Solo-Stück über ein Kunstwerk

Geheimnisse des Altars der Rembrücker Kirche

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Vermutlich Ende des 16. Jahrhunderts wurde der Rembrücker Altar geschaffen. Das Bild zeigt einen Ausschnitt des Kunstwerks.

Heusenstamm - Etwa zehn Jahre ist es her, dass Professor Elmar Götz den Rembrücker Altar in Mainz wiedergefunden hat. Bis dahin war er verschollen. Mit der wechselvollen Geschichte des kunsthistorischen Schatzes hat sich nun auch der Würzbürger Markus Grimm befasst. Von Claudia Bechthold 

Markus Grimm hat ein Solo-Stück dem Renaissance-Altar gewidmet, der einst in der Rembrücker Kirche stand.

Am Sonntag erzählt er allen Interessierten davon. Irgendetwas scheint Markus Grimm an Heusenstamm zu gefallen. Denn bereits zum dritten Mal stellt der Würzburger in der Schlossstadt eines seiner Werke vor. Zum zweiten Mal befasst er sich dabei mit einem Heusenstammer Thema. Nach dem Leben Balthasar Neumanns und dem Besuch von Kaiser Franz I. im Schönborn’schen Schloss hat sich Markus Grimm nun dem Rembrücker Altar gewidmet.

Seit 2011 hängt das Kunstwerk aus der Zeit der Renaissance im Haus der Stadtgeschichte. Besucher des kleinen Museums können den steinernen Altar dort bewundern. Die Geschichte der Bildhauer-Arbeit allerdings liegt weitgehend im Dunkeln. Nur wenige Fakten dazu sind bekannt. Und so mussten Professor Elmar Götz, Herbert Margraf und Vertreter der Stadt keine große Überzeugungsarbeit leisten, als sie Markus Grimm baten, ein Solo-Stück über das Kunstwerk zu schreiben.

Das Studium der Theologie hat der gebürtige Mannheimer mit Diplom und Promotion abgeschlossen. Zudem hat er einige Semester Psychologie studiert. Als Student kam der 50-Jährige erstmals mit dem Theater in Kontakt. Seitdem lässt ihn die Bühne nicht mehr los. Bekannt ist er vor allem für seine Solo-Auftritte, mit denen er selbst geschriebene Stücke zeigt.

Lokalhistorische Ereignisse interessieren Markus Grimm besonders. „Deshalb habe ich auch beim Rembrücker Altar irgendwann Blut geleckt“, berichtet er. Zumal er um die wenigen bekannten Daten gut eine Geschichte habe herumbauen können: „Ich wusste schnell, das gibt auch für das Fabulieren etwas her.“

Den Altar hat er allerdings schon 2014 zum ersten Mal gesehen, als er zur 250. Wiederkehr des Kaiserbesuchs in Heusenstamm war: „Da ist er mir auch schon aufgefallen.“

Das Faszinierende für ihn aber ist, dass man so wenig über das Kunstwerk weiß. Vermutlich Ende des 16. Jahrhunderts entstanden, ist weder bekannt, wer ihn schuf, noch, in wessen Auftrag dies geschah. Sicher ist, dass er von der Mitte des 18. Jahrhunderts bis 1925 in der kleinen Kirche Rembrückens stand. Wo er bis zu seinem Transport in den Mainzer Dom im Jahr 1936 war, liegt ebenfalls im Dunkeln. Bei einem Bombenangriff im Jahr 1942 wurde der Altar beschädigt. Danach wurde er eingelagert und geriet in Vergessenheit. Bis Elmar Götz das Werk, dass die Passion Christi eindrucksvoll zeigt, durch einen Zufall fand.

Den Bildhauer, der den Altar geschaffen hat, stellt Markus Grimm in den Mittelpunkt seines Stücks. Am Ende lässt er den Altar selbst erzählen. „Es ist ein Passionsaltar“, fügt er seinen Erläuterungen an, „vielleicht ist die Passion ja ein Teil seiner Geschichte“. „Der Altar hat gelitten, vielleicht hat es ja irgendwie seine Richtigkeit, dass er so geschunden ist?“ Und dann verrät er noch, dass auch Professor Götz in seinem Stück auftaucht.

Wer die Geschichte vom Rembrücker Altar von und mit Markus Grimm sehen möchte, hat nach der Erstaufführung am 6. Mai noch einmal eine Chance am Sonntag, 1. Juli, um 17 Uhr in der Kirche Mariä Opferung an der Hauptstraße in Rembrücken. Karten an der Abendkasse kosten 16 Euro.

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