„Den Leser mitgerissen“

So lief der Vorlesewettbewerb des Adolf-Reichwein-Gymnasiums

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Alle Klassensieger bekamen in der Bücherei – unabhängig von der Platzierung – einen Preis überreicht.

Heusenstamm - Blut spritzt, einer droht, die Haut des anderen abzuziehen. Dann bekommt einer einen Schlag auf die Kehle und eine klaffende Wunde… Es geht um Blaustern, Feuerherz und Tigerkralle, die „Warrior Cats“. Laura aus der 6d liebt Action. Von Michael Prochnow 

„Ich bin nicht eine, die so kitschige Sachen mag“, stellt die Zwölfjährige klar, „das ekelt mich“. Das sieht ihr Klassenkamerad Juri ähnlich. Er rezitiert aus „Blutige Steine“, einem Krimi aus der Donna-Leon-Reihe. Der Börsenverein des Deutschen Buchhandels veranstaltet alljährlich den Vorlese-Wettbewerb für Schüler der Jahrgangsstufe 6. Eine Jury ermittelt die Schulsieger des Adolf-Reichwein-Gymnasiums. Dabei ist Fantasie angesagt. Gleich mehrere der jungen Damen – Juri ist der einzige Junge – lieben kleine Waldelfen und die Rituale, mit deren Hilfe man die zarten Wesen hören, sehen und sogar mit ihnen reden kann. Mit zarten, sanften Stimmen tragen die Siegerinnen ihre ausgewählten Texte vor.

Warum so wenige Jungs in der Runde in der Schülerbücherei sitzen, weiß selbst Juri nicht. „Die geben sich keine Mühe, interessieren sich nicht für Bücher“, mutmaßt eines der Mädchen, „die spielen lieber Fußball“. Nach einer Beratung kehren die Juroren zurück, verteilen Urkunden und Bücher. Jeder Teilnehmer durfte sich einen Titel wünschen, und schließlich sind ja alle Klassensieger. Die Schulsiegerin heißt Cassidy Riegert und besucht die 6c. Sie bekommt ein Extra-Geschenk: „Tintenherz“ von Cornelia Funke. Das Talent vertritt das ARG am letzten Montag im Februar im Kreisentscheid im Haus der Musik.

Cassidy war schon Siegerin eines Vorlese-Wettbewerbs in der Adalbert-Stifter-Schule, hat nun Passagen aus „Woodwalker – Gerfährliche Freundschaft“ von Katja Brandis vorgetragen. Lehrerin Manuela Walter vermittelt die Entscheidung der Jury: „Sie hat die Atmosphäre auch stimmlich gut rübergebracht, den Leser mitgerissen und auch den Fremdtext sehr souverän gelesen. Wir waren sehr beeindruckt.“ Bewertet haben auch ihre Kollegen Daniel Sander und Sophie Adler sowie Bibliothekarin Richter.

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Die Gewinnerin findet das Buch sehr spannend, hat sich von ihrer besten Freundin Marlene inspirieren lassen. „Papa und Mama haben mir früh Lesen beigebracht, ich hab’ schon mit vier angefangen.“ Pro Tag schmökert sie ein bis zwei Stunden, schreibt selbst und sitzt bereits an ihrem ersten Buch. „Da geht ein Mädchen in eine mysteriöse Welt, trifft auf magische Gestalten, muss jemanden besiegen, der diese Welt bedroht“, verrät sie.

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