Feier mit gemischten Gefühlen

Der Kiebitz ist verschwunden

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Neu-Isenburgs Bürgermeister Herbert Hunkel, Obertshausens Erster Stadtrat Michael Möser, Arbeitskreis-Gründungsmitglied Ernst Böhm, die Erste Kreisbeigeordnete Claudia Jäger und der Sprecher des Arbeitskreises Peter Erlemann (von links) während der Feier zum 50. Jubiläum.

Heusenstamm - Immer mehr freie Flächen werden versiegelt, bebaut. Der Natur bleibt weniger Raum. Schon vor 50 Jahren hat sich der Arbeitskreis Offenbach in der Hessischen Gesellschaft für Ornithologie und Naturschutz gegründet, um sich um Flora und Fauna zu kümmern. Von Burghard Wittekopf 

Im Kreis Offenbach gibt es viele Menschen, die sich ehrenamtlich für den Erhalt und die Pflege der Natur engagieren. Wie der Arbeitskreis Offenbach in der Hessischen Gesellschaft für Ornithologie und Naturschutz (HGON) etwa. Dieser feierte jetzt sein 50-jähriges Bestehen in „Mein Schlosshotel“.

Zahlreiche Gäste von anderen Naturschutzverbänden und der Politik waren der Einladung gefolgt. Der Tag versprach spannende Vorträge und ein geselliges Miteinander. Ein Grußwort hielt Erste Kreisbeigeordnete Claudia Jäger, die die langjährige und sehr gute Arbeit des HGON lobte. Der Kreis arbeite sehr intensiv mit den Naturschützern zusammen. Das spürten auch die Bürger, denn trotz hoher Bevölkerungsdichte könne man den Kreis inzwischen als „Großstadt im Grünen“ bezeichnen, in der auch Biber und Weißstorch mittlerweile wieder heimisch geworden seien.

Auch Herbert Hunkel, Bürgermeister Neu-Isenburgs, lobte die ausgezeichnete Arbeit der Naturschützer. Anlässlich des Jahrestages würdigte er Ernst Böhm, Gründungsmitglied des HGON, der sich besonders für das Naturschutzgebiet „Gehspitzweiher“ stark gemacht habe.

Den Rückblick und Ausblick nach 50 Jahren Naturschutz-Arbeit übernahm Peter Erlemann, Sprecher des Arbeitskreises. Bereits 1967, als der Begriff Umweltschutz in der Bevölkerung noch nicht verbreitet war, hatte sich der Arbeitskreis „Rodgau & Dreieich“ des HGON gegründet, der seit 2010 unter dem Namen Arbeitskreis Offenbach auftritt.

Entstanden sei der Arbeitskreis auf Initiative von Waldemar Schläfer, dem lange verstorbenen Biologielehrer am Adolf-Reichwein-Gymnasium in der Schlossstadt. Damals hatten sich 20 Teilnehmer in Mühlheim getroffen, um eine effektive und nachhaltige Naturschutzarbeit auf den Weg zu bringen. Unter den Gründungsmitgliedern befand sich auch Ernst Böhm, der an den Feierlichkeiten teilnahm und für seine Arbeit gesonderten Beifall erhielt.

Aus diesem beschaulichen Anfang ist ein großer und einflussreicher Verein geworden. Heute betreuen und pflegen die Naturschützer mehr als 30 ausgewiesene Naturschutzgebiete. Viele Artenschutzprogramme haben sie erfolgreich auf den Weg gebracht. Monatlich werden Anzahl und Art der Vögel erfasst und publiziert. Auf der Seite der Erfolge sieht Erlemann die Naturschutzgebiete Gehspitzweiher, See am Goldberg, Rumpenheimer und Bürgeler Kiesgruben und die Bong’sche Kiesgrube.

Wanderungen zwischen Elbhöhenweg und Elbtalaue

Auch politisch habe sich etwas getan. So nimmt der Arbeitskreis Stellung zu Flurbereinigungsverfahren sowie zu Bebauungs- und Landschaftsplänen.

Erlemann musste aber auch Negatives berichten. So seien Vogelarten wie Kiebitz, Bekassine, Haubenlerche oder Grauammer verschwunden. Auch das Rebhuhn sehe er bedroht. Dagegen seien neue Arten heimisch wie die Grau-, Kanada und Nilgans. Aber auch längst verloren geglaubte Arten wie Kormoran, Graureiher, Kolkrabe, Bienenfresser und Weißstorch haben im Kreis Offenbach ideale Bedingungen gefunden.

Als eine der großen Herausforderungen sieht Erlemann den Kampf gegen Pestizide, die Insekten stark reduzieren und damit Vögeln die Nahrungsgrundlage nehmen.

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