Nebel in 8000 Lichtjahren Entfernung

Energieversorgung Offenbach ermöglicht Kauf einer Spezialkamera

+
Ein Blick durchs Teleskop: EVO-Technikvorstand Günther Weiß (links) und Sternfreund Hans-Joachim Koppert.

Ein kleiner, leuchtend roter Kasten hängt seit kurzer Zeit am großen Teleskop in der Sternwarte des Adolf-Reichwein-Gymnasiums (ARG).

Heusenstamm – Es ist eine ganz spezielle Kamera, mit der Aufnahmen von weit entfernten Kometen, Sternhaufen oder galaktischen Nebeln gemacht werden können, die mit dem Auge auch durchs Teleskop nicht zu sehen sind.

Die astronomische Kamera sowie ein Fernsehgerät konnten sich die Sternfreunde Kreis Offenbach, die die Sternwarte des ARG seit vielen Jahren betreuen, jetzt dank der Energieversorgung Offenbach (EVO) AG anschaffen. Der Verein hatte sich beim Sponsoring-Wettbewerb der EVO beworben und zählt zu den Gewinnern. Insgesamt vergibt das Unternehmen auf diese Weise jährlich 20 000 Euro an Vereine und Initiativen in Stadt und Kreis Offenbach.

Die Kamera nehme durch das Teleskop alle 30 Sekunden das anvisierte Objekt auf, erläutert Hans-Joachim Koppert, Vorsitzender der Sternfreunde. Diese Fotos legt ein Computerprogramm nach und nach übereinander, sodass ein immer schärferes Bild entstehe. Dazu kommt, dass der Chip der Kamera gekühlt werden kann „Das Rauschen auf den Fotos hängt auch von der Temperatur ab“, sagt der Meteorologe und Hobby-Astronom. Diese Kamera laufe mit minus 15 Grad Celsius.

Heusenstamm: Bilder für die Besucher der Sternwarte

Aufmerksamer Zuhörer ist EVO-Technik-Vorstand Günther Weiß. Auf Einladung der Sternfreunde schaut er sich die Errungenschaften unter der fahrbahren Kuppel am ARG an und darf natürlich auch selbst einen Blick in den Himmel wagen, der an diesem Abend zum Glück vergleichsweise klar ist. Weiß ist beeindruckt von der Arbeit des mit knapp 30 Mitgliedern eher kleinen Vereins. Dieser eröffnet regelmäßig Jugendlichen der Schule, aber auch Bürgern die Möglichkeit, mehr über das Weltall, den Mond, andere Planeten und die Sonne zu erfahren sowie diese anzuschauen.

Ein galaktischer Nebel wie jener, der wegen seiner Form den Weihnachtsbaum zum Namensgeber hat, sei eine große Menge ionisierten Wasserstoffs, erfahren die Zuhörer aus Offenbach. Jener auf dem Foto sei 8000 Lichtjahre entfernt und etwa 80 Lichtjahre groß. Zum Vergleich: Der Mond ist laut Wikipedia etwa 1,28 Lichtsekunden von der Erde entfernt, die Sonne 8,28 Lichtminuten.

Die Bilder, die die Kamera künftig macht, sollen vor allem den Besuchern der Sternwarte gezeigt werden. Denn sie werden live auf das Fernsehgerät übertragen, bereits vom Computer zusammengerechnet. Und so wird auch die Aufnahme vom Weihnachtsbaumnebel an diesem Abend nach und nach schärfer. Das anfängliche Rauschen im Bild lässt deutlich nach.

Heusenstamm: Eine langjährige Partnerschaft

Hans-Joachim Koppert nutzt die Gelegenheit im Gespräch mit Günther Weiß aber auch, um auf ein Problem aufmerksam zu machen: „Die Lichtverschmutzung ist für uns ein Riesenproblem.“ So werde oft die falsche Stelle beleuchtet, wie bei Straßenlaternen zum Beispiel, die mehr die Hauswände als Fußwege und Fahrbahnen aufhellten. Und beim zunehmenden Umstieg auf LED-Lampen solle man auf die Nutzung warmweißer Birnen achten, da das helle kühle Weiß den Tag- und Nachtrhythmus von Lebewesen stören könne. Koppert lobt in diesem Zusammenhang die Beleuchtung des Heusenstammer Schlosses, die das Gebäude mit Lichtbändern indirekt anstrahlt.

Die Sternfreunde Kreis Offenbach pflegen seit 1997 die Partnerschaft mit dem ARG und betreiben die Sternwarte. Je nach Ereignis, aber meist einmal im Monat, bieten sie Vorträge zu astronomischen Themen und die Möglichkeit, selbst einen Blick durch das Teleskop werfen zu dürfen.

VON CLAUDIA BECHTHOLD

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare