Neumann, der Zauberer

Heusenstamm - Sie lassen ihn nicht aus den Augen. Gespannt und voller Erstaunen verfolgen die Zuschauer jeden Schritt, jede Geste von Markus Grimm. Der Würzburger Schauspieler und Autor hat das Publikum in der Kirche St. Cäcilia in seinen Bann gezogen. Von Claudia Bechthold

Zum Tag des offenen Denkmals tritt er dort auf. Er erzählt - darstellend - die Lebensgeschichte des großen Barockbaumeisters Balthasar Neumann. So spannend, dass die Menschen in der fast ausverkauften Kirche am Ende kaum von ihm lassen möchten.

Herbert Löw, ein Heusenstammer, der bei Würzburg lebt, hat Markus Grimm – unter anderem promovierter Theologe – auf Wunsch des Fördervereins Balthasar Neumann nach Heusenstamm geholt. Und passend zum Denkmalstag gab es kaum einen besseren Ort für diesen Auftritt als dieses, wie es Herbert Margraf vom Förderverein formulierte, Kleinod barocker Architektur, das eben jener Balthasar Neumann gemeinsam mit Christian Scheffler, Johann Wolfgang von Auwera und Anton Herrmann geschaffen hat.

Grimm hat Neumanns Leben recherchiert und ein Buch geschrieben

Markus Grimms Buch „Balthasar Neumann“ ist im Echter Verlag erschienen.

Markus Grimm erzählt und spielt zugleich. Er hält keinen Monolog, sondern spricht auch die Dialoge, mit leicht veränderter Stimme, um die handelnden Personen erkennbar zu machen.

Es ist sein eigenes Buch, das er da lebendig werden lässt. Er hat Balthasar Neumanns Leben recherchiert und niedergeschrieben. Den „Architekten der Ewigkeit“ nennt er den Baumeister, dessen Leben und Wirken, das wird dem Zuschauer schnell deutlich, untrennbar verbunden ist mit der gräflichen Familie der Schönborns.

Als gelernter Glocken- und Metallgießer kommt Balthasar Neumann nach Würzburg, erfährt der Zuschauer. Dort wird er Büchsenmeister, Ernst- und Lustfeuerwerker und tritt schließlich 1712 ins Militär ein, um Ingenieur werden zu können. Denn nur Militärs steht dieser Beruf offen. Schon1719 macht ihn der neue Fürstbischof Johann Philipp Franz von Schönborn zum Baudirektor und erteilt ihm den Auftrag, eine Residenz für den Bischof in Würzburg zu bauen.

Grimm erzählt die Lebensgeschichte als Gespräch zweier Männer über Balthasar Neumann. Den einen, Franz Anton Rohrer aus Rastatt, gab es wirklich. Den anderen, Weinhaus-Wirt Retz, hat Markus Grimm erfunden. Und immer wieder fügt er Gespräche ein, die Neumann mit seinen Auftraggebern oder auch seiner Frau Eva geführt haben mag.

Geniale Ideen und Lösungen

So lebendig wird das Leben des Erbauers so vieler Kirchen und auch Profanbauten, dass man den Zauberer der Architektur in Markus Grimm zu sehen meint. Und gerade die „Zaubereien“ Balthasar Neumanns sind es, die Grimm den Zuschauern schildert. Denn vor allem dann, wenn etwas misslungen schien, hat Baumeister Neumann die Bauwerke mit genialen Ideen und Lösungen zu retten vermocht.

So etwa die Wallfahrtskirche Vierzehnheiligen, die entgegen der Planung um einige Meter nach Osten verrückt errichtet wurde. Neumann entdeckte diesen Fehler, durch den der Ort der Erscheinung, die ein Schäfer im 15. Jahrhundert hatte, nicht mehr im Mittelpunkt, sondern an der Seite des Kirchenschiffes gelegen hätte. Neumann rettete dies, in dem er den Grundriss der im Bau befindlichen Kirche völlig neu gestaltete, drei ovale Bauteile entstehen ließ statt der bis dahin üblichen Vierung. Diese Genialität lobten die Menschen im 18. Jahrhundert als Zauberei.

Rubriklistenbild: © Carsten Nadale/pixelio

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