Erzählcafé mit Heusenstammer Gebabbel

Der „Kopp“ ist „en Wersching“

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Großes Vergnügen hatten die Zuhörer beim Vortrag von Heidi Friedrich über ihre Muttersprache, den Heusenstämmer Dialekt.

Heusenstamm - Immer weniger Menschen sprechen Dialekt. Das gilt auch für Heusenstamm. Um zumindest möglichst viele Ausdrücke und Redewendungen zu bewahren, plant der Vorsitzende des Heimat- und Geschichtsvereins, Dr. Roland Krebs, ein Buchprojekt, in dem „Heusenstämmerisches“ festgehalten wird. Von Claudia Bechthold

Zunächst hat er aber zum Erzählcafé eingeladen. Zweisprachig sei sie aufgewachsen, verkündet Heidi Friedrich den rund 60 Besuchern des Erzählcafés zum Thema „Heusenstämmer Gebabbel“ im Haus der Stadtgeschichte. Gelernt habe sie „Hessisch fer dehaam“ und „Hochdeutsch für die Außenwirkung“. Und dann nennt sie unzählige Ausdrücke, die den meisten Zuhörern bestens vertraut sind. „Geele Riewe“, das wissen alle, das sind Gelbe Rüben. Und Kinder „dappen“ nach einem Sommergewitter gern mal in eine „Pitsch“, also Pfütze. Für manche Dinge gebe es gleich zwei Ausdrücke, bemerkt Heidi Friedrich und beweist es. Der Kopf sei in Heusenstamm „de Kopp“, ihre Mutter aber habe immer nur vom „Wersching“ gesprochen.

Und umgekehrt gebe es Worte mit zwei Bedeutungen, zum Beispiel die „Stern“. Das sind die Sterne am Himmel, aber auch die Stirn. Besonderes Vergnügen hatte das Publikum an einem Satz-Beispiel von Heidi Friedrich, der typisch ist für Heusenstämmer Platt: „Sinn Sie dem Sannsche sein Mann?“ Zu Beginn der Zusammenkunft hatte Dr. Roland Krebs, Vorsitzender des Heimat- und Geschichtsvereins, der auch ein Gedicht von Anton Meyer vortrug, den Besuchern das Buch-Projekt erläutert. Dabei gebe es viele Aspekte zu beachten. Zunächst die Frage, was ist der Heusenstämmer Dialekt, wie unterscheidet er sich von den Dialekten, die Dietzenbach, Obertshausen oder Offenbach gesprochen werden.

Wie schreibt man Dialekt-Begriffe auf? Gibt es unterschiedliche Aussprachen innerhalb der Schlossstadt? Wie umfassend muss man Begriffe erläutern? Soll man Eigennamen und Utznamen sowie Gemarkungsnamen aufnehmen? Lockert man ein Wörterbuch mit Anekdoten, Sprüchen und Bräuchen auf? Schreibt man ein eigenes Kapitel über Ausdrücke, die aus dem Jiddischen und aus dem Französischen in den Dialekt aufgenommen wurden? Doch darüber mit den Zuhörern zu diskutieren kam man zumindest an diesem Nachmittag nicht mehr.

Denn Matthias Fisch, der ebenfalls schon seit längerer Zeit Dialekt-Ausdrücke festhält, hatte eine Liste mit Ausdrücken dabei, die dem Publikum Vergnügen bereiteten. Und so mancher Gast lächelte an der einen oder anderen Stelle, weil er einen Ausdruck viele Jahre nicht mehr gehört hatte. Dazu zählten allerdings nicht da „Woogbörnsche“ und die „Worzelschneis“ (beides Flurnamen). Schon eher fast in Vergessenheit geraten ist das „Wasserhäusje“, wie ein Kiosk nur in der hiesigen region heißt. Beim „Schawellsche“ dürften die meisten Gäste gewusst haben, dass es sich um einen Tritt im Sinne von Podest handelt. Aber ein „Schoggelgaul“? Ein Schaukelpferd natürlich. Oder die „Lamperie“, das ist die Fußbodenleiste. Und wer nicht aufpasst, fällt auf die Barnatzel, also auf den Kopf. Das Erzählcafé wird fortgesetzt.

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