Keine Spur von der Kirche

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Wie eine Kirchentür wirkt dieser zugemauerte Bogen in der Nordwand des Hofguts.

Heusenstamm - Julie schaut den ganzen Tag über zu. Und wenn wieder eine Schaufel voller Erde auf den großen Haufen gekippt wird, dann steht Julie sofort daneben, buddelt ein bisschen und holt jeden Stein heraus, den sie packen kann. Von Claudia Bechthold

Voller Erwartung setzt sich die Border-Collie-Hündin dann vor die ehrenamtlichen Mitarbeiter der Unteren Denkmalschutzbehörde und schubst den Stein ein Stückchen von sich weg. Gerade so, als wollte sie sagen: „Wirf den Stein, damit ich ihn zurückholen kann.“

Klaus Spalke gräbt als ehrenamtlicher Helfer in Patershausen.

Seit einigen Tagen graben die Archäologen in Patershausen. An zwei Stellen haben sie kleine „Wunden“ in den Erdboden gerissen. Einmal im Innenhof, einmal an der nördlichen Außenmauer. „Wir wollen herausfinden, wie das Kloster Patershausen ausgesehen, bevor es von den Schönborns Mitte des 18. Jahrhunderts zum Hofgut umgebaut worden ist“, erläutert Gesine Weber von Unteren Denkmalschutzbehörde des Kreises. Vor allem, ergänzt Heusenstamms Hauptamtsleiter Heinz Scherer, wolle man wissen, was es mit der merkwürdigen weißen Kirche auf sich hat, die auf einem Plan aus dem 16. Jahrhundert zu sehen ist. Auf diesem Plan erhebt sich zwischen den Häusern der Klosteranlage eine fast schemenhaft in Weiß eingezeichnete Kirche. Niemand weiß, ob es diese Kirche jemals gegeben hat. Gemeinsam mit ihrer Kollegin Dagmar Kroemer hat Gesine Weber diese Aufgabe übernommen. Bei den Grabungen stützen sie sich auf Untersuchungen im Jahr 2009, als das Gelände mit einem Bodenradar abgetastet wurde. Dabei wurden an einigen Stellen mauerähnliche Strukturen entdeckt. Und an zwei dieser Stellen wird derzeit gegraben.

Bislang allerdings nicht mit allzu großem Erfolg. „Im Hof haben wir etwas gefunden, das entweder ein Fundament sein könnte, oder die Reste eines Pflasters“, sagt Gesine Weber. Das müsse noch genauer untersucht werden. Und an der Außenmauer ist man auf einige Steine gestoßen, die allerdings vermutlich nicht von einer Mauer stammen. Stattdessen hat man dort ein altes Grab gefunden. Wie übrigens schon der Rembrücker Richard Wimmer, der etwa an dieser Stelle Gräber aus dem 15. Jahrhundert gefunden hatte.

Geeignetes Forschungsobjekt für Studenten

Leider wisse man nicht, welche Zerstörungen dem Kloster etwa während des 30-jährigen Kriegs zugefügt worden waren. Und so genau sei auch nicht bekannt, wie viel dann beim Umbau des Klosters in ein Wirtschaftsgut verändert worden ist. So gibt es in der Nordmauer zum Beispiel eine Stelle, da kann man deutlich eine zugemauerte Tür erkennen, die durchaus die Form einer Kirchentür hat. Doch das sei alles Spekulation, sagt Weber.

Anfang März, berichtet Heinz Scherer, habe eine Gruppe Studenten der Fachhochschule Darmstadt die Ostseite der Anlage steingenau erfasst und gezeichnet. Ähnlich wurde auch schon die Nordseite quasi kartografiert. „Das ist eine dankbare Verbindung mit der Hochschule, Professor Frank Oppermann und der Diplom-Ingenieurin Alexandra Vydra“, sagt Scherer. Denn davon profitierten alle Beteiligten, die Studenten, weil sie forschen und arbeiten könnten, und die Stadt, weil sie mehr über ihr altes Kloster und Hofgut Patershausen erfährt.

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