Bücherei Maria Himmelskron

Klassiker sind die Ladenhüter

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Marlene Gerwin leitet die Bücherei der Gemeinde Maria Himmelskron seit 48 Jahren.

Heusenstamm - Wie viele Bücher sie bisher schon gelesen hat, weiß Marlene Gerwin nicht. „Viele, sehr viele“, sagt sie nur. Seit 48 Jahren leitet die Heusenstammerin die Buch-Ausleihe der Pfarrgemeinde Maria Himmelskron. Von Claudia Bechthold

Die Katholische öffentliche Bücherei (KöB)selbst, gegründet von Bernhard Koch und Pfarrer Richard Hofmeister, besteht in diesen Tagen seit 50 Jahren.

Schon im ersten Jahr des Bestehens kam Marlene Gerwin als Helferin zum Team. Die Bücher waren damals noch in einem kleinen Raum über der Sakristei untergebracht. Angefangen hat alles mit 124 Romanen, sechs Kinderbüchern und 25 Sachbüchern. Dass es dabei nicht bleiben würde, war eigentlich bald klar. Denn das Angebot erfreute sich schnell einer kleinen Fangemeinde, die Immerhin 36 Leser wurden schon im ersten Vierteljahr registriert.

Bernhard ging wegen des Wehrdienstes

Koch musste die Gemeinde 1964 verlassen, weil er seinen Wehrdienst zu leisten hatte. Fortan übernahm Marlene Gerwin die Leitung der gar nicht mehr so kleinen Bücherei – und hat diese bis heute inne.

Es hat sich viel geändert seither. Der Raum über der Sakristei ist längst viel zu klein geworden. Als 1970 das neue Pfarrheim geplant wurde, da hatte Pfarrer Hofmeister schon vorher dafür gekämpft, dass die Bücherei dort einziehen konnte. Sogar ein Schaufenster hatte man der kleinen Institution spendiert. 70 Quadratemeter stehen seitdem für Bücherregale, einen Schreibtisch, einen kleinen Tisch und drei Sessel zur Verfügung. 70 Quadratmeter, auf denen heute 7110 Medien untergebracht sind. Das sind freilich – nicht mehr – nur Bücher. Das sind auch CDs, DVDs und Spiele.

Ein deutlicher Schwerpunkt der Büchereiarbeit ist die Kinder- und Jugendliteratur. Wobei die Klassiker heute nicht mehr so gefragt seien, bedauert Marlene Gerwin. Ein Räuber Hotzenplotz liegt ebenso schwer in einer der oberen Regalreihen wie Karl Mays Werke, Oliver Twist oder Lederstrumpf. Oder der von ihr als Kind so geliebte James Krüss. „Prinzessin Lilifee“, „Die Hexe Lili“ oder „Gregs Tagebuch“, das sind die Bücher, die Kinder heutzutage lesen. Doch obwohl die Klassiker früherer Jahre fast gar nicht mehr ausgeliehen werden, „wegwerfen kann ich sie nicht“. „Das tut einem doch im Herzen weh“, fügt sie noch hinzu.

Aussortieren und Nachkaufen

Dabei zählt das Aussortieren und Nachkaufen zu ihren Hauptaufgaben. Rund 12. 000 Bücher hat sie in den 50 Jahren für die KöB angeschafft. Und immer wieder aussortiert. Ein wenig gemildert wird der „Trennungsschmerz“, weil sie die abgelegten Bücher auf einem Flohmarkt anbietet. Der Erlös fließt natürlich in die Bücherei. Zur Finanzierung dienen außerdem ein Zuschuss des Bistums, eine Kollekte und der Erlös aus den zwei Buchausstellungen im Jahr, die Marlene Gerwin organisiert.

Im November für die bevorstehende Weihnachtszeit und im Frühjahr vor der Feier der Erstkommunion stellt sie Bücher aus, die sie zum Verschenken empfiehlt. Da kann dann auch gekauft werden. Diesmal ist die Ausstellung wegen des Jubiläums etwas früher als sonst.

Mit ihrer Liebe zu Büchern hat Marlene Gerwin auch ihre Familie angesteckt. Ihr Mann Friedel und ihre Tochter Judith, nach einem Germanistik-Studium selbst im Verlagswesen tätig, helfen ohnehin schon regelmäßig. Wenn aber eine Ausstellung und ein Flohmarkt anstehen, dann müssen auch ihr Sohn und ihre Schwiegertochter ran. Und ihr ältester Enkel ist auch schon angesteckt. Wenn der Vierjährige bei den Großeltern ist, dann wird nicht gespielt. Dann heißt es nur: „Oma, liest Du mir was vor?“

Ihre etwa 160 regelmäßigen Ausleiher kennt Marlene Gerwin ganz gut. „Oft weiß ich schon beim Einräumen, wem ich welches Buch empfehle“, erzählt sie. Und meist seien es Volltreffer. Einmal hat man ihr vor Begeisterung sogar schon eine Schachtel Pralinen mitgebracht.

‹ Geöffnet ist die KöB Maria Himmelskron donnerstags von 16 bis 17 Uhr und sonntags von 11 bis 12.30 Uhr, dann mit Yvonne Wanko und Doris Hofmeister.

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