Keine Angst vor Stimmbruch

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Laura Wade bei der ARG-Siegerehrung.

Heusenstamm - Eine wenigstens einigermaßen realistische Vorstellung davon, was die Jugendlichen beim Vorlesewettbewerb der Adolf-Reichwein-Schule n zu leisten hatten, bekommt man vermutlich nur jemand, der ein Buch mal nicht stumm für sich, sondern laut vor einigen Dutzend Bekannten liest.

Da kann man sich schon mal verhaspeln. Da kann man den Faden verlieren. Da kann man plötzlich in den Stimmbruch geraten. Oder man entpuppt sich als Naturtalent. Die Kinder, die bei den Schulentscheiden an Haupt- und Realschule (ARS) und Gymnasium (ARG) antraten, dürfen sich eher zu den Talenten zählen. Meinte ihr Publikum, meinte auch die Jury.

Vom allseits beliebten Zauberlehrling Harry Potter bis zum Fliegenden Klassenzimmer war am ARG alles dabei. Nur die Besten aus der Jahrgangsstufe Sechs hatten es ins Finale und damit zur Chance geschafft, sich für den Kreisentscheid zu qualifizieren. Jeder durfte ein Buch seiner Wahl vorstellen, musste danach aber auch einen fremden Text vorlesen. Die Juroren - der stellvertretende Schulleiter Hans Köhring, Deutschlehrerin Christiane Schulz, Stadtbüchereileiterin Katja Richter und die Oberstufenschülerinnen Katrin Leinweber und Monika Bommert - spitzen die Ohren bei beiden Disziplinen genau.

Laurin Lehning präsentierte sein Buch überzeugend

Kurzum: Laurin Lehning präsentierte sein Buch überzeugend. Ben Kremser überzeugte mit dem Thriller „Saeculum“. Lara Auer stellte ihr Können mit „Arthur und die vergessenen Bücher“ unter Beweis. Und einen sehr guten Beitrag leistete auch Jan Springer mit „Password“. „Die rote Zora“ wurde eindrucksvoll von Felicitas Hohmann präsentiert. Nick Warnecke gelang es, mit „Das fliegende Klassenzimmer“ seine Zuhörer zu faszinieren. Ebenso punkteten Iman Ben Hallou, Fiona Herrmann, Johanna Hock, Lilly Griesenbruch und Larissa Dehm.

Allerdings alle nicht so konsequent wie Laura Wade. Die neue Schulsiegerin erzählte die Abenteuer von Tom Sawyer so lebhaft, dass ihre Zuhörer sie hautnah miterlebten. „Ihr habt alle eine hervorragende Leistung erbracht und uns gezeigt, wie viel Spaß ihr am Lesen habt“, lobte Deutschlehrerin Christiane Schulz. Und selbstverständlich sei die Entscheidung schwer gefallen, weil alle Schüler auf hohem niveau gelesen hätten.

Haupt- und Realschule mit Förderstufe

Keine Frage, dass sich das an der Haupt- und Realschule mit Förderstufe ebenso anfühlte. Die Institution beteiligt sich schon lange am Vorlesewettbewerb, den Börsenverein des Deutschen Buchhandels, Buchhandlungen, Bibliotheken und andere Einrichtungen schon seit 1959 ausrichten.

ARS-Sieger Spencer mit Finalisten.

Auch am ARS hatten die Klassen zunächst ihre eigenen Sieger ermittelt. Als Neuerung beim Schulentscheid erlebte die Jury diesmal die Vorstellung der eigenen Bücher mittels anschaulich gestalteter Plakate. Mehr Öffentlichkeit und bessere Vorbereitung ermöglichte das pädagogische Konzept, dass das Vorlesen selbst im Mehrzweckraum über die Bühne geht. Da passt Publikum mit rein. Also hörten Fünftklässler den Sechsklässlern zu und erfuhren gleich, welche Aufgabe sie im nächsten Schuljahr erwartet. Im Flair eines Wohnzimmers, mit Sessel, Stehlampe und Bücherregal lasen die Teilnehmer erst aus ihren eigenen Büchern und dann aus dem fremden Buch „Donna, ich und die Sache mit Tommi“ von Miriam Oldenhave.

Eine Herausforderung, aber kein Ding der Unmöglichkeit, wie die Jury - „Das Buch“-Chefin Monika Küchler, Lieselotte Steinweg aus dem Förderverein und die pensionierten Deutschkolleginnen Lilo Wagner, Ursula Helmrich und Conni Spahn - feststellte. Am souveränsten schlug sich Spencer Cheung; er wird zum Kreisentscheid fahren. Und auch die knapp unterlegenen Sechstklässler - Ceyda Sahin, Zoubair Madmar, Halide Celik, Philipp Kukic und Giacomo Izzo - werden die Daumen drücken. Und vielleicht froh sein, dass sie nicht dort sitzen.

yati

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