Keine Wanze beim Fräulein vom Amt

Heusenstamm - „Ruckelig!“ Diesen Begriff benutzten die Fahrgäste des DAAG ACO 1925, um die Reise mit dem 84-jährigen gelben Linienbus zu beschreiben. Ein bisschen eng sitzt man auf dem Kunstleder, und der Zweitakter verhindert, dass der Hintermann die Plauderei mit der Banknachbarin hört! Von Michael Prochnow

Das rollende Zeugnis aus der Posthistorie ist Deutschlands ältester noch fahrbereiter Bus und bildete eine Attraktion beim Internationalen Museumstag im Depot des Museums für Kommunikation Frankfurt auf dem Gelände des ehemaligen Fernmeldezeugamts an der Philipp-Reis-Straße.

Die kleinen Besucher im Postbus.

Hunderte folgten der Einladung in die weitläufigen Hallen, vor allem Eltern, die ihren Kindern die Technik ihrer Väter vorführten. Einige der Knirpse wussten bereits mit den Wählscheiben der alten Bakelit-Telefone nichts anzufangen und staunten über die Lochstreifen, die ein mächtiger Fernschreiber einsog. Lioba Nägele, Referentin in der Sammlung und stellvertretende Abteilungsleiterin, sprach von mehreren tausend Fernsprechern, die in offenen Regalen und grauen, verschlossenen Schränken lagern.

Technik-Interessierte und Kinder begeistern sich gleichermaßen für den Postbus aus dem Jahr 1925.

Dazu zählen auch die original Sprech- und Hörmuscheln des Gelnhäusers Philipp Reis. Die ersten Apparate mussten mit einer Kurbel in Gang gebracht werden, staunten die Kinder in der ersten Reihe der Führung. Dann erfand ein Almond Stowger das „Fräulein vom Amt“, die Zentralen zur Vermittlung von Verbindungen. Allein das Geratter der Anlage störe, entfährt es einer Besucherin. In einem anderen Gang liegen kleine Mikrofone, in Büchern und Zigarettenschachteln eingebaut, in einer Vitrine. Mit „Wanzen“ wurden bis in die 90er Jahre Gespräche belauscht, aber zu kaufen gibt es diese Geräte ohnehin nicht, enttäuschte der Experte einige interessierte Buben.

Impressionen des Museumstages in Heusenstamm

Depot des Frankfurter Museums für Kommunikation in Heusenstamm öffnet am Museumstag

Das Depot beherbergt auf den rund 16 000 Quadratmetern 375 000 Objekte, darunter auch Brettspiele der Post aus dem 19. Jahrhundert und romantische Perspektiven auf die Post in Öl. Seit 1995 zog die öffentlich-rechtlich finanzierte Museumsstiftung Post und Telekommunikation Bestände aus Berlin, Hamburg, Nürnberg und Frankfurt zu einem der größten Archive Europas zusammen.

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Rubriklistenbild: © Foto: Michael

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