Mitten ins freie Feld gebaut

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Der breite Mittelgang im Kirchenbau lenkt den Blick auf Altar und Kreuzigungsgruppe.

Heusenstamm ‐ Trotzig und massiv wirkt die Fassade der Kirche Maria Himmelskron. Der Autofahrer, der auf der Ringstraße an ihr vorüberfährt, kann sich ihrem Anblick kaum entziehen.  Von Herbert Margraf

Dem Fußgänger, der sich ihr langsam nähert, mag sie wie eine Burg vorkommen, in der man Schutz finden kann. Dazu tragen die Steine bei, aus denen die Vorderfront gebaut ist. Es sind Trachyt-Steine, ein Bruchstein aus dem ehemaligen Schönbornschen Steinbruch am Hohen Berg. Die große rundbogige Fensterfläche wirkt wie ein überdimensionales Tor, das Offenheit ausdrückt, das einlädt, Schutz und Geborgenheit zu suchen und zu finden.

Aus Trachyt, abgebaut im früheren Steinbruch am Hohen Berg, ist die Fassade der Kirche Maria Himmelskron errichtet.

Der Architekt Carl Müller aus Offenbach hat die Kirche 1954/55 geplant und den Bau geleitet. Er dürfte Gedanken der Romanik aufgegriffen haben, vielleicht inspiriert vom damaligen Pfarrer Richard Hofmeister. Vorbild für die Sakralbauten der frühen Kirche war das profane Modell der Basilika, der Audienz- und Gerichtshalle, in der vorne der Basileus, der Kaiser oder König oder sein Stellvertreter, saß. Zu ihm zogen die Menschen durch einen breiten Mittelgang hin, um ihre Anliegen vorzubringen.

Betritt man die Kirche Maria Himmelskron, so wird der Blick in ähnlicher Weise nach vorn gezogen zu einer historischen Kreuzigungsgruppe – Christus am Kreuz, Maria und Josef darunter  – an der Altarwand. Zu diesem Christus kann man durch den Mittelgang als Prozessionsweg ziehen, sein Anliegen oder Dank vorbringen.

Die Kreuzigungsgruppe, die 1709 von einem unbekannten Künstler aus Sandstein geschaffen worden ist, stand ursprünglich auf dem Friedhof, der die Kirche St. Cäcilia umgab. Wie es dazu kam, dass sie nun im Chor von Maria Himmelskron zu finden ist, kann in der Chronik der Pfarrei von 1959/60 nachgelesen werden: „Ein besonderes Geschenk der Pfarrei St. Cäcilia mit ihrem reichen historischen Hintergrund ist die Kreuzigungsgruppe über dem Hochaltar. Sie war Pfarrer Hofmeister während seiner Tätigkeit als Kaplan aufgefallen.“

Im November 1955 war der Rohbau fertig. Die Einweihung des Gotteshauses Maria Himmelskron erfolgte am 4. und 5. August 1956 durch Bischof Albert Stohr. Damals stand die Kirche mitten im Feld. Kein ausgebauter Weg und keine Straße führten zu ihr hin. Der Volksmund nannte sie deshalb „Maria im Felde“. In seiner Predigt zur Einweihung sagte Bischof Stohr: „Wo eine Kirche errichtet wird, werden die Menschen ihre Häuser bauen.“ Er sollte Recht behalten, wie man heute sieht.

Unter der Kreuzigungsgruppe steht der ehemalige Hochaltar. Er enthält Reliquien der Katakombenheiligen Auctus und Felicissimus. Im jetzigen Zelebrationsaltar, 1991/92 entworfen und aus Sandstein errichtet von Bildhauermeister Klaus Rolke aus Neckarsteinach, ruht eine Reliquie des seligen Adolf Kolping.

2005 wurde die Kirche renoviert. Dabei hat der Mainzer Künstler Eberhard Münch die Altarwand farblich gestaltet und die Kreuzigungsgruppe mit seinem Gemälde noch stärker hervorgehoben. Er sagt dazu: „Im Zentrum des Kreuzes verbinden senkrechte Farbbahnen, Boden und Decke, symbolisch Erde und Himmel, und zeigen uns einen Weg zu Christus und zu Gott. In Höhe des Tabernakels beginnen Farbschwünge sich nach oben zu formieren. Symbol irdischen Lebens, für einen Weg, den wir zu gehen haben - ein Wachsen und Reifen.“ Münch benutzt „Rot als ambivalente Farbe“, zum einen als warmrote Tönung, die Wärme, Liebe symbolisiere, aber auch als gesättigter kühlerer Farbton, der an das Martyrium von Jesus erinnere. Hoffnungsvolle Gelbtöne symbolisierten Osterlicht und Auferstehung.

Mainzer Künstler

gestaltete Wandbild über dem Altar

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