Und es gab doch eine Kirche

An der Ostseite des Hofgut-Stalls, unter Bürgermeister Peter Jakoby und Historiker Lorenz Frank (von links) quasi, könnten Reste der Apsis der Kirche liegen.
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An der Ostseite des Hofgut-Stalls, unter Bürgermeister Peter Jakoby und Historiker Lorenz Frank (von links) quasi, könnten Reste der Apsis der Kirche liegen.

Heusenstamm - Die Mauern des ehemaligen Konventgebäudes im heutigen Hofgut Patershausen sind mit hoher Wahrscheinlichkeit im Jahr 1500 errichtet worden. Dessen ist sich der Mainzer Kunsthistoriker und Bauforscher Lorenz Frank relativ sicher. Von Claudia Bechthold

Und: Es muss dort tatsächlich eine Kirche gestanden haben. Mit diesen Ergebnissen der Untersuchungen Franks sieht es sehr danach aus, dass die Geschichte des Klosters zwischen Dietzenbach und Heusenstamm zumindest in Teilen neu geschrieben werden muss. Bisher hatte man nämlich vermutet, dass bereits in der Mitte des 15. Jahrhunderts der Niedergang des Klosters begonnen habe, bis zu Beginn des 16. Jahrhunderts von Jesuiten übernommen worden sein soll. Mitte des 18. Jahrhunderts übernahm Maria Theresia von Schönborn die Anlage.

Die so genaue Datierung begründet Lorenz Frank mit Untersuchungen am Holz, das im Konventgebäude verwendet wurde. Damals habe man mit so genannten fliegenden Gerüsten gearbeitet, erläutert der Forscher, der seine Ergebnisse gestern Vertretern der Stadt, der Unteren Denkmalbehörde, des Heimat- und Geschichtsvereins sowie der Presse vorstellte. Gearbeitet hat Frank im Auftrag des Landesamts für Denkmalpflege. Das Konventgebäude ist jenes, das mit seinen Außenmauern parallel zum Weg steht, der nach Patershausen führt.

Fliegendes Gerüst bedeute, auf die entstehende Mauer wurden quer dicke Äste gelegt, die zunächst mit eingemauert wurden. War der obere Rand der Wand nicht mehr zu erreichen, legt man Bretter auf die herausstehenden Äste, auf die sich der Maurer dann stellen konnte. War die Mauer fertig, wurde sie von oben nach unten verputzt und die Äste dann schließlich abgesägt. Aus solchen Ästen hat Frank Proben entnommen, so dass die Jahresringe im Holz zu erkennen waren.

Weitere Forschungen im nächsten Jahr

„Das ist so ähnlich wie ein Fingerabdruck“ bestätigt Lorenz Frank die Frage nach dieser Untersuchungsmethode. Denn die Jahresringe sind in jedem Jahr unterschiedlich breit. Die beiden Proben, die er entnommen hat, 48 und 44 Ringe. Diese habe man verglichen mit den bekannten Tabellen und so festlegen können, dass jene Bäume im Winter des Jahres 1499/1500 gefällt worden seien.

Schon immer haben Heimatforscher vermutet, dass in Patershausen auch eine Kirche gestanden hat. Zumal es eine alte Darstellung gibt, auf der eine weiße Kirche zu sehen ist. Belegt werden konnte dies bisher aber nicht. Lorenz Frank ist sich aber sicher, dass die nördliche Außenwand des heutigen Stalles einst die nördliche Wand einer Kirche war, an die sogar noch eine Kapelle gebaut war. Nicht nur die Steine und der noch existierende Außenputz zeigten dies. Auch eine zugemauerte Tür mit Türsturz und dem kleinen, aber erkennbaren Anfang eines Gewölbes dienten als Beweis. Schließlich wisse man aus Bodenradaraufnahmen, dass an der Stallmauer etwas Halbrundes im Erdreich verborgen sei, vermutlich die Apsis der Kirche. Im nächsten Jahr soll dort, an der Längsmauer und an einer Stelle im Innenhof des Guts gegraben werden. Man hoffe, weitere Beweise zu finden für diese Erkenntnisse. Bürgermeister Peter Jakoby kann sich vorstellen, das neue Wissen am Computer als Animation darzustellen.

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