Traumjob mit Hindernissen

Tagesmutter Tanja Schwarz erzählt über ihren Beruf

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Tagesmutter Tanja Schwarz mit ihren Schützlingen Shazad (links) und Liam. Insgesamt betreut sie fünf Kinder zu unterschiedlichen Zeiten.

Heusenstamm - Nach einem Krippenplatz für Kinder unter drei Jahren suchen viele Eltern vergebens. Auch in Heusenstamm. Die Alternative: Tagesbetreuung. Tanja Schwarz ist eine von 13 Tagesmüttern in der Schlossstadt. Trotz teilweise schwieriger Bedingungen liebt sie ihren Beruf. Liam und Shazad sind heute ganz hibbelig. Von Lena Jochum

Die beiden Zweijährigen rennen durch das Wohnzimmer, kabbeln sich auf dem Spielteppich. „Die sind nicht ausgelastet“, sagt Tanja Schwarz. Es regnet und sie kann nicht raus mit den Kindern. Also müssen sie sich drin beschäftigen. Tanja Schwarz ist Tagesmutter. Eine von 13 in Heusenstamm. Sie betreut Kinder ab einem Jahr. Vom Kreis Offenbach hat sie die Pflegeerlaubnis für insgesamt fünf Kinder, maximal vier zur gleichen Zeit. Montags sind es nur Liam und Shazad. Liam ist acht Stunden da, Shazad fünf. „Die Eltern können flexibel entscheiden, wann sie mich brauchen“, erklärt Tanja Schwarz. Das sei ein großer Vorteil. Anders als in Kitas sind die Eltern nicht an feste Zeiten gebunden.

Seit 2015 richten die Eltern die Beiträge für die Tagesbetreuung an den Kreis direkt. Der wiederum zahlt Tagesmüttern und -vätern Fördermittel und Sachkosten. Pro Kind und Stunde sind das 4,95 Euro. Viel ist das nicht. Vor allem, weil – wie heute – nicht immer tatsächlich vier Kinder bei ihr sind. Die vom Kreis genehmigten Betreuungsplätze sind allerdings unabhängig von der jeweiligen Stundenzahl. „Es gibt Tagesmütter, die deshalb sagen, sie nehmen nur Kinder auf, die 30 Stunden kommen“, sagt Petra Beißel, Frauenbeauftragte und Leiterin des Familienbüros. Der Pluspunkt in Bezug auf die Flexibilität ginge so verloren. Für viele Tagesmütter aber rechnet sich ihre Arbeit sonst nicht.

Wenn es um die Situation in der Kindertagespflege geht, sieht Beißel grundsätzlich noch Verbesserungsbedarf. „Rechtlich gesehen sind Kindertagespflege und -tagesstätten gleichwertige Betreuungsangebote.“ In der Praxis sei das nicht immer der Fall. „Elterngespräche, Vorbereitung, Aufräumen: Das bekommen die Tagemütter zum Beispiel nicht bezahlt.“ Sie hofft auf das kommende Jahr. Dann soll die maßgebende Satzung überarbeitet werden, auch in Bezug auf die finanzielle Komponente.

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Trotz der zum Teil schwierigen Bedingungen macht Tanja Schwarz ihren Beruf mit Leidenschaft. „Man bekommt so viel von den Kleinen.“ Sie lächelt. Viele Kinder kommen zu ihr, bevor sie krabbeln. Tanja Schwarz begleitet sie, bekommt jeden Entwicklungsschritt mit. „Es ist toll, zu wissen, dass man dazu beiträgt.“ Ihre Familie hatte nie ein Problem damit, dass ständig fremde Kinder im Haus herumlaufen. „Meine eigenen drei Kinder kennen das von Anfang an.“ Sie selbst habe damals Schwierigkeiten gehabt, Betreuungsplätze zu finden, die sich dann noch mit einer Rückkehr in den Beruf hätten vereinbaren lassen. Also entschied sie sich, die Sache selbst in die Hand zu nehmen. Die gelernte Bürokauffrau absolvierte den vorgeschrieben Kurs, machte über Zeitungsannoncen auf sich aufmerksam, wurde Tagesmutter. Heute hilft die Stadt, Kinder zu vermitteln, stellt außerdem Busse und Betten zur Verfügung, die Tagesmütter leihen können. Die aber wünschen sich mehr. „In anderen Kommunen gibt es pro Kind und Stunde einen oder zwei Euro Zuschuss“, sagt Tanja Schwarz. Darüber würden auch sie und ihre Kolleginnen sich freuen. Noch diese Woche steht deshalb ein Gespräch mit Bürgermeister Halil Öztas an. Mal wieder.

Weitere Infos gibt es am Sonntag, 19. August, beim Aktionstag Kindertagespflege des Familienbüros. Los geht’s um 11.30 Uhr im Saal für Vereine (Rembrücker Straße 2-4).

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