Mehr als 150 Helfer befreien die Landschaft von Müll

Kühlschranktür im Wald entsorgt

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Den Wohlstandsmüll ihrer Mitbürger haben auch Flüchtlinge aus dem Wald geholt.

Heusenstamm - Sisyphos, der griechische König, wurde von den Göttern mit der Strafe belegt, einen Felsblock auf den Gipfel eines Berges hinaufwälzen, der jedesmal kurz vor dem Ziel wieder ins Tal rollte. So ähnlich dürften sich die ehrenamtlichen Helfer fühlen, die Jahr für Jahr Straßenränder, Grünanlagen und Waldwege von Unrat befreien. Von Jürgen Roß 

Seit 43 Jahren existiert die Aktion „Saubere Landschaft“, zu der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald (SDW) und Stadt aufrufen. Schon früh am Morgen steht Jürgen Pfeifer von der Stadt Heusenstamm am Bannturm und erwartet die Helfer der Aktion „Saubere Landschaft“. Auf dem Tisch vor sich hat er die blauen Müllsäcke liegen, die er verteilen wird. Daneben eine Übersichtskarte, auf der die Areale für die angemeldeten Gruppen eingezeichnet sind. Pfeifer kennt die kritischen Punkte, an denen sich besonders viel Müll ansammelt. „Die Wurzelschneise hat sich zunehmend zu einem Gebiet entwickelt, in dem besonders viel Müll illegal entsorgt wird“, sagt er. Aber auch die Straßenränder nach Dietzenbach und nach Offenbach zeugen von der Ignoranz mancher Zeitgenossen, die ihren Müll aus dem fahrenden Auto werfen.

Neben Vereinen, die teilweise seit vielen Jahren die Aktion unterstützen, finden sich auch immer wieder Privatpersonen oder kleinere Freundeskreise, die spontan erscheinen und helfen wollen. So wie Rudolf und Ursula Schmidt. Die beiden Pensionäre ärgern sich über den Zustand entlang der Dietzenbacher Straße zwischen der Wildhofkreuzung und dem Müllheizkraftwerk. Mit erfrischender Selbstverständlichkeit erklärt Rudolf Schmidt, dass man sich eben nicht nur beschweren darf, sondern einfach anpacken muss. Zu ihrer Sicherheit bekommen die beiden, wie alle Helfer, eine Warnweste. „Wir haben vom Autohaus Zeiger 100 Warnwesten geschenkt bekommen“, freut sich Pfeifer.

Während er den ersten Helfern erklärt, wo sie den eingesammelten Müll deponieren sollen, kommt eine größere Gruppe zum Bannturm. Mit mehr als 30 Teilnehmern ist die Handballspielgemeinschaft Obertshausen-Heusenstamm (HSG) die größte Gruppe, die zum Aufräumen gekommen ist. Johannes Lippert, zweiter Vorsitzender der HSG, freut sich, dass nach einer mehrjährigen Pause, die HSG wieder mit dabei ist. „Nach dem Wegfall unserer Trainingshalle mussten wir uns erst neu finden und sind jetzt auf einem guten Weg“, berichtet der 22-jährige. Die zweitgrößte Gruppe, die in diesem Jahr für eine saubere Landschaft sorgt, sind die Flüchtlinge, die in Heusenstamm eine Bleibe gefunden haben. Gemeinsam mit ihrem Betreuer Hans Jürgen Schwald sammeln sie den Müll rund um Martinsee ein. Nicht alles, was die fleißigen Helfer im Wald finden passt in die Müllsäcke. Alte Gartenmöbel, eine Kühlschranktür und unzählige Glasflaschen holen die jungen Männer aus dem Wald. Für Schwald ist es eine gute Gelegenheit, um mit den Flüchtlingen einmal ungezwungen ins Gespräch zu kommen.

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Zum gemeinsamen Abschluss am Bannturm kommen alle Helfer noch einmal zusammen. Rund 150 Teilnehmer kann die SDW verzeichnen. Rudolf Schmidt hat mit seiner Frau mehrere Schubkarren voll Müll eingesammelt. „Richtig ärgerlich sind die vielen Glasflaschen und Wahlplakate, die eine Woche nach der Wahl noch die Landschaft verschandeln“. Der gemeinsame Abschluss ist in diesem Jahr zu einem besonderen Ort der Begegnung geworden. Flüchtlinge und Helfer aus Heusenstamm sitzen zusammen und kommen ungezwungen ins Gespräch. Es ist einer der vielen positiven Nebeneffekte, die die Aktion Saubere Landschaft hat. Jürgen Pfeifer weiß, dass die Aktion eben nicht nur der Landschaft gut tut, sondern auch Menschen zusammenbringt, und Sensibilität für die unmittelbare Umgebung weckt. Der griechische König Sisyphos ist Namensgeber für eine Aufgabe, die kein Ende findet. Dass dies auch auf für die Saubere Landschaft gilt, mussten Ehrenamtliche schon während ihrer Arbeit erleben, als aus vorbeifahrenden Autos gleich neuer Unrat flog.

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