Vom Vermieter im Stich gelassen

„Ein Schock“: Mieter müssen Haus räumen

An der Waldstraße in Rembrücken liegt das Wohnhaus, das offiziell in einem Gewerbegebiet liegt. Da dies nicht erlaubt ist, sollen alle privaten Mieter das Haus räumen. Einige haben bereits eine neue Unterkunft gefunden.
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An der Waldstraße in Rembrücken liegt das Wohnhaus, das offiziell in einem Gewerbegebiet liegt. Da dies nicht erlaubt ist, sollen alle privaten Mieter das Haus räumen. Einige haben bereits eine neue Unterkunft gefunden.

Nach langem Streit zwischen Vermieter und Kreis Offenbach ist nun klar: Die Bewohner müssen ein Wohnhaus im Gewerbegebiet des Heusenstammer Stadtteils Rembrücken räumen. Die Corona-Krise kommt für die Mieter erschwerend hinzu.

  • Im Heusenstamm-Rembrücken müssen Mieter ihr Haus verlassen
  • Vorangegangen war ein Streit des Vermieters mit dem Kreis Offenbach
  • Die Corona-Krise macht es nicht leicht, eine neue Wohnung zu finden

Heusenstamm - Vergangene Woche landete im Briefkasten von Eva Günther eine Räumungsverfügung des Kreises. In spätestens fünf Monaten soll sie mit ihren zwei Kindern ausziehen. Ein Schock für die Familie. Eine neue Wohnung zu finden ist in Corona-Zeiten und auf dem angespannten Wohnungsmarkt sehr schwer.

Eva Günther ist eine von 15 Mietern in einem Mehrparteienhaus an der Waldstraße in Rembrücken (Heusenstamm). Das Haus liegt auf einem gut 4,4 Hektar großen Areal, das im vergangenen Jahr erneut als Gewerbegebiet ausgewiesen wurde. Damit ist ein Wohnhaus dort rechtswidrig. Der Kreis Offenbach stritt sich mit dem Vermieter darum. Der Eigentümer wollte, dass das Areal zum Mischgebiet wird. Doch der Kreis bekam vor dem Verwaltungsgerichtshof in Kassel Recht. Und damit hatte der Vermieter die Pflicht, den Bewohnern zu kündigen oder ihnen zumindest mitzuteilen, dass sie sich eine neue Bleibe suchen müssen. Doch dies geschah nicht.

Mieter in Heusenstamm müssen Haus räumen: Keine Infos vom Vermieter

„Für uns ist das natürlich ein Schock“, berichtet Eva Günther, „die Welt steht still wegen Corona und die Arbeitssituation ist auch angespannt, dazu noch die generell schwierige Lage am Wohnungsmarkt. Und da sollen wir jetzt noch eine neue Wohnung finden?“

Zusammen mit der Räumungsverfügung wurde auch noch ein Ordnungsgeld in Höhe von 250 Euro erhoben. Vonseiten des Kreises Offenbach heißt es, dass die Räumungsverfügung keine Überraschung sei. „Das Urteil existiert nun seit zwei Jahren, es ist eigentlich die Aufgabe des Vermieters, seinen Mietern dies mitzuteilen“, sagt Ursula Luh, Sprecherin des Kreises. Doch der Eigentümer lässt seine Mieter anscheinend unwissend. Luh: „Da mit so etwas zu rechnen ist, hat der Kreis im November 2019 eine Mitteilung an die Mieter der Hauses geschickt, um sie über die Sachlage zu informieren.“ 

Bernd Fleckenstein, der ebenfalls Mieter im Haus ist, ist über das Vorgehen der Verwaltung empört: „Nach dem Schreiben haben einige Mieter versucht, sich mit dem Kreis in Verbindung zu setzen, doch bekamen darauf keine Antwort. Und jetzt kommt plötzlich die Räumungsverfügung.“ Seit dem ersten Schreiben seien schon fünf Mieter ausgezogen, doch nicht für jeden sei das so einfach möglich, weiß Fleckenstein. „Es heißt, wir wüssten davon schon lange, aber es war nie deutlich geworden, wie es weitergeht, auch vom Vermieter haben wir nie etwas erhalten.“

Kreis Offenbach will Mietern in Heusenstamm entgegenkommen

Doch Ursula Luh kann die verbliebenen Hausbewohner beruhigen: „Wenn die Mieter absolut nichts finden, obwohl sie sich um eine neue Wohnung bemüht haben, dann ist der Kreis gewillt, die Räumungsfrist zu verlängern.“ Für Fleckenstein ist dies kein Trost: „Die Leute haben viel Geld in die Wohnungen gesteckt und auch der Umzug kostet Geld. Eigentlich müsste das der Vermieter bezahlen, da er illegal vermietet hat.“

Bürgermeister Halil Öztas unterstützt das Vorgehen des Kreises, auch wenn die Stadt selbst in diesem Fall nicht direkt verantwortlich sei. Es sei ein Schritt, mit dem zu rechnen sei, nachdem das Verwaltungsgericht zugunsten des Kreises entschieden habe. Öztas: „Natürlich ist es generell nicht einfach, in der aktuellen Situation am Wohnungsmarkt eine neue Unterkunft zu finden.“ Die Stadt könne in diesen Fall allerdings erst eingreifen, wenn Mietern die Obdachlosigkeit drohe. Dann würde sie sich um eine temporäre Bleibe kümmern. „Danach liegt die Verantwortung wieder beim Kreis; der müsste in diesem Fall die Mieter bei der Wohnungssuche unterstützen“, sagt Öztas.

VON LUKAS REUS

Alle Infos zu den Auswirkungen der Corona-Krise auf den Kreis Offenbach finden Sie in unserem News-Ticker.

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