Nicht ganze Generation verlieren

Senioren-Union-Vorsitzende Elisabeth Ball will Förderung bei Digitalisierung

Der Kreisvorstand der Senioren-Union unmittelbar nach der Neuwahl im Februar dieses Jahres. Als Vorsitzende wiedergewählt wurde Elisabeth Ball (Vierte von rechts).
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Der Kreisvorstand der Senioren-Union unmittelbar nach der Neuwahl im Februar dieses Jahres. Als Vorsitzende wiedergewählt wurde Elisabeth Ball (Vierte von rechts).

SPD 60 plus, Liberale Senioren, Grüne Alte: Eigene Organisationen für ältere Menschen haben mittlerweile fast alle deutschen Parteien. Keine ist allerdings so präsent wie jene der CDU. Seit mehr als 30 Jahren gibt es auch im Kreis Offenbach eine Senioren-Union. Mit knapp 600 Mitgliedern ist sie Hessens größter Kreisverband.

Heusenstamm –Es geht um die Interessen älterer Menschen, aber auch darum, jenen ein Heim zu bieten, die nach dem Wechsel in den Ruhestand ihr Wissen und Können noch nutzen und weitergeben möchten. So formuliert Elisabeth Ball die wichtigen Ziele der Senioren-Union. Seit 2016 ist die Heusenstammerin Vorsitzende des Kreisverbands Offenbach-Land. Politische Themen haben in der Senioren-Union immer wieder eine große Bedeutung, „die Mitglieder sind ja ohnehin Menschen, die an Politik interessiert sind“. Aber auch gesellschaftliche Veranstaltungen zählen zum Angebot der Organisation.

Viele Senioren, die sich kein Computer, Smartphone oder Tablet leisten können

So unternimmt der Schlossstädter Stadtverband, den Norbert Oberkötter seit vielen Jahren leitet, immer wieder Reisen – zumindest außerhalb der Zeiten mit Corona. Besichtigungen, die einen politischen Bezug haben, stehen dabei meist im Mittelpunkt. Tagesausflüge stehen dabei ebenso auf dem Programm wie längere Fahrten. Vorträge zu politischen Themen werden angeboten, aber auch medizinische Informationen spielen eine Rolle. Außerdem gibt es regelmäßige Treffen. In Heusenstamm ist es ein gemeinsames Frühstück, im Obertshausener Stadtverband ein Kaffeekränzchen.

„Wir müssen zum Beispiel aufpassen, dass wir durch die digitalen Medien nicht eine ganze Generation verlieren“, antwortet Elisabeth Ball, wenn man sie nach wichtigen Themen auf der Agenda der Senioren-Union fragt. Sicher gebe es viele ältere Menschen, die durch ihren Beruf schon fit seien im Umgang mit den neuen Medien. „Aber es gibt eben auch viele, die keine Erfahrungen damit haben, und sich die Anschaffung von Computern, Tablets oder Smartphones auch gar nicht leisten können“, erläutert sie.

Deutlich geworden sei dies gerade durch die Corona-Pandemie. Im Vorstand der Senioren-Union etwa habe man sich schnell und ohne Probleme auf Video-Konferenzen umstellen können. „Gut, der eine oder andere musste sich noch schnell eine Webcam besorgen, aber es hat dann gut geklappt.“ Große Unterstützung habe dabei die Kreisgeschäftsstelle geleistet. Aber in manchem Altersheim sei der Kontakt der Bewohner mit ihren Familien per Video-Gespräch nur mit Schwierigkeiten möglich gewesen.

„Wenn wir da nicht aufpassen, hängen wir viele Menschen einfach ab“,

Das gilt übrigens nicht für das Heusenstammer Zentrum Horst-Schmidt-Haus der Arbeiterwohlfahrt. Das Haus verfügt über ein kostenloses W-LAN und hat etliche Tablets angeschafft, um vor allem während des Lockdowns Kontakte der Bewohner nach außen zu ermöglichen, wie der Leiter der Einrichtung, Marcus Hundsdörfer, auf Anfrage bestätigt. Vom Land Hessen erhielt man an der Herderstraße zudem 16 Laptops zu diesem Zweck.

Elisabeth Ball fordert deshalb grundsätzlich, man müsse ältere Menschen bei der Digitalisierung mitnehmen. Auch durch staatliche Förderung für jene, die sich digitale Geräte nicht leisten können. Und auch kostenfreies W-LAN im öffentlichen Raum müsse zur Selbstverständlichkeit werden. „Wenn wir da nicht aufpassen, hängen wir viele Menschen einfach ab“, sagt sie.

Dazu zählt auch die – richtige – Digitalisierung von Behörden. Denn schon jetzt sei es für viele ältere Menschen immer schwieriger Behörden zu erreichen. Gerade jetzt, seit Beginn der Corona-Krise, haben viele Verwaltungen die Besuchszeiten stark eingeschränkt. Lange Wartezeiten auf einen Termin, Probleme, jemanden telefonisch zu erreichen, machten es gerade älteren Menschen schwer, notwendige Behördengänge zu erledigen. Dazu käme, dass so manches Rathaus nur schlecht mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen sei.

Im Großen und Ganzen aber könne man mit den Angeboten für Senioren im Kreis Offenbach zufrieden sein. Sicher müssten mehr altersgerechte Wohnungen gebaut werden. Und auch das Mehrgenerationen-Modell täte auf Dauer bestimmt vielen gut. Angebote für ältere Menschen – Veranstaltungen und Hilfen – würden im Kreis aber viele gemacht. „Man kann nur niemanden zwingen, diese auch wahrzunehmen“, meint Elisabeth Ball. Alte Menschen aus drohender Vereinsamung zu holen, sei ein sehr schwieriges Unterfangen. (Claudia Bechthold)

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