Überfall in Heusenstamm

Mordversuch aufgeklärt?

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Nicht nur die Bieberauen (unser Bild) hatten Beamte der Bereitschaftspolizei nach der Tat nach Spuren durchsucht.

Heusenstamm - Die Tat hat die Menschen in Heusenstamm erschüttert. Eine damals 70 Jahre alte Frau war am 12. Oktober 2012 in ihrer Wohnung von einem Unbekannten niedergeschlagen und so schwer verletzt worden, dass sie wochenlang im künstlichen Koma liegen musste. Von Claudia Bechthold

Jetzt wird in diesem Fall Anklage erhoben gegen einen 48 Jahre alten Mann aus Dietzenbach. Er soll der Frau „aus Gewinnsucht und um sich der Strafverfolgung zu entziehen (. . . ) mit einem unbekannten Gegenstand mindestens einmal auf den Kopf geschlagen haben, um sie zu töten“, heißt es in einer Mitteilung des Landgerichts Darmstadt, an dem der Prozess Ende November eröffnet wird. Bislang galt dieser Mordversuch – so bewertet es die Staatsanwaltschaft – als ungeklärt. Seitens der ermittelnden Staatsanwaltschaft war bislang nichts darüber bekannt gegeben worden, dass es einen Verdächtigen in diesem Fall gibt. Ein Haftbefehl gegen den Mann soll erst im September dieses Jahres ausgestellt und sofort außer Vollzug gesetzt worden sein.

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Zur Erinnerung: Es ist ein Freitagmittag im Oktober 2012. Die Seniorin, die wenige Tage zuvor 70 Jahre alt geworden ist, geht – gegen ihre Gewohnheit – an diesem Tag nicht zum Mittagessen außer Haus. Sie hält sich im Schlafzimmer ihrer Wohnung an der Bleichstraße auf, als ein Fremder über die geöffnete Balkontür in die Wohnung gelangt. Der Mann sucht nach Schmuck und Bargeld. Dann wird er von der alten Dame überrascht. Er schlägt die Frau nieder und flüchtet. Wenig später wird die Frau mit lebensgefährlichen Verletzungen gefunden. Laut Anklage hat sie ein Schädelhirntrauma, einen Bruch des linken Daumengelenks sowie Quetsch- und Risswunden erlitten.

Fahndung über „Aktenzeichen XY ungelöst“

Erst vier Tage später veröffentlicht die Polizei diesen Überfall. Es folgt eine groß angelegte Suchaktion. Etwa zur Tatzeit sollen Zeugen einen Mann gesehen haben, der in Richtung Pfortenstraße und Bieberauen lief. Beschrieben wird der Mann als etwa 1,75 bis 1,80 Meter groß, zirka 40 Jahre alt mit normaler Statur. Er soll eine beige-braune Hose, einen dunklen Pullover und eine dunkle Baseball-Kappe getragen haben. Und besonders auffällig: In der Hand habe er einen orangefarbenen Einsatz aus einem Werkzeugkoffer getragen. Aus diesen Angaben entsteht ein Handzettel, der rund um die Bleichstraße an Anwohner verteilt wird. Zudem rücken etwa 30 Beamte der Bereitschaftspolizei an, um die umliegenden Straßen sowie die Bieberauen nach Spuren zu untersuchen. Schließlich nutzt die Offenbacher Kripo die Chance, über die ZDF-Sendung „Aktenzeichen XY ungelöst“ nach dem Mann zu fahnden.

Ein Ergebnis indes gibt es nicht. Das Opfer kann zwar Wochen nach der Tat aus dem Koma geweckt werden, wirklich gesund wird die Seniorin nicht mehr. Wann die Ermittlungsbehörden auf die Spur des nun Angeklagten gekommen sind, war gestern nicht zu erfahren. Fest steht laut Anklage, dass der 48-Jährige „einige Wochen“ vor der Tat handwerkliche Tätigkeiten in der Wohnung beziehungsweise dem Balkon der Seniorin ausgeführt hat. Daher soll er von Geld und Schmuck gewusst, zudem ihre mittäglichen Gewohnheiten gekannt haben. Dies alles wird vermutlich im Prozess zur Sprache kommen. Das werde ein reiner „Indizienprozess“ schätzt ein Polizeibeamter. Ein Geständnis des Verdächtigen gebe es nicht, hieß es.

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