Neuer Tank für Kläranlage

Lieferung eines kleinen Riesen

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Gestern wurde der Riesenbehälter für die Phosphor-Elimination von einem Autokran eingeschwenkt.

Heusenstamm - Nicht alles, was schlecht für die Bieber ist, lässt sich so einfach aus dem Abwasser holen. Deshalb nutzt die Kläranlage die sogenannte Phosphor-Elimination. Für die wurde gestern ein Tank eingeschwenkt. Von Marcus Reinsch 

Klingt für den Ahnungslosen wie etwas, dem ein prominenter Platz in den fieseren Passagen des Strafgesetzbuches gebührt, ist bei genauerer Betrachtung aber genau das Gegenteil: Die sogenannte Phosphor-Elimination hilft der Bieber beim Leben und Überleben. Und das mit Blick auf den riesigen Tank, der dafür gestern am frühen Morgen bei der Heusenstammer Kläranlage angeliefert wurde, im ziemlich großen Maßstab. Die Lieferung hatte mehr als drei Metern Überbreite, brauchte deshalb eine Sondergenehmigung, kam trotz aller katastrophalen Nebenwirkungen der Weltkriegsbombensprengung an der nahen Autobahn vom Vorabend auf die Verkehrslage pünktlich in der Schlossstadt an und wurde auch gleich in Stellung gebracht - mit einem Autokran.

Zweck und Notwendigkeit der Anschaffung versteht, wer dem auch für den die Abwasserbehandlung zuständige Fachdienstleiter für Straßen- und Tiefbau im Rathaus lauscht. Phosphor im Abwasser, sagt er, das sei ein Problem, „das wollen wir nicht haben“. Denn Phosphor fördere das Pflanzenwachstum in der Bieber, in die die Kläranlage das geklärte Nass entlässt, was zu viel Flora und zu wenig Sauerstoff im Flüsschen bedeuten und zu einem Fischsterben führen könne. Also raus mit dem Phosphor, so viel wie möglich jedenfalls. Sein Wert in der Bieber soll weiter gesenkt werden. Einfach filtern wie ein fester Stoff lässt es sich allerdings nicht; es ist im Wasser gelöst und muss ausgetrickst werden. Das funktioniert mit chemischer Hilfe. In der Kläranlage werden Eisensalze ins Abwasser gegeben. Gehen die mit dem Phosphor eine Verbindung ein, wird letzteres unlöslich. Sprich: Statt wie ein Phantom durch die Siebe zu rauschen, bildet es kleine Flöckchen, die dann mechanisch zu greifen sind.

Schwertransport auf dem Weg zum FSV Mainz

Schwertransport auf dem Weg zum FSV Mainz

Der Behälter, der gestern ankam, ist Teil des Ausbaus dieser Phosphor-Elimination. In ihm kann die Kläranlage bis zu 30 Kubikmeter der Eisensalze lagern und in die Abwasserklärung geben. Das hat nicht nur den Vorteil, dass nicht ständig nachgefüllt werden muss, es gilt auch als finanzielle Entlastung. Denn wer die Salze in kleinen Portionen bestellt, zahlt dafür relativ viel Geld. Wer gleich eine große Menge vom Tankwagen liefern lässt, zahlt weniger. Einfach so lässt sich ein Vorratsbehälter dieser Dimension natürlich nicht integrieren. Das ganze Kläranlagen-Team hat viel Vorarbeit geleistet, hat die Leitungsverbindungen vorbereitet, Rohre verlegt, Steuereinrichtungen montiert, Betonfundamente gegossen. Das Fass an sich ist zwar kein Schwergewicht, weil nicht aus Beton oder Stahl, sondern aus säureresistentem Kunststoff. Aber mit Füllung wiegt er natürlich viel Tonnen.

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