Die kreischen nicht, die singen

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Ist das schon 30 Jahre her? Gründungsmitglieder bei der Geburstagsfeier.

Heusenstamm - Heute sind es Spielkonsole, Mobiltelefon, Computer; früher sahen Wünsche anders aus: Viele Mütter und Väter können ein Lied davon singen, wie sehr sie in Kindertagen einen Wellensittich ersehnt haben. Von Michael Prochnow

Zwei Dutzend erwachsene Schlossstädter verbindet bis heute die Liebe zum Gefiederten. Sie hegen oft Schwärme schöner Vögel, mehr noch, sie wissen, wie Exemplare idealerweise aussehen sollen – und wie man das erreichen kann. Diese Experten gehören dem Vogelzuchtverein (VZV) Heusenstamm an, der in diesen Tagen seinen 30. Geburtstag feiert.

Die Runde traf sich am 29. August 1982 in ihrer ehemaligen Zoohandlung, erinnern sich Willi und Otrun Spengler noch ganz genau. Elf Tierfreunde hoben den Verein damals aus der Taufe. Jetzt haben sich Gründer und weitere Mitglieder im Garten an der Hohebergstraße versammelt, halten bei Kaffee und Kuchen Rück- und Ausblick.

Erste Stadtmeisterschaft 1983

Die Frauen und Männer der ersten Stunde waren neben dem Ehepaar Spengler als Gastgeber der Runde Christel und Patrick Schmidt sowie dessen Bruder Philippe, Klaus Guha, Edmund Pfeiffer, Anita und Dieter Späth, Franz Sommer und Friedel Haller. Fast alle gehörten früher einem Zuchtverein in Dietzenbach an. Dort aber gab’s Streit, erzählt der frühere Vorsitzende, Philippe Schmidt, also formierten die Schlossstädter ihre eigene Gemeinschaft.

Im September des Gründungsjahres war der VZV im Vereinsregister eingetragen, und gleich im Oktober stellten die engagierten Züchter eine Buntvogel-Ausstellung mit Sittichen, Exoten und Kanarien auf die Beine. Sie durften die damalige Halle ihrer Kameraden vom Taubenverein am Bahnhof nutzen. Es war eine Schau mit reich dekorierten Volieren - wobei die Tiere nicht bewertet wurden.

Das änderten die Züchter 1983 mit der ersten Stadtmeisterschaft im Himmelskron-Pfarrheim. Ein paar mal nur nutzten sie die Gastfreundschaft der Kirche, dann stellten sie in der TSV-Halle aus. Wertungsrichter benoten Farbe, Zeichnung, Kopfform, Haltung. Pokale gibt’s für die Besten in den einzelnen Klassen, für Einzeltiere und Gruppen.

Vorsitzender ist deutscher Meister

Die meisten Aktiven der heute 25 Mitglieder ziehen Kanarien. „Sie sind leicht zu halten, benötigen nicht viel Pflege, kreischen nicht, sondern singen“, argumentiert Schmidt. Der erfolgreiche Züchter errang wiederholt einen Weltmeistertitel, den jüngsten im Januar diesen Jahres. Auch Trophäen des zweitbesten Züchters stehen in der Vitrine des gebürtigen Franzosen sowie Bronzemedaillen. Eine solche errang Ralf Wentz bei der Weltschau im Januar in Almeria auf seine Kanarien. Angelo Vitteritti, seit vier Jahren Vorsitzender des Jubelvereins, darf sich Deutscher Meister nennen, Zuchtfreund Heinz Wenzel wurde Vize.

Im Herbst wollen sie an der Europa-Schau in Leipzig teilnehmen – mit oder ohne Vögel, falls sie sich nicht qualifizieren. Am 27. und 28. Oktober finden die offenen Stadtmeisterschaften des VZV in der TSV-Maingau-Halle an der Jahnstraße statt. Daneben tauschen sich die Zuchtfreunde jeden zweiten Freitag im Monat aus, geben Tipps und Informationen von Landesverband und Deutschem Kanarienbund weiter. Wer sich für das Hobby interessiert, fragt Angelo Vitteritti unter 06104-797760.

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