Hoher Besuch auf dem Bio-Hof

Klaus Ommert empfängt Grünen-Delegation um Priska Hinz in Patershausen

Priska Hinz (Grüne) kritisiert in Anwesenheit von Klaus Ommert (Mitte, weißes Hemd) die Kollegen in Berlin.
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Priska Hinz (Grüne) kritisiert in Anwesenheit von Klaus Ommert (Mitte, weißes Hemd) die Kollegen in Berlin.

Der Patershäuser Hof hat sich längst als idyllisches Ausflugsziel herumgesprochen – auch über den Kreis hinaus. Am Samstag schwingt sich eine 50-köpfige Gruppe auf Einladung der Grünen aus der Stadt Offenbach in die Sättel, um vom Nassen Dreieck zum Kleinod im Süden der Schlossstadt zu radeln. Ihr Antrieb ist weniger der Erholungsfaktor als vielmehr das Interesse an nachhaltiger Landwirtschaft. Das Konzept des Demeter-Hofs stellt Pächter Klaus Ommert vor. Er empfängt auch Priska Hinz, Hessische Ministerin für Umwelt, Klimaschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz, und den Bundestagsabgeordneten Dr. Wolfgang Strengmann-Kuhn.

Heusenstamm -Vor Ort beschreibt Ommert seinen persönlichen Weg nach Patershausen: Er wuchs auf dem elterlichen Hof in der Vorderrhön auf, der allerdings zu klein gewesen sei, um auch seine Familie zu ernähren. Also wendet er sich dem Werkzeugbau zu, ist in einem Ingenieurbüro für Heizung und Klima tätig, baut nebenher die Landwirtschaft der Familie ökologisch um. Durch Zufall erfährt er von der Ausschreibung der Stadt Heusenstamm, die nicht länger eine Mais-Monokultur um ihr Anwesen dulden wollte.

Ommert und sein Konzept überzeugen die Stadtoberen. Unter 55 Bewerbern wird er für Patershausen auserwählt. Gemüseanbau erweist sich allerdings als schwierig, durch die Waldnähe und viele Vögel geht die Saat nicht auf. Kraftfutter und Erbsen holen die Wildschweine. Für eine Viehhaltung erkennt der Bauer aber eine Chance, „die Fleischnachfrage ist da“. Heute hält er neben den Rindern auch Schweine, beackert mehr Futter- als Getreidefläche.

Die Stadt übernimmt seinerzeit die Außenrenovierung, die Familie Ommert saniert innen. Dazu zählt auch ein Schlachthaus, das ihm sehr wichtig ist. Mithilfe aktueller gesetzlicher Regelungen können so stressige Tiertransporte vermieden werden. Ommert hat „mit 50 die Metzgermeisterprüfung bestanden, mit 60 den Jagdschein gemacht“. Der Erfolg des Hofs ruhe auf fünf festen Mitarbeitern und mehreren Teilzeitkräften, die auch im Hofladen und bei der Bewirtung im Biergarten helfen.

Vor Ort plädiert Priska Hinz für „fortschrittliche Landwirtschaft, gesundes Essen, biologische Vielfalt, mehr Tierwohl und ein Auskommen für die Landwirte“. Ihre Kollegin in Berlin kritisierte sie, weil diese auf „alte Rezepte und Funktionäre“ hörten.

„Wir wollen die konventionellen Betriebe nicht vernachlässigen“, betonte die Ministerin, „aber sie müssen nachhaltiger arbeiten“. Priska Hinz stellte fest, „die Angst vorm Öko-Hof ist nicht so groß, immer mehr machen mit“, und die Landwirte seien „oft weiter als die Spitzen der Verbände“. Ommert klagt aber über „nicht mehr nachvollziehbare Auflagen für eine kleine Schlachterei wie für ein EU-zertifiziertes Groß-Unternehmen“. Im Regierungspräsidium würden zu viele unerfahrene Entscheider sitzen, während die Kreis-Veterinärämter vor Ort die Verhältnisse besser kennen.

Positive Effekte sieht er, weil die Lebensmittel-Discounter nun auch verstärkt auf „Bio“ setzen. Ministerin Hinz verwies auf den Ernährungsführerschein und Kochkurse in den Schulen. (Michael Prochnow)

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