Krokus als Frühlingsbote im Januar

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Zwischen Tannenzweigen schauen vorwitzig zwei Krokus-Blüten aus dem Blumenkasten am Bahnhof.

Heusenstamm - Die Vögel zwitschern fröhlich als sei es schon März oder April. Ein Marienkäfer kam dieser Tage durch das geöffnete Fenster geflogen. Die grünen Spitzen der Tulpen im Barockgarten des Schönborn’schen Schlosses schauen bereits aus der Erde in den Beeten. Von Claudia Bechthold

Auf dem Schlossweiher jagen sich die Enten über die Wasseroberfläche als neckten sie sich mit Nachlauf spielen. Und in einem der Blumenkästen am Bahnhofsrestaurant haben sich zwei gelbe Krokusblüten bereits in Richtung Sonne gestreckt.

Die milden Temperaturen gaukeln der Natur eine Art Frühlingsanfang vor. Und weder eine Tulpe noch eine Ente können wissen, dass noch nicht einmal Mitte Januar ist. Aber was geschieht mit den Pflanzen, wenn es nun, wie bereits angekündigt, wieder kälter, gar frostig wird? Der Klimawechsel macht sich schon bemerkbar, alles verschiebt sich ein wenig, meint Kurt Schäfer, Leiter des Forstamts Langen. Auch die Hasel blüht schon, ist ihm bei seinen Gängen durch Wald und Feld aufgefallen. „Aber damit muss die Natur leben“, fügt Schäfer hinzu.

Angst um Pflanzen und Tiere hat der Forstamtschef deshalb nicht. Auch Bedenken, der Temperaturwechsel könne Stress für die Pflanzen bedeuten, teilt er nicht: „Die Säfte in den Bäumen sind noch nicht gestiegen, da passiert nicht viel, wenn es jetzt wieder kalt werden sollte.“

Sicher, Blüten werden erfrieren, wenn das Quecksilber jetzt wieder unter die Null-Grad-Marke sinkt. Aber die Pflanzen könnten sich gut umstellen, wenn sich die Bedingungen ändern. Sollten allerdings zum Beispiel Obstbäume jetzt schon anfangen, Blüten zu treiben, könnte es für die Ernte bittere Folgen haben, denn wenn Blüten erfrieren, kann der Baum sie nicht ersetzen. „So ist nun mal die Natur“, sagt Schäfer. Und man erlebe das auch nicht zum ersten Mal in unseren Breiten.

Mildes Wetter nicht bedenklich für Tiere

Noch weniger bedenklich sei das derzeit so milde Wetter für die heimischen Tiere. „Die stellen sich ganz schnell wieder um, wenn es wieder kälter wird.“ Die Frühlingsgefühle der Tiere könnten sich genauso schnell wieder legen wie sie aufkommen.

Auch Axel Jahn, Landschaftsarchitekt und Mitarbeiter der Stadt Heusenstamm, weiß, dass sich die Natur allmählich verändert. Nicht nur zeitliche Verschiebungen seien Auswirkungen des allmählichen Klimawandels. „Auch die Vegetationsperiode insgesamt ist länger geworden.“ Die Natur folgt nur ihrem Schema. Wenn Temperaturen, Feuchtigkeit und Licht signalisieren, dass es angenehmer wird, dann fangen die Pflanzen eben an zu wachsen. Und Schäden an den Pflanzen bleiben dann nicht aus, wenn der Frost wieder kommt. Wobei die frühen Blumen wie der Krokus oder das Schneeglöckchen darauf eingestellt seien, dass es nochmal kälter werden könne. Problematischer sei das für Pflanzen, die in hiesigen Breiten eigentlich nicht heimisch seien.

Den Götterbaum oder Bitteresche nennt Axel Jahn als Beispiel für ein früher nicht heimisches Gewächs. Auch in Heusenstamm sei dieser Baum mittlerweile anzutreffen. Auch die Tatsache, dass diese Pflanze, die aus China stammt, in unseren Breiten gedeihen könne sei ein Zeichen dafür, dass sich die Natur inzwischen verändere.

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