Thema: Pädagogik des Namensgebers

Musical des Adolf-Reichwein-Gymnasiums

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Um Adolf Reichwein dreht sich das Musikspiel, das Schüler des Gymnasiums selbst erarbeitet und nun aufgeführt haben.

Heusenstamm - 50 Jahre alt wird, ein Jahr nach der Adolf-Reichwein-Schule, in diesem Jahr das direkt gegenüber liegende Gymnasium gleichen Namens. Und das wird gefeiert. Im Vordergrund stehen dabei Projekte von Schülern. Wie das Musical, das jetzt aufgeführt wurde. Von Anna Scholze 

Weit breiten einige Schüler des Adolf-Reichwein-Gymnasiums (ARG) ihre Arme aus und lassen sie zur Melodie von „Die Gedanken sind frei“ wie Flügel auf und nieder schlagen. Sie bringen auch in den nächsten Bildern die Botschaft des Volksliedes auf der Bühne der TSV-Halle eindrucksvoll zum Tragen.
Die Szenerie des Stücks „Einfach frei sein?!“ ändert sich jedoch schon kurz darauf, unter unheilvoller Musik entsteht ein Klassenzimmer. In Reih’ und Glied an Schulbänken sitzend, gibt die Musiktheater-AG des ARG ihrem Publikum einen Eindruck davon, in welche Zeit Adolf Reichwein, der Namensgeber ihrer Schule, hineingeboren ist.

„Zeigt her eure Finger“, ertönt es in dem fiktiven Raum und die Schüler in Matrosen-Kleidchen strecken brav ihre Hände vor. Während ihres Ganges durch die Reihen entdeckt die gestrenge Lehrerin ein Mädchen mit schmutzigen Fingernägeln. „Dafür fünf Schläge“, droht sie und nimmt den Rohrstock zur Hand.

Dem Credo der Sparsamkeit und der Disziplin in der Volksschule des Kaiserreiches stellen die jungen Laienschauspieler die Pädagogik gegenwärtiger Bildungsstätten gegenüber. Jeweils zwei Schüler erklären, dass die Lehre des Nationalstolzes etwa der Vermittlung von Werten, wie Respekt, gewichen ist. Auch bei anderen Abschnitten der Schulproduktion, die im Rahmen der Feierlichkeiten zum 50. Geburtstag der Bildungsinstitution aufgeführt wird, ist zu erkennen, dass die Gymnasiasten sich eingebracht haben. „Die Kinder haben die Texte und Spielideen auf Grundlage des Lebens von Adolf Reichwein entwickelt“, erläutert Werner Fürst. Auf diese Weise sei das Textbuch sukzessive gewachsen, berichtet der Musiklehrer weiter. Die Musik des Stückes, die vom Streicher-Ensemble „Young Strings“ und der Band des ARG während der Veranstaltung gespielt wird, basiert gleichermaßen auf den Ideen der Jugendlichen. Die Mädchen und Jungen haben sich dabei auf Reichweins Pädagogik und seine Freiheitsliebe konzentriert.

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So ist während des Stückes etwa der Schwimmunterricht zu sehen, den der Lehrer des 20. Jahrhunderts seiner Klasse im brandenburgischen Land erteilt hat. Untermalt wird die Szene von Achtklässler Clemens Albus, der mit seiner tiefen Stimme die Halle gänzlich ausfüllt. Mittels der gesungenen Worte macht Albus, wie es vermutlich auch Adolf Reichwein getan hätte, den fiktiven Schülern Mut, dem Wasser und sich selbst zu vertrauen. „Reichwein hat seine Schützlinge vor Probleme gestellt“, kommentiert Fürst das Gesehene. Nach einer Lösung mussten sie allerdings selbst suchen, wie der Leiter der „Young Strings“ hinzufügt.

Gegen Ende der Inszenierung erfahren die Zuschauer dann, was für die Jugendlichen und ihre Lehrer frei sein bedeutet. „Freiheit heißt, ich muss nicht spülen“, singen die Mitglieder der Musiktheater-AG. Wenig später werden sie jedoch von einer der Figuren dazu angehalten, darüber nachzudenken, was Freiheit heute wirklich bedeutet. „Wir dürfen frei unsere Meinung äußern“, reflektiert eine der Schülerinnen auf der Bühne.

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