Anlass für eine bürgermeisterliche Bilanz

Kerb: Mehr Freibier pro Kopf - leider

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Zwischen Torbau und Schlosshotel wartet heute noch die Heusenstammer Kerb mit Buden und einigen Fahrgeschäften.

Heusenstamm - Was bei Münchens Oktoberfest als Erfolg gefeiert wird, darf bei der Heusenstammer Kerb mit mildem Lächeln als Standard quittiert werden: Gerade mal zwei Hammerschläge brauchte es, um das erste Fass Bier anzuzapfen. Problem: Viele sahen das nicht.

Zwei Schläge, dann floss die ersehnte Flüssigkeit: Bürgermeister Peter Jakoby zapfte das erste Fass Bier zur Eröffnung der Heusenstammer Kerb erfreulich zielsicher an. Damit stand er seinem Amtsbruder Dieter Reiter beim Münchner Oktoberfest in nichts nach. Doch bevor es das Freibier gab, ließ Jakoby nicht nur das vergangene Jahr noch einmal Revue passieren. In seinen Reimen hielt er eine Rückschau auf seine Amtszeit. Und einen Ausblick auf das, was noch ansteht: „Doch zuvor, ihr könnt es mir echt glauben, werd’ ich noch vielen die Ruhe rauben“ versprach der Rathauschef. Projekte wie der Neubau des Bauhofs, die Umgestaltung der Hohebergstraße und ein Vollversorger in der Frankfurter Straße stehen noch auf der Agenda. Vieles von dem, was Jakoby noch anstößt, wird sein Nachfolger vollenden dürfen. Über seinen Ruhestand reimte er: „Zwölf Jahre - sie gingen so schnell vorbei, ab Januar bin ich von allen Ämtern frei. Dann heißt’s nur noch: Mach’ dieses und jenes, bitte - mein Auftraggeber heißt dann nur noch: Brigitte!“

Schon besser: Kerbkaffee. Den gab es nicht alleine im Pfarrsaal, sondern dank der Sonne auch davor.

Wie immer hatten zur Kerberöffnung die Bauhofmitarbeiter den mit bunten Bändern geschmückten Kerbbaum vor dem Torbau in die Senkrechte gebracht. Musikalisch wurde die kleine Eröffnungszeremonie von Saxophonist Matthias Rüdiger umrahmt. Viele Zuhörer gab es allerdings nicht; der Andrang hielt sich bei der Eröffnung noch in Grenzen - mehr Freibier pro Kopf. Zwischen Torbau und Schlosshotel sind bis heute Buden und Fahrgeschäfte aufgestellt. Ob nur das herbstliche Wetter am anfänglichen Besuchermangel schuld war, wird die Veranstalter sicher noch beschäftigen. Brigitte Beu ist mit ihrer Wurfbude seit 26 Jahren auf der Kerb in Heusenstamm: „Nächstes Jahr kommen wir nicht mehr. Für uns ist es mittlerweile ein Verlustgeschäft“, erklärte die Schaustellerin frei heraus. Die Gründe für das fehlende Interesse sieht sie in der mangelnden Beteiligung der Vereine. Auch ihr Mann ist enttäuscht. „Vielleicht sollte man die Kerb mit einem anderen Heusenstammer Fest zusammenlegen“ sagte er.

Kerb 2014 in Heusenstamm

Anders als in Rembrücken, wo die Kerb stark von den Vereinen getragen und in der Bevölkerung verwurzelt ist, fehlt der Heusenstammer Kerb die Verwurzelung in der Bevölkerung. Und von Besuchern war die deutliche Kritik zu hören, dass außer einem Kinderkarussell und dem Autoscooter keine wirklichen Attraktionen mehr geboten werden. Die kirchliche Verbindung zur Kerb, die ihren Ursprung ja im Kirchweihfest hat, stellte der Kirchweihgottesdienst dar. Pfarrer Martin Weber zelebrierte ihn gestern in der Kirche. Er erinnerte daran, dass das Fest einerseits auf den Weihetag der Kirche - 19. September 1756 - verweist, andererseits aber auch Zeugnis eines lebendigen Glaubens sei. Zum Kerbkaffee hatte am Nachmittag die Pfarrgruppe eingeladen. Zu Kaffee, Kuchen und besserem Wetter spielte die Band „Wir4“, die für die MS-Selbshilfegruppe „die eMSigen“ Spenden sammelte. Die Frauen aus der Gemeinde bereiteten eine üppige Kuchentheke, und auch der Wettergott hatte es gut gemeint mit den Besucher, die nicht nur im Pfarrsaal sondern auf Bierbänken vor dem Pfarrheim in der Sonne sitzen konnten. 

(jro)

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