dieser Institution. Innerhalb eines solchen Planungsgebietes hat die KV allerdings keinen Einfluss darauf, wo ein Arzt seine Praxis aufmacht. Zumal der Kreis Offenbach derzeit bei den Allgemeinmedizinern überversorgt ist. In diesem Gebiet darf sich derzeit kein weiterer Hausarzt niederlassen.

„Das ist vom Gesetzgeber so gewollt“

Nur wenn eine Zulassung zurückgegeben wird, also ein Arzt seine Praxis aufgibt, kann sich ein neuer Mediziner niederlassen. Kur: „Und diese Zulassung kann dann innerhalb des Gebiets überall hin mitgenommen werden. Darauf haben wir keinen Einfluss.“ Wenn etwa ein Rodgauer Arzt seine Praxis - und damit auch die Zulassung - verkauft, könnte sich sein Nachfolger auch in Mühlheim niederlassen, ohne dass die kassenärztliche Vereinigung daran etwas ändern könnte. „Das ist vom Gesetzgeber so gewollt.“ Als Folge dieser Vorschriften gebe es in Nordhessen zum Beispiel Orte, in denen gar keine Arztpraxis mehr existiert.

Eine Einschränkung macht Cornelia Kur allerdings. Die Zahlen, an denen der Ärztebedarf errechnet wird, sind etwa 20 Jahre alt. Seit Beginn des Jahres gilt ein neues Versorgungsstrukturgesetz, das neue Berechnungen verlangt, Aber die müssen erst einmal angestellt werden.

Rubriklistenbild: © dpa

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare