„Lückekinder“ in den Blick nehmen

Freie Wähler Heusenstamm wollen Jugendarbeit neu organisieren

Das Jugendzentrum an der Rembrücker Straße ist in die politische Diskussion geraten.
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Das Jugendzentrum an der Rembrücker Straße ist in die politische Diskussion geraten.

Ein Jugendzentrum (Juz) ist keine „Beschäftigungsanstalt“ mehr, sondern für Kinder und Jugendliche ein essenziell wichtiger Raum, den sie gestalten und in dem sie sich erproben können. Dies sagt die Fraktionsvorsitzende der Freien Wähler Heusenstamm (FWH) Sandra Horn, die selbst als Leiterin eines Jugendzentrums tätig ist. Sie äußert sich damit zum Thema Jugendarbeit in der Schlossstadt, das in den vergangenen Wochen in den Fokus gerückt ist.

Heusenstamm –Unter anderem hatte die FDP nach den Antworten des Magistrats auf eine Anfrage zu Alternativen für das bestehende Jugendzentrum an der Rembrücker Straße kritisiert, dass es „offenbar keine Linie und keinen Plan“ zu diesem Thema gebe. Wie berichtet, hat der Magistrat eine städtebauliche Entwicklung des Viertels am Feuerwehrkreisel vorgelegt, die eine Bebauung des Areals mit Wohnungen vorschlägt. Die FDP hatte zudem prüfen lassen wollen, ob die historische Schlossmühle als Juz genutzt werden könne.

Zudem hatte die SPD – zu dieser Zeit noch in einer Kooperation mit Grünen und Freien Wählern, aus der sich die FWH inzwischen verabschiedet hat – in der Folge verkündet, bei der Jugendarbeit in der Stadt neue Wege gehen zu wollen und diese erläutert. Dass jenes Konzept der Freien Wähler sehr gut sei, zeige sich auch darin, dass es die SPD im Wahlkampf bereits veröffentlicht und als eigene Ideen präsentiert habe, sagt Sandra Horn.

Die Fraktionsvorsitzende erläutert weiter: „Die Mitarbeiter des Juz leisten einen wichtigen Beitrag. Doch in einer Stadt, die immer jünger wird, muss man kreativer und dezentraler denken, neue Ideen einbringen sowie die Zusammenarbeit mit anderen in der Kinder- und Jugendarbeit Tätigen, wie etwa Vereinen und Kirchen, intensivieren. Auch muss man verstärkt Kinder unter 13 Jahren in den Blick nehmen, vor allem die „Lückekinder“, also jene, die zu alt für den Hort und zu jung für ein Jugendzentrum sind. Der bestehende Teenietag sollte ausgeweitet und das Juz dauerhaft auch für Kinder ab acht Jahren geöffnet werden.“

Um der Lebenswelt der Kinder und Jugendlichen Rechnung zu tragen, sei über dezentrale Standorte nachzudenken, meint Sandra Horn weiter. Der in der Zwischenzeit selbstverwaltete Jugendraum in Rembrücken sei dafür ein hervorragendes Beispiel.

Auch das Raumangebot und die historische Substanz der Schlossmühle sprechen gegen eine Nutzung als Juz. Dies hatten die Freidemokraten vorgeschlagen. Projekte wie ein Graffiti-Workshop könnten dort nicht verwirklicht werden ohne die historische Substanz anzugreifen. Horn: „Ein Jugendzentrum will und muss ge- beziehungsweise benutzt und nicht mit Samthandschuhen angefasst werden.“ Dennoch sehen die Freien Wähler auch den Bürgermeister und den Magistrat in der Pflicht, jetzt schnellstmöglich ein Nutzungskonzept für die Schlossmühle vorzulegen. Ein Antrag dazu stamme aus dem Jahr 2018 und sei bis heute nicht erledigt. Dies sei ein klares Versäumnis.

Auch der Vorwurf, dass keine Linie für das Juz vorhanden sei, könne so nicht stehen bleiben, betont Sandra Horn. Allein an dieser Äußerung merke man, dass versucht werde mit einem Thema Wahlkampf zu machen, zu dem Fachkompetenz fehle. Gute und tragfähige pädagogische Konzepte, die nicht nur die aktuelle Situation in den Blick nehmen, sondern auch für die nächsten Jahre zukunftsfähig seien, brauchten Zeit. Die Freien Wähler sehen dazu für die Zukunft größeren Handlungsbedarf, ergänzt deren Sprecher Matthias Fisch, und hätten sich daher entschieden, darauf einen Schwerpunkt ihrer Politik zu legen. (clb)

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