Christen feiern gemeinsam Weltgebetstag

Nächstenliebe heißt „Ubuntu“

Markiert mit bunten Schals tragen die Sprecherinnen die von Frauen aus Simbabwe geschriebenen Texte vor. Foto: Schmedemann

Ubuntu. Das bedeutet etwa „Menschlichkeit“ oder „Nächstenliebe“, beschreibt aber auch eine Lebensphilosophie.

Heusenstamm – Dieses Wort stammt aus den Bantusprachen, die in den mittleren und südlichen Gebieten Afrikas gesprochen werden. Somit auch in Simbabwe. Aus diesem Land stammen die Frauen, die in diesem Jahr die Liturgie für den Weltgebetstag zusammengestellt haben. Jährlich wird in rund 120 Ländern gemeinsam gebetet.

Für die Interpretation des Weltgebetstages haben sich 13 Frauen der Heusenstammer Ökumene zusammengetan. Im Wechsel findet der Gottesdienst in den Kirchen Maria Himmelskron, St. Cäcilia und der Gustav-Adolf-Kirche statt. Für die diesjährige Organisation in St. Cäcilia ist Mechthild Schreiner verantwortlich. Zusammen mit der Gruppe hat sie das vom Weltgebetstags-Komitee bereitgestellte Material aufgearbeitet und interpretiert. „Wir haben manche Textstellen, die wir etwas sperrig fanden, etwas angepasst“, berichtet sie. Andere Passagen wiederum haben die Frauen um eigene Erfahrungen bereichert.

Schreiner, die selbst schon in Afrika war, weiß, wie es um die Lebensumstände dort bestellt ist. So gibt es in Simbabwe kein Lohnsystem, das mit dem in Deutschland vergleichbar ist. „Viel mehr bieten Menschen ihre Dienstleistungen an“, erzählt sie. Es sei ein Geben und Nehmen in der Gesellschaft, man helfe sich anders aus, auf anderer Ebene – Ubuntu eben.

Davon erzählen auch die Frauen in ihren Briefen, die im begleitenden Heft abgedruckt sind. Die einzelnen Sprecherinnen in St. Cäcilia, die die Texte der simbabwischen Frauen vortragen, sind durch farbige Schals markiert. Namen stehen in diesem Jahr nicht dabei. Teile der Texte mussten die Simbabwerinnen sogar ihrer Regierung vorlegen, bevor ihre Worte zum Weltgebetstag über den Globus wandern durften. Das lässt schon erahnen, welche Lebensumstände in dem südafrikanischen Land herrschen. Auch in den Dialogen, die die Organisatorinnen nicht nur einfach vorlesen, sondern in Rollenspielen den Texten Lebendigkeit geben. Vor etwa einem Jahr erreichte die simbabwische Wirtschaft einen Tiefpunkt, und auch die Gleichberechtigung von Mann und Frau ist gerade in den ländlicheren Gebieten noch lange nicht erreicht. Eine Sprecherin sagt: „Gemeinsam sind wir auf dem Weg der Gerechtigkeit und gemeinsam stehen wir vor Gott.“ Diese Aussage beinhaltet auch den diesjährigen Leitspruch des Weltgebettages: „Steh auf und geh!“ Bei dem gleichnamigen Lied, das Canto Corale vortragen, tun die Besucher genau das und erheben sich von den Kirchenbänken. Bewegung gibt es bei diesem Gottesdienst auch bei der Kollekte. Schreiner erläutert: „In Afrika gibt es üblicherweise viel mehr Tanz in den Gottesdiensten.“ Auch das Einsammeln der Gaben sei fast eine eigene Zeremonie. So geht die Kollekte nicht durch die Reihen, sondern die Reihen bewegen sich zur Kollekte. Manche grinsend, andere tanzend.

Die nächste Gastgeberin wird Heike Graf von der evangelischen Gemeinde sein. Das symbolische Entzünden einer Kerze besiegelt das, was schon feststeht. Im Anschluss wartet noch ein großes Büffet mit simbabwischen Spezialitäten auf die Gottesdienstbesucher. Hackbällchen in Soße, verschiedene Salate und Brotaufstriche. „Da haben wir noch ein paar Stunden zusammen in der Küche verbracht“, berichtet Schreiner schmunzelnd.

VON LISA SCHMEDEMANN

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