Suche mit feiner Nase

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Hündin Erna schnüffelt am Schal von Claudia Polzer. Nur am Geruch findet das Tier die Vermisste.

Heusenstamm - Rottweiler-Hündin Jeanney läuft aufgeregt auf dem Parkplatz neben dem Bahnhof hin und her. Gerade hat ihr Frauchen Monika Diener ein spezielles Geschirr umgelegt. Und deshalb weiß Jeanney ganz genau, was passieren wird: Sie darf auf Suche gehen. Von Claudia Bechthold

Mantrailing heißt diese Art der Suche nach vermissten Personen.

Dabei geht es weder um verschüttete oder etwa von einer Lawine mitgerissene Menschen. Die Hunde (nicht nur) der Gruppe Maintrailer Südhessen sind in der Lage, Menschen zu finden, die „irgendwie verschwunden“ sind. „Wenn zum Beispiel ein Demenzkranker aus einem Seniorenheim nicht mehr nach Hause findet, dann haben wir bis zu einer Woche später noch eine Chance, diese Person zu finden“, sagt Claudia Polzer, die „im normalen Leben“ in der Heusenstammer Stadtverwaltung arbeitet.

Gruppenfoto mit Hunden: Alle diese Vierbeiner werden als „Mantrailer“ - Spurensuchhunde trainiert.

Das Geheimnis dieser Art der Vermissten-Suche sind winzige Partikelchen, die jeder Mensch ständig hinterlässt. Diese schwirren dann überall dort durch die Luft, wo man gewesen ist. Und werden immer wieder aufgewirbelt. „Regen frischt diese Spuren sogar noch auf“, weiß Claudia Polzer. Die feinen Nasen der Hunde, die in der Lage sind, eine unglaublich große Zahl an Gerüchen zu unterscheiden, sind der zweite Teil des Geheimnisses. Denn auch diese Partikel riechen. Und jeder Mensch hat einen anderen Geruch.

Hündin Jeanney kann es nicht mehr abwarten

Hündin Jeanney kann es nicht mehr abwarten. Sie will endlich ihren Auftrag erhalten. Als Monika Diener alle Vorbereitungen getroffen hat, gibt sie einer Vereinskameradin ein Zeichen. Diese holt einen kleinen Plastikbeutel hervor. Darin liegt der Autoschlüssel von Katharina Kretz, die sich schon eine ganze Weile vorher verabschiedet hat, um sich irgendwo zu verstecken. Dann ist es so weit: Die kleine Tüte wird geöffnet, Jeanney steckt für nur eine Sekunde ihre Nase hinein und läuft los.

Quer über den Bahnhofsplatz zieht die kräftige Hündin ihr Frauchen. Monika Diener weiß ja, welchen Weg Katharina Kretz zuvor genommen hat. Dennoch lenkt sie Jeanney nicht, als diese zunächst in die Herrnstraße will statt in die Schulstraße. „Die Hunde suchen die Spur auch durch Ausschließen“, erläutert Monika Diener. Und tatsächlich, nach wenigen Metern dreht Jeanney wieder um und läuft in die Schulstraße, vorbei an der Adalbert-Stifter-Schule und schließlich in den schmalen Fußweg, der zur Frankfurter Straße führt. Dort bleibt die Hündin stehen, hält die Nase in die Luft und schlägt prompt die falsche Richtung ein.

Kurz darauf steht sie wedelnd vor dem „Opfer“

Aber schon nach kurzer Zeit hat sie die Spur, der sie offenbar gefolgt ist, verloren. Jeanney kehrt um und läuft nun in Richtung Torbau. Desto näher sie dem Gebäude kommt, desto unruhiger wird sie. Und sie zieht fester an der langen Leine, mit der Monika Diener sie hält. Dann hat die Hündin Katharina Kretz entdeckt. Mit freudigem Bellen begrüßt sie das „Opfer“, zumal sie weiß, jetzt gibt es eine Belohnung.

„Jeanney macht das seit sieben Jahren“, berichtet ihre Besitzerin, ist also gut ausgebildet. Erna hingegen, die zwei Jahre alte Mischlingshündin muss noch viel lernen. Diesmal versteckt sich Claudia Polzer. Aber sie geht nicht allzu weit weg. Denn Erna soll auch Erfolgserlebnisse haben. Carina Schuler hält ihrem Hund eine Plastiktüte mit einem Schal von Claudia Polzer hin. Und Erna schießt los. Kurz darauf steht sie wedelnd vor dem „Opfer“ und wartet auf Belohnung.

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