Adolf-Reichwein-Schule

Markt der Möglichkeiten: Schüler informieren sich über Berufe

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Junge Frauen der Firma Herth + Buss erläutern in der Pausenhalle der Adolf-Reichwein-Schule, welche Berufe man in ihrem Unternehmen lernen kann.

Heusenstamm - Mit vielen Infoständen und Vorträgen hat die Adolf-Reichwein-Schule (ARS) Schülern der Abschlussjahrgänge aus Haupt- und Realschule einen Überblick über mögliche berufliche Perspektiven präsentiert. Gekommen sind nicht nur die Schüler, sondern auch etliche Eltern. Von Jürgen Roß 

In der vollen Pausenhalle herrscht ein kleines Chaos. Vier Schuljahrgänge, Eltern, Lehrer und Vertreter weiterbildender Schulen sowie verschiedener Unternehmen waren gekommen, um sich über mögliche Perspektiven für Schüler der ARS auszutauschen. Schulleiter Matthias Lippert begrüßt seine Schützlinge und stellt nicht nur die Gäste aus den Unternehmen vor. Er findet auch wegweisende Worte, weil er schon seit Jahren die Erfahrung gesammelt gemacht hat, dass für viele mit dem Ende der Schulzeit nicht klar ist, wie es weitergehen soll: „Seht euch um, informiert euch, wie es nach der Schule weitergehen soll“, mahnt er.

Verschiedene Sparten sind vertreten. Neben der Agentur für Arbeit und der Berufswegebegleitung, die das ganze Schuljahr über den Schülern für Beratungsgespräche zur Verfügung stehen, sind auch Unternehmen wie Lidl, Herth + Buss oder die Firma Feintool gekommen. Frederike Faust und Judith Fischer vom Heusenstammer Familienunternehmen Herth + Buss stehen für die Fragen der Schüler bereit: „Viele Schüler kennen uns aus Betriebsbesichtigungen und Praktika. Aber heute geht es ja ganz konkret um die berufliche Zukunft.“ In drei verschiedenen Berufen können Absolventen dort eine Ausbildung beginnen und immer wieder sind auch Reichwein-Schüler dabei.

Die Veranstaltung organisiert hat Carsten Weinrich, der „OloV-Beauftragte“ der Schule. Hinter der Abkürzung verbirgt sich ein rätselhafter Begriff: „Optimierung lokaler Vermittlungsarbeit“. Weniger rätselhaft ist sein Tätigkeit: Zusammen mit Kollegen und Unternehmen sorgt er dafür, dass die Absolventen nach dem Abschluss nicht auf der Straße stehen: „Wir haben rund 40 Hauptschüler und etwas über 50 Realschüler, die in diesem Schuljahr unsere Schule verlassen werden“, sagt Weinrich. Ein Drittel werde eine Ausbildung beginnen, zwei Drittel auf eine weiterführende Schule wechseln.

Auch die weiterführenden Schulen sind mit Infoständen vertreten. Während bei den kaufmännischen Schulen das Interesse groß ist, verzeichnet Dieter Leweke von der August-Bebel-Schule ein eher verhaltenes Interesse: „Viele Schüler kommen erst kurz vor den Sommerferien“, berichtet er.

Wie werde ich...? Wasserschutzpolizist/in

Etwas unschlüssig stehen Achmed, Jeremy, Ismail, Mike und Thomas in der Pausenhalle. Die fünf Neuntklässler der Realschule haben gerade ein Praktikum hinter sich. In einem Autohaus, einer Auto-Lackiererei, bei Rolls Royce und am Flughafen konnten sie erste Berufserfahrung sammeln. Vier von ihnen können sich in diesen Berufsfeldern ihre persönliche Zukunft vorstellen. Nur Ismail hat weitere Pläne. Er möchte gerne Architekt werden, dazu muss er weiter die Schule besuchen.

Auch das Handwerk ist präsent. Frank Willkomm, Inhaber des Dachdeckerbetriebes Heinz Schneider, hat Lehrling Mike Kleeblatt mitgebracht. Das Interesse der Schüler an einer Lehrstelle im Handwerk ist sehr gering: „Bisher hat sich noch keiner bei uns informiert“, sagt Willkomm. Im Gegensatz zum Kfz-Mechatroniker ist ein handwerklicher Beruf für viele Jugendliche offenbar wenig attraktiv: „Früher hatte ich jedes Jahr 20 bis 30 Bewerbungen, mittlerweile sind es um die 10 Bewerber.“

Ilona, Valentina und Vanessa haben gerade einen Vortrag gehört. Die drei Hauptschülerinnen wollen in eine weiterführende Schule: „Wir brauchen noch ein bisschen Zeit zum Nachdenken.“ Die Berufswünsche sind eher vage. „Vielleicht zur Bundespolizei oder doch eher Einzelhandelskauffrau“, meint die eine, während eine andere lieber irgendwas im Krankenhaus machen möchte. Einen Infostand haben die drei nicht besucht.

Schulleiter Matthias Lippert bedauert, dass sich die Eltern häufig zu wenig für die berufliche Zukunft ihrer Kinder interessieren: „Als Schule helfen wir ja gerne bei der Berufswahl, aber die entscheidenden Impulse müssen aus der Familie kommen“, weiß er zu berichten.

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