Stadt kündigt dem bisherigen Pächter

Nach 26 Jahren: Aus für die Schlossschenke

+
Früh am Morgen ist der Biergarten der Schlossschenke noch leer, erst um 12 Uhr öffnet das Lokal. Wie es dort künftig aussehen wird, weiß aktuell noch niemand.

Heusenstamm - Ende des Jahres schließt die Schlossschenke vorläufig ihre Pforten. Der Magistrat hat den Pachtvertrag des bisherigen Betreibers gekündigt und will einen Nachfolger suchen. Die ungewisse Zukunft des Lokals erhitzt die Gemüter. Von Lena Jochum 

Hochzeiten, Geburtstage, ein nettes Abendessen im Schlossinnenhof – viele Heusenstammer zieht es zu unterschiedlichen Anlässen in die Schlossschenke. Seit 1992 betreibt Thomas Engel die Gaststätte. „Im kommenden April wären es 27 Jahre“, sagt er. Vorher aber muss der Gastronom jetzt seine Sachen packen und aus dem Schloss ausziehen. Der Magistrat der Stadt hat den Pachtvertrag gekündigt, am 31. Dezember öffnet Engel für seine Gäste zum letzten Mal die Pforten. Für ihn kam die Kündigung überraschend. „Es war etwa Anfang Juni, als mich das Schreiben des Magistrats erreiche“, erinnert sich der Wirt.

Davor habe er seit einiger Zeit mit Stadt und Bürgermeister im Gespräch gestanden. Der Grund: Auf lange Sicht plante Thomas Engel, beruflich kürzerzutreten. Aus privaten und auch gesundheitlichen Gründen. „Ich werde 69 Jahre alt.“ Dass er nicht ewig würde in der Schlossschenke stehen können, sei klar. Doch dass er sein Geschäft nun bereits Ende des Jahres aufgeben muss, hatte sich Engel so nicht vorgestellt. Gemeinsam mit einem Makler hatte er nach möglichen Nachfolgern gesucht, die seine Verpflichtungen gegenüber Kunden und Lieferanten übernommen hätten. Zwei potenzielle Kandidaten stellte er Bürgermeister Öztas vor. In dem Kündigungsschreiben teilte man ihm dann mit, dass beide nicht in Frage kämen. „Die wollten auch Personal und Inventar übernehmen“, sagt Thomas Engel. Das aber habe die Stadt ihm anscheinend verwehren wollen. Für Engel ein finanzieller Verlust, mit der Ablösesumme hat er für seine Rente fest gerechnet. Er ärgert sich über das Vorgehen der Stadt, fühlt sich ungerecht behandelt.

Bürgermeister Halil Öztas sieht dafür keinen Grund. Der Pachtvertrag mit Thomas Engel sei auf unbestimmte Zeit abgeschlossen worden, für Stadt habe ein Kündigungsrecht bestanden, erläutert Öztas. „Von dem mussten wir Gebrauch machen.“ Es hätten Kündigungsgründe vorgelegen, aufgrund derer die Stadt keine andere Lösung gesehen habe. „Aus Kulanz haben wir Herrn Engel bis zum Ende des Jahres Zeit gegeben.“ Dass die Schließung des Lokals nun tatsächlich feststeht, stößt bei vielen Heusenstammern auf Unverständnis. „Als Herr Engel mir bei meinem letzten Besuch erzählte, dass er zum 31. Dezember schließt, hat mich der Schlag getroffen“, berichtet Peter Philipp-Biebl. Er ist regelmäßig Gast in der Schlosschenke und befürchtet wie einige andere, dass die Stadt künftig ganz auf eine gastronomische Einrichtung verzichten will. „Die endgültige Schließung wäre ein Qualitätsverlust für Heusenstamm“, findet Philipp-Biebl.

Bilder: White Dinner in Heusenstamm

Um sich dafür einzusetzen, dass auch künftig im Schloss gespeist und getrunken werden kann, wandte er sich selbst an den Rathauschef, rief seine Nachbarn zur Unterstützung auf. All die Aufregung kann Öztas nur bedingt nachvollziehen: „Es hat viele Gerüchte gegeben.“ Definitiv sei es nicht die Absicht des Magistrats, die Gastronomie aus dem Schloss-Rathaus zu verdrängen. Im Gegenteil. „Das ist eine Aufwertung für die Stadt, für das Schloss“, sagt Öztas. Die von Thomas Engel vorgeschlagenen Nachfolger seien aber nicht akzeptabel gewesen. Der Magistrat sei nun selbst auf der Suche nach einem künftigen Pächter. Gewünscht sind ein neues Konzept und längere Öffnungszeiten als bisher. Einige Interessenten gibt es bereits, heißt es aus dem Rathaus. „Nach einigen Arbeiten, soll es im neuen Jahr schnell wieder weiter gehen“, versichert der Bürgermeister.

Zumindest Peter Philipp-Biebl und seine Unterstützer sollte das beruhigen. Für Thomas Engel bleibt die Situation unbefriedigend, zur Schlichtung hat er einen Anwalt eingeschaltet. Dass er ab Januar nicht mehr hinter dem Tresen steht, ist sicher. Wie es stattdessen in der Schlossschenke weitergeht, darüber will der Magistrat bald entscheiden.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare