Korrupt, untreu und faul

+
Heusenstammer Theatergruppe „Spunk“ bringt am Sonntag das Heinrich-von-Kleist-Stück „Der zerbrochene Krug“ in einer überarbeiteten Version auf die Bühne am Bannturm.

Heusenstamm - Der hoch angesehene Dorfrichter ist korrupt, seiner Frau nicht immer treu und vor allen Dingen ist er faul. Richtig faul. Von Peter Petrat

Und bisher ist er damit gut durchgekommen, bis eines Tages eine adrette junge Bürokratin das Kartenhaus aus Lügen und Intrigen zum Wanken bringt.

In ihrem Theaterstück „Der zerbrochene Krug ... und anderer Ärger mit Frauen“ geizen die zwölf Schauspieler der Theatergruppe „Spunk“ nicht mit charmanten und humorvollen Seitenhieben auf Bürokratie, Rechtssystem und Mafia. Als Abschluss des Heusenstammer Kultursommers bringt die Laienschauspielgruppe das Stück Kleists am Sonntagabend in neuem Gewand auf die Bühne am Bannturm. Spielort der Komödie ist nun der EU-subventionierte Süden Italiens, wo ein kaputter wertloser Krug, der weder sonderlich hübsch noch ein Erbstück war, den Richter (Matthias Stanke) nicht nur in juristische Bredouille bringt.

Hier lohnt jede Minute

Die zwölf Laienschauspieler und ihre Souffleuse Monika Bauer proben bereits seit Februar, um für ihren Auftritt fit zu sein. Ursprünglich war das Stück bereits vor zwei Jahren vorgesehen gewesen und wurde von Christoph Eckert, der auch den Justizsekretär spielt, umgeschrieben und den Spielern auf den Leib geschneidert. Könnte man die Verflechtung von Lüge, Intrige und Betrug selbst in einer Komödie für abgegriffen halten, so lohnt sich hier jede Minute. Unterhaltsam sind die vielseitigen Anspielungen auf das korrupte Justizsystem und die träge Bürokratie. Mit Gesangseinlagen und der einen oder anderen Überraschung bietet die Komödie kurzweilige und abwechslungsreiche zwei Stunden, in der Schwachstellen im System gnadenlos aufgespießt werden. Besonders interessant an der Auswahl des Stoffes ist, dass sich in den Reihen der Schauspieler gleich drei Berufsrichter befinden.

Während die Akten in den stetig wachsenden Stapeln auf dem Schreibtisch des Dorfrichters deutlich Staub ansetzen, ist im Schlafzimmer der Eva (Martina Hartmann-Abass) nachts ein Krug zerbrochen. Während im kleinen und ruhigen Dorf sonst alles in geregelten Bahnen verläuft, lässt sich die Mutter (Doris Hay) diesmal nicht bremsen. Eine Anzeige muss sein. Und der Schuldige soll auch noch am selben Tag bestraft werden. Doch nicht einmal der Täter steht wirklich fest. Die Mutter ist sich sicher, der ehemalige Verlobte ihrer Tochter müsse es gewesen sein. Vincenco (Danny Sandtner) und sein Vater (Dirk Reiser) bestreiten dies.

Unerwarteter Abschluss der Ermittlungen

Als dann auch noch Meike Brückmann als aufgeweckte Bürokratin Giulia Walter auf der Bildfläche erscheint, verstrickt sich der faule Dorfrichter zusehends in Widersprüche und gerät auf einmal unter Druck. Auch seine Ehefrau, gespielt von Nora Enns, Patrick Beckert (Don), Chris Dentico (Mafioso), der Anwärter (Sascha Kaspar) und die Zeugin Stefanie Reiser machen es ihm nicht leicht. Ans Licht kommen brisante Details, die letztlich zu einem unerwarteten Abschluss der Ermittlungen führen. Einlass ist am Sonntag ab 18.30 Uhr, los geht es um 19.30 Uhr.

Die Bewirtung übernehmen die Gymnastikfrauen der TSV Heusenstamm.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare