Gar nicht erst zum Opfer werden

Andrea Filsinger, Carsten Weirich, Jana, André Csukas, Dominik und Christine Kirschner-Grotemeyer (von links) mit Schildern, die sie als PiT-Teilnehmer ausweisen.

Heusenstamm - Früher hätte sie vermutlich mit einer frechen Antwort reagiert, wenn sie von einem anderen „blöd angemacht“ worden wäre. „Und dann hätte ich vielleicht sogar eine gewischt bekommen.“ Heute würde die 13 Jahre alte Jana sofort einen Erwachsenen ansprechen und um Hilfe bitten. Von Claudia Bechthold

Dieses Verhalten hat die Realschülerin der Adolf-Reichwein-Schule (ARS) gemeinsam mit ihren Klassenkameradinnen und -kameraden im Projekt „PiT-Hessen“ gelernt.

PiT steht für „Prävention im Team“ und ist ein Programm des Landes. Jeweils in den siebten Schuljahren kann es angeboten werden, die ARS hatte sich im laufenden Schuljahr erstmals um die Teilnahme beworben. Zum Team zählten neben den beiden Lehrern Christine Kirschner-Grotemeyer und Carsten Weirich die Leiterin der städtischen Jugendförderung, Andrea Filsinger, und Polizeikommissar André Csukas. Gemeinsam haben sie mit einer siebten Hauptschul- und einer siebten Realschulklasse jeweils fünf Tage verbracht, um zu lernen, wie man gar nicht erst in Situationen gerät, in denen es zu Übergriffen kommen könnte. Aber es ging auch darum, wie man sich am besten verhält, wenn doch mal Gewalt droht.

Wenn man zum Beispiel in der S-Bahn angequatscht wird, dann reagiert man am besten gar nicht“, schildert der 13-jährige Dominik, was er bei PiT gelernt hat. Sollte derjenige, der versucht, ihn zu provozieren, nicht aufhören, „dann gehe ich in ein anderes Abteil“. Und wenn ihm der Provokateur folgt? „Dann spreche ich einen Erwachsenen an und bitte ihn um Hilfe“, sagt der Realschüler.

In Rollenspielen haben die Schülerinnen und Schüler gelernt, wie man brenzlige Situationen vermeiden kann. Dazu hatten die vier Anleiter gemeinsam an einer Fortbildung teilgenommen, bei der sie jene Rollenspiele zunächst selbst gespielt haben. Dabei sei es stets darum gegangen, wie man sich als Opfer verhalte oder gar nicht erst zum Opfer werde. In einem weiteren Schritt, erläutert Andrea Filsinger, sei es dann auch um das richtige Verhalten gegangen, wenn man als Dritter zu einer Situation dazu kommt, in der es zu Gewalttätigkeiten kommen könnte.

ARS-Schulleiter Matthias Lippert freut sich, dass PiT an seiner Schule gut angekommen ist. „Wir werden es auch im nächsten Schuljahr in zwei siebten Klassen anbieten“, verspricht er. Ob das Projekt auch das Verhalten in der Klasse selbst verändert hat? „Ja“, sagt Jana. Im Spaß angezettelte Kappeleien, wie früher immer mal wieder üblich, gebe es inzwischen nicht mehr.

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