Manufaktur gegründet

Liebe in Flaschen: Patrick Voelkel stellt Gin her  

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So soll es bald auch in der neuen Werkstatt des Gin-Herstellers Patrick Voelkel aussehen: Eine alte Fabrik in Heusenstamm mit hohen Decken und viel Licht, das durch die Fenster auf seine in Handarbeit befüllten Flaschen scheint.

Heusenstamm - Patrick Voelkel hat im Juni eine Gin-Manufaktur gegründet. Vier Monate später kommt er mit der Produktion kaum hinterher. Seine Flaschen stehen bald auch in Russland in den Regalen. Von Tamara Schempp 

Es sind drei Schritte, die Patrick Voelkel wissen lassen, dass der Gin die richtige Qualität hat. Er füllt ihn zunächst in ein bauchiges Whiskeyglas. Darin entfaltet sich das Aroma besonders gut, findet er. Dann riecht er an der hochprozentigen Flüssigkeit. „Da muss man sich fragen: Was hat man in der Nase?“, erklärt Voeklel seinen Vorgang. Der zweite Schritt: schmecken, Schluck für Schluck. Diesen Test überlässt er seiner Zunge. Schließlich der Abgang: Der Gin darf im Hals nicht brennen, weiß der 50-Jährige. „Er muss ölig herunterlaufen.“ Voelkel kommt ursprünglich aus der Werbebranche: Grafik und Film. Im Juni hat der selbstständige Heusenstammer aus seinem Hobby ein Geschäft gemacht: „Original Love Gin“. „Ich bin seit jeher Gin-Liebhaber“, sagt Voelkel über sich. In Handarbeit füllt er den Gin in Flaschen. Mitarbeiter hat er dafür keine. Das soll sich allerdings bald ändern. Er komme mit der Produktion kaum hinterher, berichtet der Heusenstammer. Zu groß ist die Nachfrage nach Gin „made in Hessen“.

Er sei sogar in Verhandlung mit einer deutschen Firma, die seinen Gin in Moskau verkaufen will. „Die Russen stehen auf deutschen Schnaps“, versichert Voelkel. Auch Edeka habe bereits angerufen. Um noch mehr Flaschen befüllen, etikettieren und verpacken zu können, sucht sich Voelkel gerade eine neue Produktionsstätte. Auf seinen 60 Quadratmetern in einem ehemaligen Büro platze er mittlerweile aus allen Nähten. 200 Quadratmeter schweben ihm als Vergrößerung vor. Trotzdem soll Original Love Gin eine kleine Manufaktur bleiben, sagt Voelkel. „Ich muss gucken, wo die Reise hingeht.“

Die Faszination an der Spirituose liege für ihn darin, dass jeder daraus sein Lieblingsgetränk mixen kann. Gin ist ein Trend-Drink, man müsse sich ja nur mal die Queen anschauen, sagt Voelkel: Die trinke angeblich zwei Gläser davon am Tag. Trotzdem soll das Trendgetränk ein Genussmittel bleiben und darf nicht als Medizin verstanden werden, betont er.

Seine Manufaktur ist aus der privaten Hausbar entstanden. Weil ihm der Gin so gut mundet, saß Voelkel regelmäßig mit seinen Freunden bei sich zum Gin-Tasting zusammen. „Die haben mich immer wieder gefragt: Patrick, kannst du mir ‘nen Cocktail mixen?“, erzählt er. Seine Spezialität ist die Dekoration: Gurke, Rosmarin, eine Zitronenscheibe. Das Auge trinkt schließlich mit, findet der 50-Jährige.

Um seinen Longdrinks eine besondere Note zu verleihen, hat sich Voelkel aus einem 3D-Drucker Stanzen in Form einer Bulldogge anfertigen lassen. Damit modelliert er Gurkenstücke in Form seines Logos, mit denen er hin und wieder seine Flaschen befüllt. Die Bulldogge auf dem Etikett hat eine besondere Bedeutung. „Das ist eine witzige Geschichte“, beginnt er zu erzählen. Seine Schwester habe in Belgien ihren 50. Geburtstag gefeiert. Für die Dekoration stellte sie im Garten Figuren auf – unter anderem eine Bulldogge in Bordeauxrot. Mit diesem Abend verbindet Voelkel viel Spaß. „Wir haben das ganze Wochenende Gin getrunken“, erinnert er sich. So wurde die Bulldogge zu seinem Markenzeichen.

Stilvoll genießen an der Hausbar

Den Anstoß, einen eigenen Gin herzustellen, gab Voelkels Sohn. Der 26-jährige Student der Agrarwissenschaft schenkte seinem Vater zu Weihnachten einen Baukasten mit dem Hinweis: „Bau’ dir deinen eigenen Gin“. „Da hab’ ich mir gedacht: Warum eigentlich nicht?“, sagt Voelkel.

Der Weg zur ersten abgefüllten Flasche begann mit der Frage: Ist das Ganze umsetzbar? Voelkel fand schließlich einen Brennmeister aus dem Rhein-Main-Gebiet, dessen Name allerdings geheim bleiben soll. Mithilfe der Brennrechte der Firma und der Expertise seines neu gewonnenen Freundes feilte Voelkel an seinen Rezeptideen. Der Gin wird nach seiner Vorstellung hergestellt.

Heute ist Patrick Voelkel mächtig stolz auf seine sechs Sorten: „Botanicals“ mit Rosmarin, „Cucumber“ mit Gurke, „Citrus Lemon“ mit Zitrone, „Fine Pure Taste“ und „Pure Taste“. Je nach Saison der Früchte gibt es im Sommer „Fine Orange“ mit Saftorange, und „Blood Orange“ mit Blutorange im Winter. Heusenstammer können den Original Love Gin bei Toms Whisky & Spirits testen.

Infos zum Produkt und Preise gibt es auf brennraum.de

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