Waldjugend reinigt 350 Häuschen

Kleiber klebt Nistkästen zu

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In einem der Häuschen entdeckten die Waldläufer das Depot eines Eichhörnchens.

Heusenstamm – Etwa 350 Nistkästen hängen in den Wäldern rund um die Schlossstadt. Am Wochenende waren 25 Helfer der Waldjugend, unterstützt von einigen Eltern, unterwegs, um diese Behausungen zu reinigen und zu reparieren, um sie für den Einzug der Vögel vorzubereiten.

Als „Mieter“ dieser Nistkästen wünschen sich die jungen Umweltschützer mehrere Vogelarten. So konnten im vergangenen Jahr mit den Nistkästen vor allem Kohlmeisen angelockt werden. Die Häuschen wurden vor allem an Stieleichen angebracht. Der Grund ist ganz einfach: „Die Meisen sind die wohl einzigen uns bekannten Singvögel, die die Puppen des Eichen-Prozessionsspinners auch an ihre Nachkommen verfüttern“, sagt Dietmar Tinat, der Heusenstamms Waldjugend betreut. Damit gelten sie als natürliches „Mittel“ zur Bekämpfung des Eichen-Prozessionsspinners vor allem entlang von Spazier- und Wanderwegen.

Ein zweiter Bewohner solcher Nisthilfen ist der Kleiber, der allerdings seinem Namen alle Ehre macht. Im Mittelhochdeutschen steht der Begriff „Kleiber“ für Handwerker, die Lehmwände bauen. In den Nistkästen haben sie – zum Schutz ihrer Jungen etwa vor Mardern oder Krähen – alle Fugen an den Deckeln derart „betonhart“ mit einer Mischung aus feinem Sand und Speichel verklebt, dass diese nur schwer zu öffnen waren.

Aber auch der Waldbaumläufer und der Gartenrotschwanz haben die Nisthilfe der Waldjugend angenommen. Nester dieser Arten fanden die Helfer vor allem am Rand des „langen Waldes“ in der Nähe des Hofguts Patershausen.

Bevor die Kästen im Schlosswald hinter dem Bannturm gereinigt werden konnten, mussten die Helfer nach eigenen Angaben übrigens noch reichlich Müll vergangener Feste einsammeln und entsorgen.

350 Nistkästen haben 25 junge Leute und deren Eltern am Wochenende gereinigt und repariert, was nicht immer ganz einfach ist.

Zur ihrer Überraschung fanden die jungen Leute im Schlosswald auch eine Zweckentfremdung eines Nistkastens. Ein Eichhörnchen hatte diesen offenbar als Depot für seinen Wintervorrat genutzt und fast zur Hälfte mit Eicheln befüllt. Tinat: „Leider mussten wir den Kasten ausräumen. Das ist aber zu dieser Zeit für das Eichhörnchen sicher kein Problem, da infolge des milden Winters noch ausreichend Bucheckern und Eicheln vorhanden sind.“

In diesem Zusammenhang betonen die Helfer, dass die Häuschen mit Rücksicht auf zukünftige Schnitt-, Fäll- und andere holzbearbeitende Sägearbeiten schon seit Jahren mit Alu-Nägeln an den Bäumen befestigt werden.

Für eine in diesem Jahr startende, langfristig laufende Vogelschutz-Maßnahme benötigt Heusenstamms Waldjugend dringend die Hilfe eines ehrenamtlich tätigen Vogel-Experten.

Bei dem Projekt geht es darum, dass der Gartenrotschwanz und der Wendehals nachhaltig angesiedelt werden sollen. Nach den Angaben der Waldläufer sollen zunächst zehn Nistkästen im Naturschutzgebiet „Nachtweide von Patershausen“ sowie zehn weitere im Wald an der Gemarkungsgrenze zu Dietzenbach (Schmitt-Graben) betreut werden. Die Mitglieder der Waldjugend selbst haben zwar Kenntnisse über Flora und Fauna, aber nicht das dafür benötigte Spezialwissen.

Warum uns die Natur so gut tut

Wer Interesse hat, muss ein aktuelles erweitertes Führungszeugnis vorweisen und sollte den Willen und die Fähigkeit haben, eine kleinere interessierte Gruppe mit Kindern und Jugendlichen möglichst regelmäßig zu führen. Interessierte schicken eine Mail an: dietmar@waldjugend-heusenstamm.de. (clb)

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