Loch im Geldbeutel und jede Menge Müll

Folgen der Corona-Pandemie machen Mühlheimer Anglern zu schaffen

Dieses Jahr nicht möglich: Das beliebte Backfischfest im Sommer kann diesmal nicht stattfinden. Das sorgt für ein schmerzhaftes Loch in der Vereinskasse. archivFoto: m
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Dieses Jahr nicht möglich: Das beliebte Backfischfest im Sommer kann diesmal nicht stattfinden. Das sorgt für ein schmerzhaftes Loch in der Vereinskasse. 

Eigentlich würden jetzt die Vorbereitungen fürs Backfischfest laufen, einem der größten geselligen Treffpunkte im Mühlheimer Sommer. 

Mühlheim – Doch die Veranstaltung des Angelsportvereins (ASV) auf dem Gelände am Rabenlohweg fällt im Einklang mit den Absagen anderer Vereine natürlich auch aus. Vorstandsmitglieder erläutern, was ein solcher Verzicht für die Existenz der Gemeinschaft bedeutet.

Im Vergleich zu anderen Gruppierungen waren die Angler privilegiert, gesteht Harald Schroth. „Wir konnten auch während der Beschränkungen unserem Hobby nachgehen“, sagt der Vorsitzende, mit großzügigem Abstand und Schutzmaßnahmen versteht sich. Jetzt können sich die Angehörigen auch wieder zum sonntäglichen Frühschoppen treffen, dort, wo in vier Wochen Forellen, Bratwurst und Pommes brutzeln sollten.

Mühlheim (Kreis Offenbach): Angler leiden unter der Corona-Krise

„Es ist unsere Haupteinnahmequelle“, stellt Hans Wiesner klar, der zweite Mann an der Vereinsspitze. Den zweitstärksten Gewinn generieren sie auf dem Weihnachtsmarkt, „und ob der stattfindet, steht noch in den Sternen“. Die laufenden Ausgaben bleiben, wie für jeden privaten Haushalt: Kosten für Strom und Wasser. Auf der Hälfte des rund 4000 Quadratmeter umfassenden Grundstücks liegt Rasen, der gemäht werden will. Obendrein mussten sämtliche Vermietungen des stattlichen Saals für dieses Jahr abgesagt werden.

Die fünf Seen fordern noch mehr Geld und Engagement. Zunächst fällt Pacht an für Grünen, Frankfurter, Neuen und Blauen See sowie für den größten, den Hansteinweiher. Dann müssen die 70 Aktiven der 100 ASVler Grünschnitt, Uferbefestigung und Reinigungsarbeiten erledigen. Weil durch die Pandemie viele Freizeitanlagen geschlossen waren, pilgerten in den vergangenen Wochen noch mehr Besucher als sonst in das Naherholungsgebiet – und hinterließen vor allem am gut zugänglichen Hansteinweiher viel Müll.

Schrodt und seine Kameraden sammeln Pizza-Kartons, Hamburger-Schachteln und Tüten in allen Formaten ein, belegt der Vorsitzende mit Fotos vom Morgen. Im vergangenen Jahr musste wiederholt die Feuerwehr zum Löschen anrücken. „Viele Leute schätzen die Natur nicht, die kommen mit der S-Bahn, schleppen Grill und Bierkisten an.“

Massenhaft Müll, Parkende Autos und fehlende Einnahmen erschweren den Anglern in Mühlheim das Geschäft

Wir haben schon ganze Wohnungseinrichtungen herausgezogen“, berichten die Ehrenamtlichen. Sie rücken morgens mit Fahrrädern und Müllsäcken an, um die Hinterlassenschaften wegzuräumen, „das ist eine Sisyphusarbeit“. Der ASV sitzt im Präventionsrat der Stadt, kennt das Gelände wie seine Westentasche. „Wir weisen bei Verstößen auf die Regeln im Gebiet hin, aber es ist zu weitläufig, lässt sich kaum kontrollieren“. Sie weisen Besucher immer wieder auf die Verbote hin, rufen bei fehlender Einsicht oder Gewalt die Polizei. Der Erfolg ist überschaubar.

Oft können die Angler kaum an die Seen gelangen, weil „alles zugeparkt ist – das macht keinen Spaß in dieser Jahreszeit“. Dabei eigne sich der Hansteinweiher auch für Senioren und Rollstuhlfahrern unter den Mitgliedern. Doch die Regeln für ein Landschaftsschutzgebiet besagen, „wir dürfen die Gewässer nicht einzäunen.“ Den fast drei Hektar großen See plagen zudem „innere Probleme“: Der starke Nährstoffeintrag durch die Blätter der Uferbepflanzung bilde eine dicke Schlammschicht. Der Boden müsse abgetragen werden, zumal der Weiher nach den vergangenen heißen Sommern viel Wasser verloren und einen „kritischen Punkt“ erreicht habe.

Corona-Krise in Mühlheim: Die Stadt steht hinter den Anglern - Es gibt Unterstützung

Doch die Mühlen der Unteren Naturschutzbehörde mahlen langsam, schildert Schrodt. Das Genehmigungsverfahren für eine Sanierung laufe seit zwei Jahren. „Die Stadt steht hinter uns, unterstützt uns massiv“, äußern sich die Angler dankbar, „zum Beispiel auch mit dem Aquamotec-Gerät.“ Die Belüftungsanlage wälzt das Wasser um, sorgt für stabile Werte von Sauerstoff, Nitrat und Nitrit. „Sie zieht Wasser vom Grund hoch, das führt auch zu einem geringfügigen Schlammabbau.“

„Was da schwimmt, ist unser Kapital, wir waren gezwungen zu handeln“, erklärt der Sprecher die Bedrohung des Fischbestands, den Griff auf die Rücklagen des Vereins und die privaten Spenden. Jetzt können die regelmäßigen Messungen über Messbojen von den Gewässerwarten archiviert werden.

VON MICHAEL PROCHNOW

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