Lockruf für Todesboten

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Die Deutsche Waldjugend wünscht sich Brutröhren, um Steinkauz-Paare anzusiedeln.

Heusenstamm ‐ Sie zeichnen sich durch unermüdliches Engagement aus: Zahlreiche Vereine haben sich bei der Aktion „Klingelnde Vereinskasse“ unserer Zeitung mit Holzland Becker beworben. In loser Folge stellen wir die zehn Finalisten vor. Heute: Deutsche Waldjugend. Von Barbara Hoven

Wenn Dietmar Tinat der Immobilien-Makler des Waldes ist, dann gehört der Steinkauz zu seinen anspruchsvollsten Kunden. Eine Drei-Röhren-Wohnung muss es für den Eulenvogel schon sein. Obwohl der nicht einmal so groß ist wie eine Amsel. Und die Sache mit der Nachbarschaft sollte auch geklärt sein, bevor Tinat seine Wunschkundschaft ins Patershäuser Feld in die Nähe des Naturschutzgebiets „Nachtweide“ locken kann. Das Problem: „Durch die Nähe des Hofgutes mit seinem verwinkelten Gemäuer fühlen sich hier leider auch Marder, die ärgsten Feinde des Steinkauzes, wohl“, erklärt der Naturfreund, der sich seit Jahrzehnten als Geschäftsführer, Betreuer und Forstpate bei der Deutschen Waldjugend Heusenstamm engagiert. Deshalb seien besonders geschützte, mardersichere Brutröhren nötig, um den Steinkauz anzusiedeln.

Wer das Projekt bei der Aktion „Klingelnde Vereinskasse“ unterstützen will, kann bis Freitag, 8. Oktober, auf www. holzlandbecker.de abstimmen.

Doch wie bei vielen Vorhaben der Waldjugend reicht für die Umsetzung nicht allein ehrenamtlicher Einsatz. Auch eine Menge Geld ist nötig. „Für die Ansiedlung von nur zwei Steinkauz-Pärchen sind sechs Röhren nötig“, erklärt Tinat. Jede kostet 300 Euro. Macht stolze 1800 Euro allein an Materialkosten. „Stehen aber keine drei Röhren pro Paar als Brutröhre, Speisekammer und Ausweichquartier zur Verfügung, ist eine Ansiedlung sehr unwahrscheinlich.“ Und das, obwohl das Areal rund um die „Nachtweide“ mit ihren Streuobstwiesen als Brut- und Jagdrevier für Steinkäuze bestens geeignet wäre.

Wenn die Drei-Röhren-Wohnungen fertig sind, will man mit Tonbandaufnahmen versuchen, Herr und Frau Steinkauz zum Einzug zu bewegen. Ab Ende Februar werden dann, so hofft Tinat, die klagenden Rufe des Tieres nahe Patershausen zu hören sein. Diese Warnrufe, die von abergläubischen Menschen früher oft als ein „Komm mit“ gedeutet wurden, waren es, die dem Steinkauz einst den üblen Ruf des Todesboten eingebracht hatten.

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